Der Klosterbrunnen in Enkenbach - Brunnenkammer für die Wasserleitung des Klosters; später "Wäschbach"

Etwa sechzig Meter westlich von der als Baudenkmal viel beachteten Klosterkirche sprudelt der Klosterbrunnen aus der Erde. Er wird von der Bevölkerung, bei der die geschichtlichen Zusammenhänge in Vergessenheit geraten sind, oft auch "Wäschbach" genannt; denn sein Wasser wurde in einer besonderen Anlage, die gleich beschrieben werden soll, jahrhundertelang von den Bauers- und Handwerkerfrauen des Dorfes zum Wäschewaschen verwendet.

Die Quelle ist in einer mit Sandsteinen gemauerten, gewölbten Brunnenkammer gefaßt, die an der Vorderseite mit einem schmiedeeisernen Gitter, einem zweiflügligen kleinen Tor abgeschlossen ist. Im letzten Kriege kam das alte Gitter abhanden. Behelfsweise wurde ein Lattentürchen angebracht. Das jetzige Eisengitter wurde vor ca. sechs Jahren auf Kosten der Ortsgruppe En¬kenbach des Pfälzerwald-Vereins angefertigt. Überhaupt wurde in diesem Jahre die ganze, ziemlich verwahrloste Anlage renoviert. Die drei metallenen Ausflußröhren, die früher nicht vorhanden waren, wurden eingebaut. Die Wasserrinnen und die Einfassungen der Waschbecken, die mit Zement notdürftig ausgebessert waren, wurden mit dem ursprünglichen Material, nämlich mit Sandstein, neu hergerichtet. Das unterste Becken wurde etwas verkürzt, damit der vorbeifahrende Fußpfad die notwendige Breite erhalten konnte. Zu dem erwähnten Zeitpunkt wurden auch die beiden Trauerweiden gesetzt und die beiden Bänke aufgestellt.

Die geschichtlichen Zusammenhänge

Als 1957 die Hochspeyerer Straße kanalisiert und in der Nähe der Quelle ein Graben für ein Abflußrohr gestochen wurde, stieß man dann in ca. 1,20 m Tiefe auf ausgehöhlte Eichenstämme, denen man sofort ansah, daß sie als Deicheln für eine Wasserleitung benützt worden waren. Die Eichenbalken, ca. 40 cm Durchmesser, waren völlig unversehrt erhalten. Die .alte Wasserleitung lief von dem Brunnen in Richtung Kirche. Und nun entsinnen wir uns, daß früher zwischen Quelle und Gotteshaus, die Gebäude des Klosters der Prämonstratenser-Nonnen standen. Die Wasserleitung war also für das Kloster gelegt worden. Wann sie gebaut worden ist nicht bekannt. Doch wissen wir das Gründungsjahr des Klosters (1148) und das Jahr der Aufhebung durch Kurfürst Friedrich III. (1564). Die Wasserleitung ist also eine Anlage aus dem Mittelalter. Ihr Vorhandensein beweist, daß die Quelle nicht direkt inner¬halb des Klosterbezirks lag. Sie befand sich, nach der Örtlichkeit zu schließen, unmittelbar an oder vor der Umfassungsmauer. Da die Nonnen nach ihrer strengen Ordensregel sich keinen Schritt außerhalb des Klosterbannes aufhalten durften, mußte das Quellwasser in den erwähnten Deicheln unter der Mauer durch in das Innere des Klosters geleitet werden.

Nach diesen Ausführungen braucht nicht mehr geklärt zu werden, woher der Brunnen seinen Namen hat. Doch sind die Zusammenhänge noch ausgeprägter: Ohne Quelle wäre wahrscheinlich kein Kloster und wahrscheinlich auch kein Dorf in diesem Raum entstanden. Die Frage, was in Bezug auf die Entstehung früher zu datieren ist, das KIoster oder das Dorf, bleibe hier unbeantwortet. Unbestritten aber ist die große Bedeutung der Quelle für die frühe Siedlungstätigkeit in dem Gelände zu Füßen des Schorlenbergs. Die Sicherung der Wasserversorgung ließen sich die Dörfer- und Klostergründer zuerst angelegen sein. So entstanden in nächster Umgebung mehrere Siedlungen, die einer Quelle, dem Born, sogar ihren Namen verdanken, wie z, B. Milchborn (Wüstung in der Gemarkung Enkenbach), Alsenborn, Baalborn, Sendelborn (bei Hochspeyer) und Vogelborn (Wüstung bei Stauf). Es ist kein Wunder, daß solche Brunnen in der frühesten Zeit im Kultleben des Volkes eine Rolle spielten. Auch unsere Quelle war für das Kloster und das Dorf der Lebensspender. Eine symbolische Verdeutlichung dieser Tatsache ist darin zu sehen, daß dem Enkenbacher Klosterbrunnen heute noch die Aufgabe des "Kindelbrunnens" zufällt, aus dem der Storch die kleinen Buben und Mädchen, den Dorfnachwuchs, fischt.

Waschfrauen am Klosterbrunnen

Wie schon eingangs erwähnt, heißt die ganze Brunnenanlage auch noch "Wäschbach", weil hier die Hausfrauen des Dorfes bis hinein ins Zeitalter der Wasserleitung und der Waschmaschine die Wäsche reinigten. Gleich unterhalb der Quelle sind für diesen Zweck (wie in dem Waschhäuschen an der AIsenzquelle in Alsenborn) zwei ausgemauerte Becken. In jedes führt von der Quelle aus eine besondere Wasserrinne, Vom oberen, kleineren Becken geht ein Durchlaß, der mit einem Schieber verschließbar ist, ins untere. Quer über das untere Becken lagen früher dicke Eichenbretter, auf denen die Frauen beim Waschen knieten, auf denen sie die Wäsche auftürmten. Der Waschvorgang war folgender: Einseifen, Klopfen mit dem Plauel (Holzplätsche), Kneten und Reiben, eventuell nochmaliges Klopfen und Kneten. Dann wur¬den die Wäschestücke in das obere Becken geworfen und ausgewaschen. Die beiden Becken hatten also verschiedene Funktionen. Jede Wäscherin mußte sich an die eingeführte Ordnung halten. War die Wäscherin nun fertig und hatte ihr Leinen und ihr Baumwolltuch fein säuberlich im Korb aus weißen Weiden aufgestapelt, so mußte ihr eine andere Waschfrau "heben", d.h. behilflich sein, den Korb auf den Kopf zu heben, wo schon vorher ein kleines Kissen, früher meist ge¬füllt mit Spelzspreu, Platz gefunden hatte. Der schwere Korb wurde so nach Hause getragen. Ein Bild, wie man es jetzt nur noch im Orient zu sehen bekommt! War niemand da, der "heben" konnte, so mußte die Frau auch allein den Korb auf den Kopf bringen. Zu diesem Zweck war links neben dem Brunnenhäuschen ein eigenes "Hebewerk". Das war ein Vorsprung in der Mauer, vom Bo¬den bis in Schulterhöhe aufgeführt, auf den man den Korb stellen und dann auf den Kopf befördern konnte. In der Nähe des Klosterbrunnens waren Wiesen, auf denen die Frauen die Wäsche bleichen konnten.

Von Friedrich W. Weber, veröffentlicht im Heimatkalender Stadt- und Landkreis Kaiserslautern 1962

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