Die protestantische Kirche in Alsenborn

Die Pfarrkirche mit ihrem stattlichen Turm ist ein Schmuckstück des Dorfes Alsenborn und zugleich ein Zeuge seiner bewegten Vergangenheit. Das Gotteshaus in seiner heutigen Gestalt wurde im Jahr 1733 erbaut. Dass der Neubau dringend erforderlich war, geht aus zwei Schriftstücken aus jener Zeit hervor. 1728 berichtete der Pfarrer über den Zustand des damaligen Kirchengebäudes: "Die Kirche zu Alsentzborn ist weder angefangen noch außgebauet, sondern höchst nothwendig von neuem aufgebauet zu werden. Die Nothwendigkeit dieses Kirchenbaues hat ein Hochfürstl. Kirchenrath bey dero Algemeiner Kirchenvisitation nicht allein in hohen Augenschein und ad protocollum genommen, sondern auch ex post hat der Hochlöbl. Administrator Herr BauCommissarius Born (aus Kaiserslautern) ingleichen dieselbe besichtiget und deren Aufbauung höchst nöthig befunden, zumahlen bey Regenwetter Pfarrer die Cantzel verlassen und in dem Chor predigen muss, der Tachstuhl und die darunter gestützte Posten sind verfault und noch viel weniger einen neuen Tachstuhl zu tragen, ja so gar ruinös, dass der Schulmeister aus Beysorge Lebensgefahr kaum getrauet die Kirch zu schließen, der Göbel (Giebel) bey 2 Schuh von dem navi Eclesiae (Kirchenschiff) abgewichen, dass demnach Pfarrer und mit demselben die Gemeinde (wie aus Beylage zu ersehen) höchstens angetrieben werden, einem Hochfürstl. Kirchenrath diesen nothdürftigen Kirchenbau zum Besten der Kirchen Gottes unterthänigst vorzustellen, wobey zu behertzigen, dass von Grünstatt oder Türckheim bis nach Lautern und also bey 7 Stunden auf der Landstraße keine Reformirte als die in der Mitte liegende Kirch zu Alßensborn sey, wohin sich bevorab auf die hohen Festtage eine starker confluxus hominum (Zusammenfluss von Menschen) aus Berg und Thälern in die Länge und Breite einfindet und manchmahl nicht Raum genug hat."

Um der Sache Nachdruck zu verleihen, richtete der Schultheiß und mehrere Bürger namens der Gemeinde am 25. Juni 1728 eine Eingabe an den Kurpfälzischen Kirchenrat in Heidelberg. Darin heißt es, die genannte Behörde möge "bei einer Hochlöblichen Administration, an welche wir unseren ansehnlichen Fruchtzehnten allhier und zu Enkenbach gehorsamst abtragen, alles dahin bewerkstelligen, dass unsere Kirch, in welcher wir weder Raum genug haben, noch für Regen und Kälte beschirmet sind, von Grund auf, damit wir für aller Lebensgefahr bewahret und unser kostbarer Kirchenthurm, welchen wir im Bau erhalten müssen, durch den zwischen der Kirch herabfallenden Schlagregen nicht schadhaft gemacht werde, zu bauen vorgenommen und uns Unterthanen anbefohlen werde, wo möglich annoch diesen Winter Holtz, Steine und andere Materialien herbeyzufahren, wozu wir uns wie willig als schuldig erkennen." die ferne Kirchenbehörde ließ es jedoch auf den Einsturz des Gotteshauses ankommen, der dann auch im Oktober 1732 erfolgte.

