Die "goldenen" Jahres des SV Alsenborn

Weltmeister Fritz Walter, der ab 1965 bis zu seinem Tod im Jahr 2002 in Alsenborn wohnt, trainierte damals den SV Alsenborn in der A-Klasse. Der Bauunternehmer Hannes Ruth, der mit Fritz Walter beim 1. FC Kaiserslautern spielte, kam ebenfalls zum SV Alsenborn. Beide waren davon überzeugt, dass der SV Alsenborn mit den "Großen" in der Bundesliga mitspielen könnte.

In seinem Buch "Alsenborn - Aufstieg einer Dorfmannschaft" berichtete Fritz Walter, dass die Idee, den kleinen Verein Zug um Zug aufzubauen, beim Pokalfinale zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon in Amsterdam geboren wurde - der Schwur von Amsterdam.

Bauunternehmer Hannes Ruth versuchte, die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, Fritz Walter sollte mit seinem ruhmreichen Ansehen und dem darauf resultierenden Einfluss neue Spieler engagieren. Präsident und Sanitätsarzt Dr. Leopold Dietzel, nach dem heute ein Platz in Alsenborn benannt ist, übernahm die sparsame Haushaltsführung.

Drei Meisterspieler des 1. FC Kaiserslautern, Torwart Willi Hölz, Außenläufer Otto Render und Erwin Rödler wechselten zum SV Alsenborn. Zahlreiche Talente des Sportvereins entwickelten sich zu Spielern, die später in der 1. und 2. Bundesliga ihren Einsatz fanden. Hierzu zählte auch Lorenz Horr, ein brillianter Techniker und glänzender Mannschaftsspieler mit exzellenten Führungsqualitäten. Lorenz Horr war 1969, als er von Alsenborn nach Berlin wechselte, der bis dahin teuerste Transfer der deutschen Fußballgeschichte.

Der SV Alsenborn feierte Jahr für Jahr große Erfolge, 1962/63 Meister in der A-Klasse, dann 1963/64 Meister in der Bezirksliga, nach der folgenden Runde 1964/65 Meister in der 1. Amateurliga, verbunden mit dem Sprung in die Regionalliga, damals die zweithöchste Spielklasse hinter der Bundesliga.

1968 wurde mit der ersten von drei Meisterschaften die Teilnahme an den Aufstiegsrunden zur Bundesliga errungen. Der SV Alsenborn belegte in der Abschlusstabelle hinter Herta BSC Berlin und Rot-Weiß Essen den dritten Platz.

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Aufstiegsrunde 1968

18.05.1968

1. SC Göttingen 05 - SV Alsenborn

3:0

26.05.1968

SV Alsenborn - Hertha BSC Berlin

2:1

29.05.1968

Bayern Hof - SV Alsenborn

2:1

03.06.1968

SV Alsenborn - Rot-Weiß Essen

1:1

12.06.1968

SV Alsenborn - 1. SC Göttingen 05

3:2

16.06.1968

Rot-Weiß Essen - SV Alsenborn

3:2

19.06.1968

SV Alsenborn - Bayern Hof

2:1

23.06.1968

Hertha BSC Berlin - SV Alsenborn

1:1

Verein

Spiele

G

U

V

Tore

Differenz

Punkte

Hertha BSC Berlin

8

4

3

1

12:7

+5

11:5

SC Rot-Weiß Essen

8

3

3

2

9:9

+0

9:7

SV Alsenborn

8

3

2

3

12:14

-2

8:8

1. SC Göttingen 05

8

3

1

4

10:11

-1

7:9

FC Bayern Hof

8

2

1

5

12:14

-2

5:11

Nach der Meisterschaft in der Regionalliga 1969 fehlte lediglich ein Punkt zum Aufstieg in die deutsche Paradeklasse. Hinter dem SC Rot-Weiß Oberhausen und dem FC Freiburg belegte der SV Alsenborn wiederum den dritten Platz in der Abschlusstabelle.

Aufstiegsrunde 1969

24.05.1969

SV Alsenborn - SC Rot-Weiß Oberhausen

1 : 4

28.05.1969

VfB Lübeck 1919 - SV Alsenborn

0 : 3

04.06.1969

SV Alsenborn - FC Hertha 03 Zehlendorf

4 : 0

08.06.1969

Freiburger FC - SV Alsenborn

2 : 3

11.06.1969

SV Alsenborn - VfB Lübeck 1919

6 : 2

15.06.1969

SC Rot-Weiß Oberhausen - SV Alsenborn

4 : 1

18.06.1969

SV Alsenborn - Freiburger FC

2 : 0

22.06.1969

FC Hertha 03 Zehlendorf - SV Alsenborn

3 : 0

Verein

Spiele

G

U

V

Tore

Differenz

Punkte

SC Rot-Weiß Oberhausen

8

5

1

2

17:9

+8

11:5

Freiburger FC

8

5

1

2

16:10

+6

11:5

SV Alsenborn

8

5

0

3

20:15

+5

10:6

FC Hertha 03 Zehlendorf

8

3

1

4

15:16

-1

7:9

VfB Lübeck 1919

8

0

1

7

10:28

-18

1:15

Nach der dritten und letzten Meisterschaft in der Regionalliga im Jahr 1970 endete die Aufstiegsrunde erneut mit dem dritten Platz – dieses Mal hinter DSC Arminia Bielefeld und dem Karlsruher SC.

