Alsenborn und seine Flurnamen

In meinem Werk "Die Siedlungsnamen der Pfalz" (Teil I Seite 24) habe ich diesen Dorfnamen ausführlich behandelt und ihn gedeutet, in dem ich aus einer Reihe von alten archivalischen Quellen, ältere und allerälteste Schreibungen des Namens aufführte. Aus dem Jahr 872 gibt es die Bezeichnung "Alsenzbrunne", 1148 die Namen zweier Brüder "von Alsenceburnen", 1190 "Alsenzebrunnen", 1221 "Alsenzebrunne", 1315 " Alsentzeburne", 1398 "Alsinzeborn", schließlich 1788 "Alsenborn". Es ist nicht nötig, alle Schreibungen aufzuführen, sondern nur zu zeigen, wie sich der ursprüngliche Name im Laufe der Zeitgewandelt hat. Sein ursprünglicher Sinn ist "Alsenzquelle". Folglich ist der heutige Dorfnamen seinem Ursprung nach auch ein Flurname, nämlich Benennung für eine Quelle; und erst dadurch, daß sich dort Menschen ansiedelten, wurde daraus ein Siedlungsname. Ich mache besonders darauf aufmerksam, wie sich ursprüngliches -brunne oder -brunnen zunächst in -burne und zuletzt in -born verwandelt. Wir lernen aus diesem Beispiel, daß man den Sinn eines Flurnamens nur erschließen kann, in dem man ihn an Hand alter Urkunden, Schriften und sonstiger Belege soweit wie möglich in die Vergangenheit zurück verfolgt. Dabei stellen sich dann nicht selten ganz unglaubliche Namenswandlungen heraus (z. B. hieß das Dorf Hirschhorn im Kreise Kaiserslautern ursprünglich "Hunrescherre"). Deshalb müssen wir, um die heutigen Alsenborner Flurnamen erklären zu können, für jeden einzelnen alte und älteste Formen heranziehen.

Ich ordne nun die Flurnamen in bestimmte Gruppen ein:

I. Flurnamen nach Bodenart und Bodenform:

Wir beginnen mit Flurnamen, welche keiner weiteren Erklärung bedürfen, so "Talwiese" und "Bergwiese", "Tiefgewanne", "Dohlwiese" (d. h. `Wiese mit oder bei einer Dohle, einem unterirdischen Abzugsgraben´); "Lehmenkraut" besagt `Lehmgrube`, "Kühlbrünnchen" bedarf keiner weiteren Erklärung, "Kahlaue" und "Kahlenberg" ebenfalls nicht, ebenso "Hübelchen" und "Spitzer Hübel" ; wenn im letzten Falle amtlich heute "Spitzer Hügel" geschrieben wird, ist das nicht berechtigt; ein Hübel ist zwar ein Hügel, aber das Wort Hügel ist der gesamten Pfalz und noch einer weiteren Umgebung seit alters fremd. Es stammt aus dem Ostdeutschen und drang erst durch Martin Luthers Bibelübersetzung in die hochdeutsche Sprache ein.

Aber kehren wir noch einmal in die Niederung oder auf flächenhaftes Gelände zurück! Dort ist es vielfach feucht oder recht naß; "Bruch" und "Bruchwiesen" waren also ehemals ausgesprochenes Sumpfgelände, in welches man mit den Füßen einbrach. Auch was heute "Dünndell" heißt, enthielt ehemals viel Wasser; das erfahren wir, wenn wir den Namen in frühere Jahrhunderte zurückverfolgen; dann wird daraus "Tümpeltal", weil sich hier nämlich durch eine Talung hin ein Tümpel an den anderen reihte. Eine fast unglaubliche Entstellung ist die "Kinderlehr", denn hier sind niemals Kinder belehrt, unterrichtet worden; vielmehr hatte man zur Bewässerung hier mehrere künstliche Kändel, d. h. Bewässerungsgräben angelegt, weshalb dieses Gelände "Kändelerde" hieß.

