Die Postgeschichte der Großgemeinde Enkenbach-Alsenborn (von Lothar Keller)

Wenn man den Versuch unternimmt, die Postgeschichte einer kleineren Ansiedlung zu schreiben, dann sollte in einem kurzen Rückblick die Entwicklung des Postwesens in unserer näheren Heimat aufgezeigt werden. Man sollte mit den Zeiten beginnen, in denen die Römer das heutige Pfalzgebiet besetzten. Als sie in die Rheinlande vorrückten, benutzten und übernahmen sie die bereits von den Kelten verbesserten Wege und bauten sie kunstmäßig mit festen, gegen Witterungseinflüsse dauerhaften Straßenkörpern aus. Eine solche Verbindung war die aus Gallien kommende Fernstraße Metz - Mainz, die auch durch das heutige Gebiet der Gemeinde Enkenbach-Alsenborn führte.

An diesen großen Fern- und Heerstraßen gab es bereits in regelmäßigen Abständen ausgebaute Stationen, die für die Unterkünfte der Nachrichtenübermittler und für den Pferdewechsel vorgesehen waren. Weiter dürften untergeordnete Straßen dieser Zeit, von denen in unserem Gebiet eine größere Anzahl nachgewiesen ist, ebenfalls durch Boten benutzt worden sein.

Auch in den folgenden Jahrhunderten hat es reitende Boten gegeben, die wichtige Nachrichten von Herrschaftshäusern und Handelsniederlassungen besorgten. Doch über diesen Zeitabschnitt liegen uns keine Urkunden vor, die hierüber genaue Angaben machen. Erst für das Mittelalter können wir Nachweise bringen, die besagen, dass Fürsten und deren Regierungen sowie reiche Kaufleute eigene Boten beschäftigten. Auch zwischen den größeren Städten bestanden damals Botenverbindungen. Daneben besorgten auch reisende Händler und Handwerker Briefe und kleinere Pakete. Eine in unserem Pfalzgebiet gebräuchliche Einrichtung, eine Vorläuferin des späteren Postwesens, war die sogenannte "Metzgerpost", Seit der Gründung der Zünfte waren vor allem die Metzger zum herrschaftlichen Botendienst verpflichtet. Da sie von Berufs wegen über Pferde verfügten und zum Ankauf von Schlachtvieh regelmäßig im Umkreis ihres Wohnortes das Land besuchten, war es zwangsläufig, dass sie zu Dienstleistungen herangezogen wurden. Die Städte, die damals ihre Briefe in der Regel durch Ratsherren, Stadtschreiber und vereidigte Stadtboten befördern ließen, schlossen bald mit den Metzgerzünften sogenannte "Postverträge" ab. So erhielten die Metzgerzünfte oder mehrere Metzger eines Ortes unter amtlicher Aufsicht eine gewisse "Ordnung". Die Metzger, die "Post zu reiten" oder "Post zu fahren" hatten, wurden auf diese "Metzgerordnung" - wie sie genannt wurde - vereidigt.

Das Thurn- und-Taxissche Postwesen, das in dieser Zeit eine erste große Blüte erlebte, vermochte auch in den kurpfälzischen Staaten eine bedeutende Monopolstellung einzunehmen. Das anfänglich als reine Kurierpost in kaiserlichem Dienste vorgesehene Postwesen übernahm aber nach und nach auch das Befördern von Privatbriefen der kurpfälzischen Bevölkerung. Es ist jedoch bekannt, dass das Gebiet der heutigen Westpfalz nicht stark frequentiert war und dass nur mittels Boten zu den Postlinien Briefe befördert wurden. Doch der Dreißigjährige Krieg brachte dann das ausgebaute Postwesen in der Kurpfalz zum Erliegen. Nach dem Friedensschluß kehrte der Kurfürst wieder in sein vom Krieg schwer verwüstetes Stammland zurück.

Erstmals im Jahre 1675 ist von einer eigentlichen Fußbotenpost zwischen Mannheim, der Residenzstadt der Kurpfalz, und der Stadt Kaiserslautern die Rede. Im Jahre 1739 wurde durch den Fürsten von Thurn und Taxis eine wöchentliche zweimalige "Ordinäre Reitpost" zwischen Mannheim und Saarbrücken mit Stationen in Dürkheim, Frankenstein, Kaiserslautern, Hauptstuhl und Zweibrücken eingerichtet. Die Thurn-und-Taxissche Posthalterei war dann bis zum Jahre 1800 in Kaiserslautern in Betrieb.

Nachdem durch den Friedensschluß zu Campo Formio am 17. Oktober 1797 und Luneville am 9. Februar 1801 das linke Rheinufer zur Französischen Republik kam, erfolgte durch Gesetz vom 1. März 1801 die definitive Vereinigung der vier rheinischen Departements mit Frankreich.