Aufstiegsrunde 1970

27.05.1970

SV Alsenborn - DSC Arminia Bielefeld

0 : 1

30.05.1970

Tennis Borussia Berlin - SV Alsenborn

0 : 1

03.06.1970

SV Alsenborn - VfL 1899 Osnabrück

3 : 2

06.06.1970

Karlsruher SC - SV Alsenborn

2 : 0

13.06.1970

SV Alsenborn - Tennis Borussia Berlin

5 : 1

17.06.1970

DSC Arminia Bielefeld - SV Alsenborn

3 : 0

24.06.1970

SV Alsenborn - Karlsruher SC

2 : 3

27.06.1970

VfL 1899 Osnabrück - SV Alsenborn

0 : 1

Verein

Spiele

G

U

V

Tore

Differenz

Punkte

DSC Arminia Bielefeld

8

5

2

1

13:3

+10

12:4

Karlsruher SC

8

5

1

2

16:8

+8

11:5

SV Alsenborn

8

4

0

4

12:12

+0

8:8

Tennis Borussia Berlin

8

1

3

4

7:13

-6

5:11

VfL 1899 Osnabrück

8

1

2

5

6:18

-12

4:12

Doch nach drei Jahren Aufstiegsspiele - die Heimspiele des SV Alsenborn wurden im weiträumigen Ludwigshafener Südwest-Stadion absolviert - war der Schwung erlahmt. Der SV Alsenborn verkaufte insgesamt 31 Spieler an Vereine im bezahlten Fußball, hierunter auch Reinhard Meier und Fritz Fuchs an den 1. FCK, Walter Frosch zunächst an den FC Bayern München, dann an den 1. FCK, Torhüter Franz Schwarzwälder ging zum 1. FC Nürnberg, "Baxter Adler" ging zu Mönchengladbach, Alban Wüst wechselte zum FC Schalke 04.

Trainer Otto Render verunglückte 1969 im Alter von beinahe 43 Jahren auf der Rückfahrt vom Training auf der Lautertalbrücke der Bundesautobahn A 6 tödlich. Sein Wagen geriet ins Schleudern, prallte gegen ein Brückengeländer und stürzte 30 Meter in die Tiefe.

Die Qualifikation zur 1975 neu eingeführten 2. Bundesliga war für alle Vereine schwierig. Der Deutsche Fußball-Bund klügelte ein Punktesystem aus, wonach sich die Vereine sportlich zu qualifizieren hatten. Gleichzeitig aber wurden den Vereinen Auflagen technischer und wirtschaftlicher Art genannt, die sie erfüllen mussten. Der SV Alsenborn konnte zwar die sportlichen, jedoch keinesfalls die technischen oder wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllen.

Der SV Alsenborn wurde vom Südwest-Zulassungsausschuss zunächst für die 2. Bundesliga nominiert, nach Einspruch des knapp dahinter liegenden 1. FC Saarbrücken aber wieder vom Regionalverband Südwest zurückgewiesen. Der SV Alsenborn wandte sich an die Zivilkammer in Kaiserslautern und erwirkte dort eine einstweilige Verfügung, wonach der Vorstandsbeschluss aufgehoben und ein Verbandsgericht des Regionalverbandes erneut die Lage zu überprüfen hatte. Das Verbandsgericht wertete Alsenborns sportliche Qualifikation höher, womit wiederum der SV Alsenborn der "Favorit" für die 2. Fußball-Bundesliga war. Nunmehr erhoben der 1. FC Saarbrücken und der Vorstand des Fußball-Regionalverbandes gegen die Feststellung Einspruch beim Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Der Deutsche Fußball-Bund erteilte zunächst dem sportlich qualifizierten SV Alsenborn den Vorrang, um dann doch – nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts – den scheinbar wirtschaftlich besser gestellten 1. FC Saarbrücken zu bevorzugen. Die Lizenz wurde wegen technischer Unzulänglichkeiten an der Platzanlage und wirtschaftlicher Unsicherheit bei der zukünftigen Entwicklung verwehrt.

Ganz Fußball-Deutschland war empört der Auffassung, dass der DFB-Mann Hermann Neuberger, Ehrenmitglied des 1. FC Saarbrücken, diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst hatte. Tatsächlich spielte er bei den Entscheidungen keine Rolle. Die verantwortlichen Gremien konnten nicht ahnen, dass dem scheinbar finanziell besser gestellten 1. FC Saarbrücken einige Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen die Lizenz entzogen werden musste und er in die dritte Klasse verwiesen wurde.

Der SV Alsenborn spielt heute in der B-Klasse, ist Besitzer einer märchenhaften Erinnerung, einer Sportanlage mit Klubhaus, drei Fußball- und vier Tennisplätzen.