Jetzt ist es Zeit an Bodenerhöhungen zu denken, wie wir sie bereits mit "Hübelchen" und "Spitzer Hübel" anführten. Ein Bodenanstieg heißt im Volksmund immmer noch Stich, und der "Katzenstich" meint einen recht kurzen Weg- oder Geländeanstieg wie `Katzenstühlchen` die Benennung für ein kleines Stühlchen ist. Dagegen stellen "Alte Steige" und "Neue Steige" stärkere, auffallendere Steilanstiege von Boden und besonders Wegen dar. Die "Alte Steige" führte vom Dorf her hinauf zur alten Römerstraße, die von Kaiserslautern über den Schorlenberg mit seinem einstigen Forsthaus an der Südgrenze der Gemarkung entlang nach Osten zog. Wir werden später noch einmal darauf zurückkommen müssen. Die "Neue Steige" wurde erst in jüngerer Zeit geschaffen. "Stutzacker" und "Stutzkopf" haben plötzliche Geländeabbrüche zur Ursache; man stutzte hier, weil man nicht auf solche plötzlichen Steilstellen gefaßt war. "Steinkopf" ist eine verständliche Benennung, für einen Berg mit felsigem, kopfartigem Gipfel auf dem eventuell sogar Steine für den Häuserbau gebrochen wurden. Auch der "Schorlenberg" weist allenthalben große und kleine Gesteinsbrocken auf, und darauf bezieht sich das "Schorl" im Bergnamen.

Nun gibt es zu Alsenborn auch den Namen "Flur" für eine bestimmte Feldgewanne. Das Wort bezeichnet einmal die ´Gemarkung´, zum andern den Hausgang, bzw. die in gewissen Hausformen. Es geht nicht an, ausführlich über diese Bedeutungen hier zu sprechen; ich hier nur darlegen, daß der Name "Flur" für einzelne Grundstücke oder Gewanne in der Pfalz weithin verbreitet ist immer flächige, gute Bodenstücke benennt. Also drückt auch die Alsenborner "Flur" aus, daß es sich um ein Bodenstück von fast ebener Lage und guter Ertragsfähigkeit handelt. Wer sich eingehender über die Bedeutung von "Flur" unterrichten will, möge zunächst in dem "Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache" von Friedrich Kluge nachlesen und dann die dort aufgeführten Spezialarbeiten einsehen!

Zum Flurnamen "Blechacker" ist zu sagen, daß der erste Namensteil darauf beruht, daß der Acker einst fahl bzw. bleich aussah, weil er brach liegen geblieben und deshalb als Blöße aufgefallen war.

Alsenborn hat auch Anteil am "Stumpfwald". Was soll man sich bei diesem Namen denken? Wieder müssen wir weit in die Vergangenheit zurückgehen, um an alten Namensformen den Namenssinn zu erkennen. Der Wald, bzw. das Waldgebirge heißt 765 und noch 1330 mundartlich "Stamp", 1357, 1494 und 1596 hochdeutsch "Stampf", 1596 auch "Stampfwald"; erst in späterer Zeit ist die sinnentstellende Umwandlung in "Stumpfwald" erfolgt. "Stampf", das einigemale in Flurnamen vorkommt, bezeichnet Geländestellen, wo es nötig ist, mit ´stampfenden Schritten´ zu gehen; und das ist der Fall, wenn man von Osten, von Ramsen her zur Höhe des Stumpfwaldes emporsteigen will, weil hier der Gebirgsabfall besonders steil ist. Den Bergnamen "Stempelkopf" im Alsnborner Teil des Stumpfwaldes wandeln wir als Ableitung von "Stampf" in verständliches "Stämpfer", bzw. "Stempferkopf" um.

Dieses Kapitel wollen wir mit dem recht verständlichen und im pfälzischen Bergland gar nicht selten auftretenden Flurnamen "Platte" abschließen, der den flachen, also platten Gipfel von Bergen, bzw. eine kleine Hochfläche bezeichnet. Der Alsenborner "Plattenweg" führt zu einer `Platte` hin.