In dieser Zeit, als sich die Verkehrsverhältnisse im Bereich des Departements Donnersberg, zu dem auch der Arrondissement Kaiserslautern mit dem Kanton Kaiserslautern mit den Bürgermeistereien Kaiserslautern, Alsenborn, Hochspeyer, Trippstadt und Weilerbach gehörte, verbesserten, wurde auch in Kaiserslautern ein Postbüro eingerichtet. Dieses Büro unterstand der Postdirektion in Mainz. Wie einem Schriftstück zu entnehmen ist, wurde der Bürger Joachim zum Direktor des Postamtes in Kaiserslautern eingesetzt, um die Kantone Göllheim, Homburg, Landstuhl, Ottweiler, Rockenhausen, St. Wendel, Waldfischbach, Waldmohr, Winnweiler und Wolfstein nebst ihren zugehörigen Ortschaften zu bedienen.

Durch Immunisionsurkunde vom 16. Januar 1814 in Basel wurde die Administration der gesamten linksrheinischen Posten mit allen Benennungs- und Organisationsrechten von den verbündeten Machten, wieder am fürstlichen Thurn-und-Taxisschen Hause übertragen und am 18. April 1816 durch die Königliche Bayerische Postverwaltung übernommen. Für den Postbetrieb in Kaiserslautern hatte man die Postverwalterin Antonie Joachim eingesetzt. Diesen Posten hatte sie von Postdirektor Kalkhoff bereits am 1. Januar 1815 übernommen und den Bewohnern von Kaiserslautern und Umgebung kundgegeben: . . . dass sie nunmehr die Expedition der fahrenden Post übernommen und von dieser Zeit alle zu versendenden Gelder, Effekten und Pakete in Verwahr nimmt und mit dem ersten Postwagen zu deren Spedition schreiten wird."

Vom 1. Januar 1829 an wurde der Abgang der Kaiserslauterer-Speyerer Post auf eine halbe Stunde nach Ankunft der Pariser-Frankfurter Post verlegt. Diese Post ging in den Nächten Samstag/Sonntag, Montag/Dienstag und Donnerstag/Freitag ab. Postsachen nach Speyer, Mannheim und für die Routen in das östliche und südliche Bayern und von dort weiter nach Italien und Österreich sowie nach Baden, Württemberg und der Schweiz und über Landau - Weißenburg nach Straßburg mussten spätestens samstags, montags und donnerstags bis 18 Uhr aufgegeben sein. Laut der Anzeige vom 30. Oktober 1829 mussten alle Briefe, die in die dem Landeskommissariat Kaiserslautern unterstellten Kantone Winnweiler, Otterberg und Kaiserslautern, dem auch die Gemeinden Alsenborn und Enkenbach angehörten, gebracht werden sollten, bei den Landboten Dunsinger und Marx in Kaiserslautern abgegeben werden. Diese beiden vom Landkommissariat angestellten Landboten vollzogen den Zustelldienst im Landzustellbezirk, der 16 Ortschaften mit 59 Mühlen, Höfen und einzelstehende Häuser umfaßte. Die Boten begingen regelmäßig mittwochs und samstags die Ortschaften und stellten bei dieser Gelegenheit die Briefe, Wertsendungen bis 100 Gulden und kleinere Pakete zu. Wertsendungen mit höherem Wert und größere Pakete mussten bei der Postanstalt in Kaiserslautern abgeholt werden.

Während ein Kantonbote die westlich von Kaiserslautern liegenden Ortschaften betreute, verlief der Weg des zweiten Boten über Neukirchen, Sembach, Lohnsfeld, Winnweiler, Hochstein, Imsweiler, Gehrweiler, Gundersweiler, Höringen, Alsenbrück-Langmeil, Börrstadt, Breunigweiler, Imsbach, Münchweiler, Steinbach am Donnersberg, Sippersfeld, Alsenborn, Enkenbach, Hochspeyer und Frankenstein.

Als im Jahre 1851 in kleineren Orten Briefablagen errichtet wurden, konnten Alsenborn und Enkenbach nicht in diesen Kreis einbezogen werden, da in diesen Gemeinden der Anfall an Postsachen zu gering war. So wurde die Zustellung weiter durch die Kantonboten vorgenommen. Nach einem Schreiben des Königl. Oberpostamtes der Pfalz in Speyer vom 16. Sept. 1858 trat ab 1. Oktober des gleichen Jahres in der Landzustellung eine Änderung ein. Die Gemeinden Alsenborn, Enkenbach, Fischbach, Frankenstein und Waldleinigen wurden nunmehr der Postanstalt (Briefexpedition) Hochspeyer unterstellt.

Erst am 1. November 1870 erhielt Enkenbach eine eigene Postexpedition. Als Vorstand wurde Philipp Essig eingesetzt, der diese Stelle bis 1873 innehatte. Von 1873 bis 1906 war dann die Postexpedition mit dem Eisenbahndienst vereinigt. Am 15. Mai 1875 hatte man auch eine Eisenbahntelegraphenanstalt in Betrieb genommen. Am 20. April 1904 errichtete die Postverwaltung eine gemeindliche öffentliche Telephonstelle, die am 25. Juli 1906 in eine mit dem Postdienst vereinigte Telegraphenanstalt umgewandelt wurde. Im Jahre 1906 verwaltete Anton Mühl die wieder selbständig gewordene Postexpedition. Durch die nunmehr vermehrten Aufgaben bedingt, wurde am 1. Februar 1907 die Expedition in ein Postamt III. Klasse auf gestuf t und in den folgenden zwei Jahren durch Theodor Margralf geleitet.