Sportlicher Werdegang

Saison

Liga

Punkte

Tore

Ergebnis

1949/50

Amateurliga Westpfalz

20:32

43:76

11. Platz

1950/51

Amateurliga Westpfalz

23:29

59:70

8. Platz

1951/52

Amateurliga Westpfalz

34:18

68:58

3. Platz, Aufstieg Amateurliga Südwest

1952/53

Amateurliga Südwest

32:28

87:80

5. Platz

1953/54

Amateurliga Südwest

22:38

48:97

14. Platz

1954/55

Amateurliga Südwest

7:53

25:167

16. Platz, Abstieg 2. Amateurliga Westpfalz

1955/56

2. Amateurliga Westpfalz

6:54

 

16. Platz, Abstieg

1956/62

A-Klasse

 

 

 

1962/63

A-Klasse

52:8

 

1. Platz, Aufstieg 2. Amateurliga Westpfalz

1963/64

2. Amateurliga Westpfalz

50:10

117:39

1. Platz, Aufstieg Amateurliga Südwest

1964/65

Amateurliga Südwest

53:15

98:34

1. Platz, Aufstieg Regionalliga Südwest

1965/66

Regionalliga Südwest

30:30

57:55

9. Platz

1966/67

Regionalliga Südwest

32:28

58:43

8. Platz

1967/68

Regionalliga Südwest

51:9

87:21

1. Platz, Teilnahme Aufstiegsrunde Bundesliga

1968/69

Regionalliga Südwest

44:16

69:25

1. Platz, Teilnahme Aufstiegsrunde Bundesliga

1969/70

Regionalliga Südwest

47:13

69:23

1. Platz, Teilnahme Aufstiegsrunde Bundesliga

1970/71

Regionalliga Südwest

38:22

77:49

5. Platz

1971/72

Regionalliga Südwest

38:22

63:38

3. Platz

1972/73

Regionalliga Südwest

31:29

52:47

8. Platz

1973/74

Regionalliga Südwest

27:33

41:48

10. Platz, Regionalliga wird aufgelöst

1974/75

Amateurliga Südwest

38:34

59:53

10. Platz

1975/76

Amateurliga Südwest

27:41

56:73

14. Platz, Abstieg Bezirksliga Westpfalz

1976/77

Bezirksliga Westpfalz

41:27

78:45

6. Platz

1977/78

Bezirksliga Westpfalz

50:18

105:41

2. Platz, Aufstieg Verbandsliga Südwest

1978/79

Verbandsliga Südwest

39:29

69:53

6. Platz

1979/80

Verbandsliga Südwest

27:41

65:73

15. Platz

1980/81

Verbandsliga Südwest

30:38

50:68

12. Platz

1981/82

Verbandsliga Südwest

27:41

55:77

16. Platz, Abstieg Bezirksliga Westpfalz

1982/83

Bezirksliga Westpfalz

46:22

79:43

1. Platz, Aufstieg Verbandsliga Südwest

1983/84

Verbandsliga Südwest

35:33

66:55

9. Platz

1984/85

Verbandsliga Südwest

46:22

57:28

3. Platz

1985/86

Verbandsliga Südwest

18:50

43:67

18. Platz, Abstieg Bezirksliga Westpfalz

1986/87

Bezirksliga Westpfalz

28:40

41:52

15. Platz

1987/88

Bezirksliga Westpfalz

26:42

37:57

18. Platz, Abstieg

Teilnahme am DFB-Pokal

1965/66

1. Runde

Eintracht Frankfurt - SV Alsenborn

2 : 1

1968/69

1. Runde

SV Alsenborn - MSV Duisburg

2 : 1

1968/69

Achtelfinale

FC Schalke 04 - SV Alsenborn

3 : 1

1969/70

1. Runde

SV Alsenborn - FC Schalke 04

1 : 5

1970/71

1. Runde

SV Alsenborn - Borussia Mönchengladbach

1 : 1 n. V.

1970/71

1. Runde

SV Alsenborn - Borussia Mönchengladbach

1 : 3

1971/72

1. Runde

SV Alsenborn - Fortuna Düsseldorf

0 : 3

Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München

In einem Freundschaftsspiel traf der SV Alsenborn am 07. April 1969 auf die Mannschaft des FC Bayern München. Gegen den Favoriten um die Deutsche Fußballmeisterschaft und den Pokal zogen sich die Mannen des Südwestmeisters vor 16.000 Zuschauern im Südweststadion in Ludwigshafen achtbar aus der Affäre.

SV Alsenborn: Schwarzwälder - Oberle, Rödler, F. Fuchs, W. Fuchs, Röhrung, Horr, Feldmüller (ab 46. Volk), Wüst, Schwehn (ab 60. Schmitt), Adler. Trainer: Otto Render.

Bayern München: Kosar - Kupferschmidt, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Pumm, Schmidt, Ohlhauser, Starek (ab 49. Müller), Roth (ab 46. Jung), Müller (ab 46. Michel), Brenninger. Trainer: Branco Zebec.

Tore: 0:1 (22.) Schmidt, 0:2 (24.) Müller, 1:2 (40.) Wüst, 1:3 (60.) Brenninger, 2:3 (87.) Schmitt, 2:4 (88.) Brenninger.