Die Kirche gehörte im Mittelalter zur Diözese Worms und zum Dekanat Nanstall (Landstuhl). Im Dezember 1273 übertrug Heinrich von Imzeswilre die Pfarrkirche zu "Alsenburne" samt dem Zehnten und dem Patronatsrecht dem Nonnenkloster Enkenbach. Nach der Wormser Synode von 1496 war die Kirche St. Vitus geweiht und hatte einen Katharinen-Altar. In der Mitte des 16. Jahrhunderts führte man in Alsenborn die Reformation ein. 1698 wurde in dem Ort die katholische Pfarrei neu gegründet, doch schon 1707 nach Enkenbach verlegt. Die reformierte Pfarrgemeinde umfasste neben Alsenborn die reformierten Gemeinden Enkenbach (seit 1610), Rohrbach-Wartenberg (seit dem Dreißigjährigen Krieg), Baalborn-Neukirchen, Neuhemsbach, Sembach, Hochspeyer (bis 1750) und Fischbach (bis 1756). Die Pfarrei gehörte zur Inspektion Lautern und wurde 1818 der unierten protestantischen Landeskirche der Pfalz eingegliedert.

Das älteste vorhandene Kirchenbuch legte Pfarrer Georg Haubach im Jahr 1684 an. Es vermittelt einen Einblick in die menschlichen Schicksale und dörflichen Verhältnisse jener Zeit. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Gemeinde unter den "Französischen und Kaiserischen Krieg" (1672-79) zu leiden. Kurfürstliche Gnade ermöglichte es, dass in der schwer beschädigten Kirche die Kanzel und die Bänke repariert und der Chorturm aufgestockt wurden. Während des Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekrieges (1688-1714) kam neues Leid über die Bevölkerung. Im Oktober 1688 schrieb Pfarrer Haubach im Kirchenbuch:"In diesem Monat ist kein Bettag noch Presbyterium gehalten worden, weilen die Leut noch nit daheim gewohnet, sondern noch hin un her zertreuet gewesen." Im Dezember 1688 vermerkte er:"In diesem Monat ebenmäßig kein Bettag noch Presbyterium gehalten worden, dann die Leut hart beschweret, können kaum am Sonntag weniger in der Wochen zur Kirchen gehen." Und zu Beginn des Jahres 1689 trug er ein:" In diesem Monat ist weiter kein Bettag als nur der 01. Januar, das Fest des Neuen Jahres gehalten worden, wegen obhanden schwebender Betrübnis." Ein Jahr später konnten sich die Alsenborner keinen Glöckner mehr halten, "weilen die Glocken genommen und sie sonst beschweret seien". Am 04. Mai 1690 "hat der Bettag zugleich mit dem Fest der Himmelfahrt sollen gehalten werden ist aber nit gehalten worden, weilen die Zuhörer aus Furcht der streifenden teutschen Parteien seind verliret worden, weilen Sonntag zuvor, den 30. April, eine Partie Husaren zu Alsenborn und Enkenbach sie plötzlich überfallen, geplündert und viele Zuhörer jämmerlich tractiret hat." Am 04. Juni 1691 "ist der Bettag zu Alsenborn gehalten worden auf den Pfingstdienstag, weilen selbigenmals der Zuhörer viel häufiger zum Gottesdienst kamen als in der Wochen. In der Kriegszeit muss man sich in die Zeit schicken."

Von 1693-98 war die Gemeinde gänzlich verstreut und der neue Pfarrer mit Namen Agricola lebte als Flüchtling in den umliegenden Dörfern. Das Jahrhundert der großen Kriege hatte der Kirche in Alsenborn sehr zugesetzt, so dass sich das Gebäude in dem Zustand befand, der in den beiden eingangs zitierten Schriftsücken geschildert wird. Nachdem die Kirche 1732 eingestürzt war, errichtete man im folgenden Jahr den Neubau des Kirchenschiffes. Dabei wurde der Turm aus dem 13. Jahrhundert, in dessen Untergeschoß sich der Chorraum befand, in den Neubau der Kirche miteinbezogen. Der Turm mit frühgotischem Kreuzgewölbe und Rundbogenfenstern war noch 1686 erhöht worden und hatte eine "lebhaft prophiliert geschieferte Barockhaube" bekommen.