II. Flurnamen nach Pflanzen

In der Einleitung habe ich gezeigt, daß der Dorfname Alsenborn ursprünglich ein Flurname für die Quelle der Alsenz ist, und daß sich in altem "Alsenzbrunne" der zweite Namensteil von -brunne zu -born wandelt. Die Alsenz hieß ursprünglich lateinisch Alisontia. Darin ist das -ontia eine sprachliche Ableitung zu lat. Alisa, d. i. Entsprechung für daraus entstandenes altdeutsches arila; diese ahd. Form wandelte sich in jüngster Zeit in erila und heutiges "Erle". Also erhielt der Fluß seinen Namen nach den an seinen Ufern entlang wachsenden Erlen. Der Name "Alsenborn" ist somit ein Flurname nach Pflanzen. (Erlenquelle).

Wieder beginnen wir auch in diesem zweiten Kapitel mit einfachen, leicht verständlichen Flurnamen, wie z. B. "Breites Bäumchen" und dem ehemaligen, heute vergessenen Flur- namen "Baumgarten". Weil er nicht mehr vorhanden ist, erlosch auch sein Name. Auch der Flurname "Buch" betrifft einen Baum; er bedeutet `Buchengehölz`, `Buchenwald`; "der Eich" bedeutet entsprechend ,Eichengehölz´, ,Eichenwald`.

In alter Zeit hieß ein Wald im Bann von Alsenborn "Hagen"; er wurde im Volksmund hier wie weithin in der Pfalz zu mundartlichem "Hahn", enthalten noch im Flurnamen "Hahnen-schneise", worin der zweite Namenteil einen schmalen Durchhau durch einen Wald bezeichnet, der häufig zu einem Waldweg erweitert wurde. Noch ein anderes Wort gab es einst mit der Bedeutung ,Wald`, und zwar mhd. lôch einen licht stehenden, aufgeschlossenen, parkähnlichen Wald. Zu Alsenborn ist es noch enthalten im Flurnamen "Lochbach", d. h. ,durch den Wald fließender Bach`.

Von den Bäumen wenden wir uns den Sträuchern zu und hier zunächst dem Holunder, der im Volksmund immernoch kurz Holder heißt. Nach einem "Holderstock" war ehemals eine Stelle in der Gemarkung Alsenborns benannt; sie ist heute vergessen. Gut bekannt ist die Salweide, die sich alljährlich durch ihre von den Menschen freudig begrüßten Kätzchenblüten im Frühling recht auffällig bemerkbar macht; so ist es auch auf dem Alsenborner "Salweidenkopf". Auch in "Flomborn" ist ein Strauchname enthalten, nämlich mundartliches Flomer für die Brombeere, die mhd. brâmber heißt. Ob die eine Form des Beerennamens aus der anderen entstanden und wie das Flomer zu erklären ist, konnte noch nicht aufgeklärt werden. Bei dem "Flomerborn" und auf dem "Flomersberg" wachsen heute noch Brombeeren.

Nun zu bescheideneren Pflanzen wie dem Heidekraut. Es wächst auf der "Heide", in Alsenborn wie an noch sehr vielen Stellen in der Pfalz. Ist ein Hügel damit bedeckt, dann kam es zum Flurnamen "Heidenhübel"; aber hier ist vorsicht geboten: In manchen Heidenhübeln liegen nämlich Heiden, d. h. Menschen der vorchristlichen, also heidnischen Zeit begraben, und nach solchen Heiden sind auch die "Heidenburgen" unserer Pfalz bei Kreimbach und Oberstaufenbach im Kreis Kusel und bei Waldfischbach im Kreise Pirmasens benannt. Ob auch der Alsenborner "Heidenhübel" noch unentdeckte Heiden in sich birgt? Wer vermag das zu sagen?

Interessant sind die Flurnamen "Triesch" (auch "Driesch" geschrieben) und "Trift"! Der erstere benennt unangebautes, wild bewachsenes Gelände, der andere Name geht auf das Tätigkeitswort ,treiben` zurück und wird für alte Viehtriebwege oder Viehweiden gebraucht, bezeichnet also wildgegrastes Land.

"Grundbirnenacker" und "Grundbirnendelle" versteht jeder Pfälzer, auch "Rohrwiesen", wobei zum letztgenannten Flurnamen zu sagen wäre, daß dort Schilfrohr wuchs oder noch wächst.

