Die Kuckuckskerwe in Enkenbach

Auch bei der „Kerwe" handelt es sich um ein ursprünglich kirchliches Fest, das aber längst rein weltlichen Charakter angenommen hat. Wie sonstwo in der West- und Nordpfalz wird auch in Enkenbach von den „Straußbuben (schulentlassenen Jugendlichen) ein „Strauß" (Tanne mit bunten Papierbändern) gemacht. Dieser Strauß wird am 1. Kerwetag in einem Umzug im Dorf herumgetragen, begleitet von der Jugend und den Kerwekapellen. Am Morgen des 2. Kerwetages gehen die Straußbuben von Haus zu Haus und sammeln Eier und Geld. Das „Kranzheraustanzen" ist in Enkenbach — im Gegensatz zur Westpfalz — nicht bekannt.

Die Enkenbacher Kirchweih hat den volkstümlichen Namen „Kuckuckskerwe". Sie fällt in die Zeit (zweiter Sonntag im Juli), in der der Kuckuck sein Rufen einstellt. Und da auch in unserer Gegend die Nachbargemeinden einander gerne hänseln und foppen, behaupten die Alsenborner, Mehlinger und Hochspeyerer, die Enkenbacher hätten den Kuckuck geschlachtet, um einen Kerwebraten daraus zu machen. Früher gab es wegen dieser Hänseleien oftmals Schlägereien unter den jungen Burschen. Später war man schlauer, hat sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht und das Fest „Kuckuckskerwe" getauft. Ein großer, holzgeschnitzter Kuckuck, mit Bändern geschmückt, wird auf einer Stange im Festzug mitgeführt. Und wer unbedingt einen „Kuckucksbraten" haben will, kann ihn bei den Wirten bekommen.

Aus: "Aus Enkenbachs Vergangenheit" von Friedrich W. Weber, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Enkenbach (1960)

[zurück zu Historie]