Das im Frühjahr 1733 erstellte neue Kirchenschiff ist ein schlichter Saalbau mit einer Breite von 9 Metern und einer Länge von 14 Meter. Die rechteckige Anlage mit östlich angebautem Turm hat vier Fensterachsen. Die Fenster und Türen sind rundbogig; die Portale sind zudem mit barocken Umrahmungen aus Sandstein versehen. Das Kirchenschiff hat über einer kleinen Hohlkehle und Gesims eine gerahmte Flachdecke. Die Empore der Nordseite ist mit der Orgelempore der Westseite rechtwinklig verbunden. Die Kirchenbänke wurden zum Teil in Längsrichtung des Kirchenschiffs mit Blick nach Süden aufgestellt, wo sich die Kanzel befindet.

Im Inneren der Kirche fällt besonders das massive Holzwerk und der Aufgang zur Empore auf. Die Empore ruht auf Holzpfeilern, das Treppengeländer ist geschweift ausgeschnitten. Die Kanzel ist in klassizistischem Stil gehalten. Ein Steinpfeiler trägt den polygonen Korpus, auf dem Schalldeckel befinden sich kleine Voluten. Die Orgel wurde 1833 von den Gebrüdern Stumm in Rhaunen-Sulzbach gebaut. Das Gehäuse mit klassizistischen Schnitzereien steigt aus der Brüstung der Westempore auf. Die Innenansicht der Kirche ist so bemerkenswert, dass der bekannte Heimatforscher Theodor Zink eine Abbildung davon in sein Werk "Deutsche Volkskunst" aufnahm.

Interessant sind auch die alten Grabsteine, die an der Außenwand beim Haupteingang und an der Chorseite im Innern anzutreffen sind. An der Ostwand im Schiff befinden sich Epitaphe mit folgenden Inschriften:"Anno 1612 den 28. April starb der wohlgelehrt Her Valenthin Blumenschein, gewesenner Pfarher auf 28 Jar alhie. Birdig zu Neikirchen. Der Sel Got beiwone und gnate - MDCXIII hab ich Anna Caterina Kleinin, sein ehliche Hausfrau dise Dafel ihm zu Ern und zu einem Gedechtnus aufrichten lasen." Auf der zweiten Platte lesen wir:"Anno 1613 den 23. Januarius starb der wolgelert Her Christof Krug, birdig zu Gersfelt uf der Re gelegen, Pfarher uf einhalb Jahr hie. Der Selle Got genat - Gleich indem Jar den 29. Marzie starb sein Hausfrau Susanne, birdig in Heidelberg. Hat sie mich Best Retzer, Schultheis alhie, gebeten und ich ihr auch ferheisen, ihnen ein dafel machen lasen, sie kost was sie wel, zum Gedegnus." Eine Sehenswürdigkeit ist ohne Zweifel auch die Grabtafel für den kurpfälzischen Schultheiß des Gerichtes Alsenborn Johann Wilhelm Rebel, an dessen Beerdigung mehr als vierhundert Menschen teilgenommen haben sollen. Die umfangreiche Inschrift lautet: "Joh. Wilhelm Rebel, Chur-Pfaltz Schultheiß des Gerichts Alsenborn. Er war ein guter Hausvater, eifrig in seinem Amt, von reifem Verstand, ein Vorsteher der Kirche, mildtätig gegen die Armen, fried- und dienstfertig gegen alle, exemplarisch im Leben und Tod, von jedermann geliebt und geehrt, nach dem Tod schmerzlich betrauert. Geboren 11. Nov. 1692, verheiratet 11. Jan. 1717 mit Maria Catharina Rettig, von ihr 6 junge Rebelein. Leichtext: Micha 7,7. Hier lieg ich und muss verwesen, obwohl ich ein Sunder (ein Besonderer) bin gewesen; doch weiß gewiß, das ewig Leben wird mir mein Jesus geben."