Einer umständlichen Erklärung bedarf das merkwürdig anmutende "Haarspott"; dieses Gelände ist heute mit Häusern und Gärten bedeckt, war aber einst Ödland oder allenfalls mit Flachs bepflanzt, als unsere Alten noch spannen und woben und deshalb auch Flachs anbauten. War dieser zur Ernte herangereift, mußte er noch eine Zeitlang in dünnen Lagen ausgebreitet werden, damit in Sonne, Wind und Regen die harten Stengel weich und brüchig wurden und die Fasern sich von ihnen lösen ließen. Dieses Auslegen zum Mürbewerden nannte man mit einem heute völlig vergessenen Ausdruck ,rößen´ (Röße); weil der Flachs auch ,Har´ genannt wurde, sprach man also von ,Harröße´ und nannte das geschilderte Flachsauslegen ,Harrößbütte´, das sich in mundartliches "Harspott" verwandelt hat, weil man die alte Benennung nicht mehr verstand. Die von anderen Flurnamenforschern übernommene Deutung in hochdeutsches "Harrößbütte" befriedigt mich nicht ganz; leider sind aber keine so alten Belege aufzufinden, die eine andere Deutung möglich machen.

Auch der Flurname "Orteldell" kann nicht mit wenigen Worten aufgeklärt werden; es ist unbefriedigend nur zu sagen, hier sei ehemals Ahorn gewachsen, sondern wir müssen daran erinnern, daß im Volksmund der Ahorn ,Oreholz´ genannt wurde; in den Jahren 1785 und 1786 finden wir die heutige "Orteldell" schon als "Urtel Delle" und "urtel Dell" verzeichnet. Wie im Fall "Haarspott" vermögen wir auch hier den Namenswandel nicht völlig aufzuklären.

III. Flurnamen nach Tieren

Davon gibt zu Alsenborn eine ganze Anzahl. Die meisten sind ohne weiteres verständlich: "Entenpfuhl", "Gänsbrünnchen" oder "Krottenwoog" und "Krötenwiese" zu schreiben wäre. Dagegen bedarf "Horswoog" einer ausführlichen Erklärung. Der erste Namensteil "Hors" ist aus ahd. Zeit erhalten geblieben, als man den Tiernamen Roß noch ,Chroß´ aussprach, aber dafür ´bros´ schrieb. Weil in dem Woog, d. h. Weiher, immer wieder Pferde getränkt und gebadet wurden, erhielt er den Namen, der bis heute fortlebt.

Verendete Tiere werden in der "Schindkaut" vergraben; aber in alter Zeit, als man noch sparsamer war als heutzutage, zog man den toten Pferden, Rindern, Schafen, Hunden usw. vor dem Einscharren das Fell ab, um wenigstens etwas zu retten. Dieses Enthäuten hieß ganz allgemein ,schinden´. Der Name "Schindkaut" ist in der gesamten Pfalz und noch weit darüber hinaus gebräuchlich und verständlich.

IV. Flurnamen nach Größe, Lage und Nachbarschaft

Nach der auffallend kleinen Längsausdehnung sind benannt: "Kurze Äcker" und "Kurzes Wögelchen" (d. i. Weiherchen). Der "Langenstein" genannte Grenzstein fiel durch seine Länge im Gegensatz zu anderen Grenzsteinen auf. "Dorfwiese" spricht von der Lage der Wiese nahe beim bzw. im Dorf. "Mittlere Gewanne" bedarf keiner weiteren Erklärung. Nach den ehemals recht fleißig mahlenden Mühlen erhielt der "Mühlberg" den Namen; und der "Zwerchacker" fällt dadurch auf, daß er zwerch, d. h. quer zu seinen Nachbargrundstücken zieht. Der "Diemersteiner Berg" reicht von Alsenborn ostwärts bis zu der auf seinem Steilabbruch stehenden Burg Diemerstein und ist nach ihr, bzw. den einstigen Rittern von Diemerstein benannt. "Wäschberg" besagt ,Berg bei einer Stelle, wo die Frauen in der Alsenz Wäsche wuschen´; eine Tätigkeit, die heute in Vergessenheit geraten ist.