Nach ihm waren von 1908 bis 1910 Jakob Defland, von 1910 bis 1924 Peter Nachbauer und von 1924 bis 1935 Friedrich Schowalter, als Vorstände tätig. Ihn lösten Karl Hautz (1935-1939), Wilhelm Jost (1939-1945) und Arthur Zimmer (1945 bis 1961) ab. Ab dem Jahr 1961 leitet das Postamt Enkenbach Oberpostverwalter Bernhard Krauß.

Vom Jahre 1906 bis 1961 befanden sich die Diensträume des Postamtes im Anwesen der Familie Rieß, Hindenburgstraße 17. Vom 1. September 1876 bis zum 1. Juli 1912 war mit Unterbrechung auch ein Poststall in Enkenbach in Betrieb, der die Strecke Eisenberg - Ramsen - Alsenborn - Enkenbach bediente. Zum Bereich des Postamtes Enkenbach gehörte auch ab 23. März 1899 die Posthilfsstelle Alsenborn, die Ende des gleichen Jahres zur Postagentur aufgestuft wurde. Am 20. Juli 1913 erhielt dann Alsenborn eine selbständige Telegraphenanstalt.

Mit Schreiben vom 10. Juli 1924 teilte die Oberpostdirektion in Speyer dem Bezirksamt in Kirchheimbolanden mit, dass das Reichspostministerium Abteilung München den Kraftpostbetrieb auf der Strecke Eisenberg - Enkenbach ab 1. September des gleichen Jahres genehmigt habe. Wie aus den Akten weiter zu entnehmen ist, rentierte sich diese Kraftpostlinie nicht. Die Mindereinnahmen mussten daher laufend von den an dieser Linie liegenden Gemeinden aufgebracht werden. Der erste Postexpediteur in Alsenborn, Franz Heß, war bis 1904 tätig und wurde durch Wilhelm Wagner abgelöst. Die Poststelle befand sich in dieser Zeit in einem Gebäude an der Ecke der Haupt- und Ludwigsstraße und wurde spater in die Luitpoldstraße 12 verlegt. Die Poststelle übernahm dann im Jahre 1915 Anna Frank, die 1950 die Postagentur an Lina Schmeer übergab. Im Jahre 1964 trat Postoberverwalter Artur Zimmer seinen Dienst in der inzwischen zum Zweigpostamt Alsenborn, Burgstraße, erhobenen Dienststelle an.

Das heutige Postamt Enkenbach-Alsenborn l beschäftigt zur Zeit sieben Personen und betreut neben der Gemeinde Enkenbach den Landzustellbereich: Einsiedlerhof, Birkenhof, Bordmühle, Daubornerhof, Eselsmühle, Hetschmühle, Hahnerhof und Altenhof.

Die Bedeutung des Postamtes geht auch daraus hervor, dass es seinen Briefdienst im Jahre 1970 mit werktäglich 2012 Stück auf 4533 Stück im Jahr 1973 steigern konnte. Täglich werden 71 Päckchen und 121 Pakete abgegeben bzw. zugestellt. Auch der Geldverkehr ist mit 114 Arbeitsvorgängen sehr beachtlich. Das Postamt Enkenbach-Alsenborn 2 versorgt noch das Forstamt Schorleberg. Bei ihm wurden im Jahr 1973 täglich 1601 Briefdienste in Anspruch genommen und 55 Geldgeschäfte abgewickelt.Diese Verkehrszahlen der Postämter Enkenbach-Alsenborn l und Enkenbach-Alsenborn 2 machen so recht deutlich, dass die Postverwaltung ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor geworden und aus unserer bewegten Zeit nicht mehr wegzudenken ist.

Anmerkung:

Im Oktober 1984 (siehe Bericht in der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" vom 26.10.1984) wurde im Untergeschoß des ehemaligen Schulhauses in der Hochspeyrer Straße 21, auf einer Fläche von 190 qm, ein modernes Betriebs- und Kundengerechtes Postamt für 67677 Enkenbach-Alsenborn eingerichtet. In diesem Gebäude befand sich zu diesem Zeitpunkt auch die Verbandsgemeindeverwaltung Enkenbach-Alsenborn.

Nach der Privatisierung der Deutschen Bundespost im Jahre 1994 und der Neuordnung ihres Filialdienstes wurde dieses Postamt aufgelöst und in Enkenbach-Alsenborn Postagenturen eingerichtet:

Alsenborn, Burgstraße 8, Burg-Apotheke,

Enkenbach, Hauptstraße 30

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