Die größte Kostbarkeit der Alsenborner Kirche enthält jedoch das Untergeschoß des Turmes, der quadratische Chorraum aus dem Mittelalter. Die Zeit der Erbauung des Turmes ist leider nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass die Bezeichnung "kostbar", mit der er in der eingangs zitierten Bittschrift versehen wurde, sich nicht allein auf sein imposantes Aussehen, sondern auch auf sein ehrwürdiges Alter bezieht. Der Turm besteht aus zwei Vollgeschossen und zwei Halbgeschossen. Mit Ausnahme des obersten Halbgeschosses stammt er nach seinen stilistischen Merkmalen aus der Übergangszeit vom romanischen zum gotischen Stil, demnach wohl aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Der Triumphbogen des Chorraumes läuft leicht spitz zu, hat aber durch seine rechtwinklige Einfassung und die gratigen Gewölbe noch romanischen Charakter. Ebenso sind die Fensteröffnungen mit ihren Rundbogen noch rein romanisch. Außen ist der Sockel des Turmes schwach gestuft und weist einen Wulst auf. Die einzelnen Geschosse sind romanisch, das erste Halbgeschoß hat dagegen frühgotische Schallöffnungen. Das abschließende Halbgeschoß mit der Uhr stammt aus der Barockzeit: es trägt die Jahreszahl 1686. Der gleichen Epoche gehört die darüber angebrachte Welsche Haube mit achteckiger Kuppel und Laterne an. Hingegen sind die Schallöffnungen des obersten Geschosses, das auch die Glocken trägt, wahrscheinlich 1733 beim Neubau der Kirche verändert worden. Darauf läßt jedenfalls die Inschrift an einem der Fenster schließen.

Die Kirche wurde in ihrer Geschichte mehrmals renoviert. So fand 1898 eine größere und unfassende Erneuerung des Gebäudes statt. Sie ist insofern bedeutsam, weil dabei an der Decke des Chores erstmals mittelalterliche Fresken freigelegt wurden. Man zog Professor Grünewald aus Speyer als Sachverständigen hinzu. Nach seinem Urteil sollen diese Fresken zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden sein. Während zur Zeit dieser Kirchenrenovation andernorts solche Wandmalereien schon restauriert wurden, hat man hier die Bilder einfach wieder zugeputzt. Vielleicht hätten sie auch damals unter den wenig entwickelten Methoden der Restaurierung eher gelitten. Es scheint fast unglaublich: die mittelalterlichen Fresken gerieten in der Folge wieder in Vergessenheit, obwohl 1938 ein Zeitungsartikel noch einmal daran erinnerte. Erst die gründliche Renovierung des Jahres 1964 brachte sie wieder zum Vorschein. Der baulich schlechte Zustand der Kirche machte eine Reihe von Maßnahmen erforderlich, die dann auch unter Pfarrer Volkmar Giel durchgeführt wurden. Dabei wurde der gesamte Außenputz von Kirchenschiff und Turm erneuert und weiß getüncht. Die Turmhaube wurde neu verschiefert, der Turmhahn und die Zifferblätter neu vergoldet. Das Barockportal der Nordseite wurde um 180 Grad gedreht, so dass sie nun von Westen her zu begehen ist. Die Kanzlei rückte man vom Triumphbogen ab und nahm sie bis an die Kante des östlichen Fensters vor. Ebenso wurde der aus der Zeit der Jahrhundertwende stammende Korpus der Kanzel restauriert. Decke und Wände erhielten einen Anstrich in lichten Farben, der die Einheit des spätbarocken Raumes wieder herstellte. Der wieder aufgefundene romanische Taufstein wurde am Ende des Mittelganges aufgestellt. Architekt Gaul in Mehlingen leitete die Renovierungsarbeiten, die künstlerische Oberleitung lag bei der Bauabteilung des protestantischen Landeskirchenrates.