V. Flurnamen, die auf Heimatgeschichte und wirtschaftliche Entwicklung zurückverwiesen

Wenn die "Burgstraße" von einer Burg spricht, ist die einst an der Alsenzquelle stehende ,Dieburg´ gemeint, die nach einem ersten ritterlichen Bewohner benannt gewesen sein könnte, dessen Name dann wohl Dioto eine Kurzform zu Vornamen wie Dietrich (ahd. Diotrich), Dietbald (ahd. Diotbald) Dietfried (ahd. Diotfrid) usw. gelautet haben dürfte. Genaueres vermögen wir nicht festzustellen, weil dieser älteste Bewohner nirgends genannt wird. Nahe bei der verschwundenen Burg hatte man einen Hof angelegt, der die Burgbewohner mit allen zu versorgen hatte, was er an pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln zu erzeugen vermochte. Zu diesem Hof gehörten eine "Hofflur", ein "Hofbrunnen" und ein "Hofwoog". Am besten ordnen wir hier auch noch die heute vergessene, aber 1608 und 1785 bezeugte "Hundswiese" ein. Besäßen wir noch weit ältere Zeugnisse, dann hieße sie richtig noch "Hundwiese". Mit dem Vierbeiner hat ihr Name allerdings nichts zu tun, sondern sie gehörte zum Besitz des Hundo, der als Richter unmittelbar unter dem Gaugrafen tätig war. Der Name diese hohen Beamten ist uns noch aus einer ganzen Anzahl von Flurnamen in pfälzischen Gemarkungen bekannt, so zu Erfenbach, Wattweiler (Kreis Zweibrücken), Waldfischbach (Kreis Pirmasens) und Einöd. Auf einer Bodenaufschüttung südlich der Dieburg war der sogenannte "Freigarten" angelegt; darin stand das Haus, in dem alljählich einmal das Flörsheimer Hubgericht abgehalten wurde. Die Dieburger unterstanden ursprünglich der Gerichtshoheit des Adelsgeschlechts der Flörsheimer und nicht der Kurpfalz, zu der Alsenborn seit 1567 gehörte; so erklärt sich auch der Name "Freigarten". Daß außerdem auch Klöster Besitz im Bann von Alsenborn hatten, bezeugten Flurnamen wie "Klosterfeld" und die "Wadgasser Wiesen", die dem eistigen Kloster in Wadgassen im saarländischen Kreis Saarlouis gehörten. Der "Pfarrech" war ehemals Teil des dem Pfarrer zur Verfügung stehenden Pfarrguts. Das sogenannte "Geldloch", das immer noch in den Wald hineinragt, war dadurch entstanden, daß man hier den Wald abgetrieben und dann Äcker angelegt hatte, für die ein besonderer Zins, Gült genannt, zu entrichten war; der richtige Name für dieses Gelände ist daher "Gültloch", und nicht mundartliches "Geldloch". Auch am "St. Urbansberg" wurde einst alter Wald beseitigt, vermutlich um Weinberge anzulegen, denn St. Urban, dem Schutzpatron der Winzer, hatte man diesen Boden gewidmet, der Reben tragen sollte. Dergleichen Vrsuche könnten auch aus anderen Gemarkungen belegt werden, u. a. beschloß 1571 der Rat der Stadt Kaiserslautern, anstatt wie bisher den teueren Wein aus der Vorderpfalz zu beziehen, am Kahlenberg, d. i. am Hang, an dem sich heute der städtische Friedhof hinaufzieht, den Wald zu fällen und Wein anzupflanzen. Doch die große Täuschung ließ nicht lange auf sich warten, denn auf Buntsandstein gedeiht nun mal kein Wein. Die Rebstöcke wuchsen überhaupt nicht an, und die Ratsprotokolle schweigen sich aus über den Mißerfolg des verfehlten Weinanpflanzungsunternehmens.

Wir wollen nun noch Flurnamenzeugnisse dafür beibringen, daß durch Alsenborns Gemarkung einst eine Römerstraße zog. Eines, "Alte Steige", haben wir in Kapitel I schon kennen gelernt. Ein Zweig dieser Römerstraße führte nach Worms, der andere über Alzey nach Mainz. Wo sie aus der Alsenborner Gemarkung in die Wattenheimer hinüberführte, auf der Gemarkungsgrenze mitten im Wald, stand ein alter Grenzstein. Diesseits wird 1604 ein Kreuz erwähnt, ebenso jenseits; ersteres führte den Namen "Combekreuz", letzteres hieß "St. Nikolauskreuz". Es kostete mich viel Mühe nachzuweisen, daß beide Namen dasselbe bedeuten. Wenn wir 1767 lesen: "Der letzte Stein (d. i. Grenzstein auf Alsenborner Gelände) am Stampf oder Stumpfwald herwärts St. Nicolaus", so geht darauf hervor, daß er nach St. Nikolaus, dem Schutzpatron der Seeleute, Fischer, Wanderer und Fernfahrer, benannt war, der auch als Begleiter, als Kumpan (d. i. Kamerad, Genosse) der auf den Römerstraßen Fahrenden und Wandernden galt. Das Wort "Kumpan" aber ist im Pfälzer Volksmund zu Combe (Kombe) abgeschwächt worden. Folglich ist das "Combekreuz" (Kumpankreuz), das die alte Römerstraße in ihrem Verlauf durch den Wald von Alsenborn und Wattenheim bezeugt, identisch mit dem "St. Nikolauskreuz". Noch ein Stück dieser ehemaligen Römerstraße - zwischen dem Schorlenberg und der heutigen Straßen von Alsenborn ins Eistal - ist bekannt; als ausgeprägter Geländeanstieg hieß es "Rennsteig", da man sich auf dieser Römerstraße, die über die Höhen führte und keine Siedlungen berührte, ungehindert rasch vorwärtsbewegen (rennen) konnte. In der Benennung solcher Altstraße kommt das Wort "rennen" immer wieder als Bestimmungswort vor; beispielsweise heißt die allbekannte Römerstraße, die von Saarbrücken nordwärts etwas westlich an Ottweiler und St. Wendel vorbei über die Berghöhe verläuft, "Rennstraße" und ein Römerstraßenstück von St. Martin hinauf zum Totenkpof und nach Taubensuhl "Rennpfad". So deuten wir auch den "Rennsteig" im Bann von Alsenborn als einstige Römerstraße, obwohl dieser Name eine fast unglaubliche Entstellung erfuhr, indem er 1604 und 1767 als "Rendfleisch" niedergeschrieben wurde; voraus ging dabei die Umbildung von "Rennsteig" in Rindsteig", weil in den beiden Waldgebieten in alter Zeit ständig Rinderherden geweidet wurden. Fügen wir noch hinzu, daß der nordwärts durch den Stumpfwald verlaufende Römerstraßenteil, der über das "Göllheimer Häuschen" und Göllheim nach Worms führt, immer noch "Göllheimer Straße" heißt.

Nun wollen wir uns jüngeren Flurnamen zuwenden, die ganz anderes bezeichnen.

Da gibt es in Alsenborns Gemarkung einen "Weißen Stein", der 1767 als Grenzstein auf dem "Rindfleisch", d. h. dem "Rennsteig" angeführt wird, und den "Roten Malstein" der ebenfalls als alter Grenzstein zu betrachten ist.

Sprachen wir vorhin von den ständig in den großen Waldungen zur Weide getriebenen Rinderherden, so darf nicht vergessen werden, daß die Tiere auch getränkt werden mußten; dafür standen in den Wäldern Bäche und Quellen zur Verfügung. An einen Bach oder gar Fluß konnte man zwar ganze Herden treiben, aber an einer Quelle wäre es unter den durstigen Tieren doch wohl zum Streit gekommen, wenn alle auf einmal ans Wasser wollten. Um das zu verhindern, stellte man bei solchen Quellen lange steinerne Tröge auf. Noch heute kann man auf einsamen Wanderungen durch den Pfälzerwald auf solche stehengebliebene Tröge stoßen. Zu Alsenborn erinnern die Flurnamen "An den 3 Trögen" und "Trögental", von denen der erstere im Volksmund nur noch in der Form "An de 3 Drehe" lebt, an diese Tränkevorrichtungen.

Zu den nun wiederholt angesprochenen Viehherden, die in den großen Waldungen weideten, gehörte immer ein von den Besitzergemeinden eingestellter und bezahlter Hirte; zumeist bildete ein Garten mit seinen Erträgen einen Teil seiner Entlohnung, darauf bezieht sich der Flurname "Hirtengarten". Dagegen erinnert "Hirtenkiefer" daran, daß der Viehirte unter diesem Baum öfters ruhte und von hieraus auch seine Herde überblickte, weil sein Standort eine solche Übersicht ermöglichte. Wer bei "Unterdell" an einem Gegensatz zu mit "Ober-" gebildeten Namen denkt, irrt. Hier haben wir es mit einem ganz anderen Wort zu tun, nämlich mit ahd. "undarn", d. h. "Mittag"; als mhd. "undern" bezeichnete es auch schattige Stellen, wo das Weidevieh am heißen Mittag sich zur Ruhe niederließ. Solche Stellen mußten außerdem eine Tränkemöglichkeit bieten, wo die Tiere ihren Durst stillen konnten. Diese Bedingungen erfüllte die "Unterdell" genannte Senke am Rande des Stumpfwaldes.

Daß "Galgenwald" einen Waldteil beim einstigen Galgen meint, bräuchten wir wohl gar nicht erst zu sagen. Auch "Neuwiesen" bedarf keiner weiteren Worte, und selbstverständlich fanden bei der "Schanze" kriegerische Kämpfe statt. Auf dem "Franzosenwasem" wurden französische Soldaten begraben, die in den Schlachten des Jahres 1794 gefallen sind. An Leichname läßt uns auch der Name "Schelmenkopf" denken, wie manche in pfälzischen Gemarkungen mit dem Wort "Schelm" gebildete Flurnamen. "Schelm" ist nämlich das alte Wort für Aas, faulendes Fleisch, und in unserem Fall für menschliche Leichname. Das Grundwort "-kopf" in diesem Flurnamen hat mit der gegebenen Deutung nichts zu tun, sondern bezieht sich ganz harmlos auf die Gipfelform des Berges. Als 1764 ein Grenzumgang um Alsenborns Gemarkung stattfand, wird uns ein "Schlagbaum" genannt, der quer über die alte, bereits beschriebene Hochstraße über den Schorlenberg herabgelassen werden konnte. Dieser Schlagbaum bezeichnete die Grenze und Zollstation zwischen dem kurpfälzischen Gebiet, dem Gericht Alsenborn, und dem zum Territorium von Leiningen gehörenden Wattenheimer Wald. Nach diesem Schlagbaum erhielt der betreffende Bergteil den Namen "Schlagberg". Auch zum Flurnamen "Schlittweg" muß ausführlicher gesprochen werden, weil es mit dem Namen des Schlittens, der zum Fahren auf dem Eis oder über Schneelagen hinweg diente, nichts zu tun hat. 1601 und 1714 erfahren wir von einem "Schlitweg bey dem Pfarrhaus", ferner einem "Schlitweg uf dem Flur" und einem weiteren "Schlitweg zum Zwerchacker". Schlittwege waren kleinere, unwichtigere Feldwege im Gegensatz zu den Hauptwegen durch Feld und Wald; sie entstanden dadurch, daß man von den Hauptwegen her die zur Bestellung der Felder benötigten Geräte wie Pflug, Egge usw. an der Gewanne zwischen Äckern oder Wiesen hinschleifte; im Laufe der Zeit wurden daraus schmale Behelfswege.

Für uns Menschen von heute klingt es ganz unbegreiflich, wenn ein Stück Grund und Boden "Seelgerät" heißt und im Volksmund kurzweg "Seelgreet" ausgesprochen wird. So benannte man einst Grundstücke, sei es Acker-, Wiesen- oder Gartengelände, die einer Kirche gestiftet wurden, damit ihre Geistlichen Messen für das Heil der Seele lasen. Und nun wollen wir dieses Kapitel mit dem sehr bedeutungsvollen Flurnamen "An den Stühlen" abschließen. Mitten im weit sich hinziehenden Stumpfwald, bzw. mitten auf dem alten "Stampf", sind heute tatsächlich steinerne Stühle zu sehen, die 1934 auf Betreiben des aus Alsenborn stammenden Polizeimeisters Eller erichtet wurden - leider ungefähr 100 m abseits der ehemaligen Gerichtsstätte. Dort tagte bis in die Neuzeit hinein alljährlich das sog. "Stumpfwaldgericht", für dessen Richter und Schöffen hier einst aus Holz gezimmerte Stühle standen.

VI. Mit Personennamen gebildete Flurnamen

Personennamen sind teils Ruf-, also Taufnamen und teils Familiennamen. Gibt es in Alsenborn eine "Hermannsgasse", dann muß Hermann hier einmal als Familienname vorgekommen sein, denn einem einzigen Mann kann ja nicht die ganze Straße gehört haben. Dagegen hat die "Metzen Wiese" einmal einen Besitzer namens Metz gehört. Auch "Heinzenborn" ist sicher so zu deuten; ein Mann namens Heinz war möglicherweise Eigentümer des Geländes, in dem diese Quelle entspringt. Ähnliche Gedanken erwecken Flurnamen wie "Jörgenkiefer", oder "Storzengarten", der in älterer Zeit "Stutzen Garten" hieß, so daß der ehemalige Eigentümer den Familiennamen Stutz getragen haben muß. Eine andere Quelle hieß einst "Flickersborn". Zum Glück fand ich in einer Einwohnerliste des Dorfes Alsenborn aus dem jahr 1592 eine Frau mit dem Namen "Flickers Els", wodurch klargestellt war, daß es in Alsenborn einst Träger des Namens Flicker gegeben hat, die eine besondere Beziehung zur Quelle "Flickersborn" behabt haben müssen, sei es als Eigentümer oder durch ein besonderes Ereignis.

Da in alter Zeit die Gemeinden Alsenborn und Enkenbach ausgedehntes Waldgelände gemeinsam besaßen und nutzten, gibt es heute nach der Teilung desselben sowohl zu Alsenborn wie zu Enkenbach einen "Herlenberg"; ihre Namen begegnen uns in den Jahren 1604, 1741, 1765 und 1784, ohne daß wir dabei Einsicht in den ersten Namensteil "Herlen-" gewinnen. Es kostete viel Mühe, herauszufinden, daß wir es mit dem ahd. Vornamen Herilo zu tun haben, der heute als Familiennamen Herlein lautet und dadurch entstand, daß man Namen wie Hermann, Herbert, Herwalt u. a. in ahd. Zeit zu Hero verkürzte und verkleinerndes -lein anhängte. Dasselbe geschah ja auch z. B. beim Taufnamen Friedrich, den man in ahd. Zeit zunächst zu Frido abkürzte und dann verkleinerndes ahd. -lin anhänge, sodaß jüngeres Fridolin und selteneres Friedlein als Rufname entstand, die heute noch als Familiennamen vorkommen.

Ähnliches ging beim alten Taufnamen Berchtwalt vor sich, der sich schon in früher Zeit über Berchtold in Bechtold verwandelte, eine Abkürzung zu Becht erlebte und heute in den Alsenborner Flurnamen "Bechtenkopf", "Bechtental" und "Bechtenwöglein", bzw. "Bechtenwögelchen" weiterlebt.

Am Fuße des "Billetskopfs" gibt es den "Billetsweiher". In den älteren Formen "Billungskopf" und "Billungsweiher" erkennen wir, daß der alte, besonders in adligen Kreisen beliebte Rufname Billung darin enthalten ist, leider fand ich aber kein Beispiel für Alsenborn.

Schließen wir ab mit dem Flurnamen "Eckelsberg", der nach einem Träger des Vor- und späteren Familiennames Eckel gebildet ist; er ist wohl aus ursprünglichem Eckehart abgekürzt, zu Ecko verkleinert und weiter zu Eckel entwickelt. Wiederum vermag ich nicht zu sagen, welche Beziehungen des so gerufenen Mannes zu dem Berg bestanden, weil keine alte Urkunde etwas darüber aussagt.

Aus: "Alsenborn 872 - 1972" von Ernst Christmann

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