Die eigentliche Überraschung trat jedoch bei der Renovierung des romanischen Chores im Untergeschoß des mittelalterlichen Turmes zu Tage. Als man den neuzeitlichen Putz abklopfte, kamen mittelalterliche Wandmalereien zum Vorschein. Die Baupolizei ordnete die sofortige Einstellung der Arbeiten an und verständigte das Landesamt für Denkmalpflege in Speyer. Nach einer ersten Untersuchung wurde der bekannte Restaurator Friedrich Leonhardi in Frankfurt am Main beauftragt, die wertvollen Fresken freizulegen und zu konservieren. Obgleich die Wandmalereien nicht mehr vollständig erhalten sind, können sie anhand anderer Darstellungen gedeutet und ergänzt werden. Die Ausmalung des Chores ist deutlich in mehrere Bereiche aufgeteilt, die dem thronenden Christus, Szenen aus dem Marienleben und aus Heiligenlegenden gewidmet sind. Im östlichen Viertel des Gewölbes ist die Majestas Domini dargestellt, der auf einem Thron sitzende Christus. Er hat die rechte Hand segnend erhoben, in der Linken hält er das Buch der sieben Siegel aus der Offenbarung des Johannes. Er ist umgeben von einer Mandorla, einer mandelförmigen Umrahmung in verschiedenen Regenbogenfarben, deren äußerer Rand von einem Wolkenband begrenzt wird. Über der Darstellung der göttlichen Majestät befindet sich in der Mitte des Gewölbes in einem Kreisrund eine Wiedergabe des Lammes mit Heiligenschein und Kreuzesstab. Dieses frühchristliche Symbol des Opfertodes Christi ist gleichfalls regenbogenfarbig umrahmt und in ein äußeres Wolkenband gefasst.

Unter der Darstellung der Majestas Domini ist eine Darstellung der Marienkrönung zu sehen, die ebenfalls von einer Mandorla aus verschiedenen Farbstreifen und einem Wolkenband umgeben ist. Maria und Christus sind nebeneinander sitzend gemalt: Maria hat das Haupt demutsvoll vorgebeugt und die Hände in scheuer Ehrfurcht erhoben, Christus hält einen Stab in der Linken und setzt mit der Rechten Maria die Krone der Himmelkönigin auf. In den Zwickeln der Darstellungen von Lamm Gottes, Majestas Domini und Marienkrönung befinden sich die Symbole der vier Evangelisten. Drei davon sind noch erkennbar: rechts oben der Engel des Matthäus, unten links der geflügelte Löwe des Markus, unten rechts der geflügelte Löwe des Markus, unten rechts der geflügelte Stier des Lukas. Der Adler des Johannes ist nicht mehr erhalten. Die Ausmalung der östlichen Gewölbekappe, die auf die Apokalypse des Johannes Bezug nimmt, führt die Gegenwart Gottes vor Augen und weist auf die Wiederkunft Christi am Ende der Tage hin.

Die weiteren Malereien greifen vom Gewölbe auf die Wände bis zu den Fensterstürzen über. Auf der Südseite findet sich das Bild eine Marientodes. Nach einer frommen Legende wollte Maria vor ihrem Tod noch einmal die Apostel sehen. Die Apostel wurden auf Wolken von überall herbeigebracht und stehen um das Lager der sterbenden Gottesmutter. Christus nimmt die Seele Mariens, dargestellt als kleine Figur in einer Gloriole, in Empfang. Links und rechts sind die Apostel mit Heiligenschein und Büchern wiedergegeben. Im westlichen Gewölbeviertel des Chores ist eine Grablegung Mariä zu sehen, die als ein äußerst seltenes Motiv gilt. Nach der Legende versuchten die Juden vergeblich, das Begräbnis der Gottesmutter zu verhindern. Das Bild zeigt, wie die Apostel den Sarg der Maria tragen. An der Nordseite befand sich entweder eine Verkündigung oder die Himmelfahrt Mariä. Die Malerei ist jedoch zum größten Teil zerstört, so dass eine eindeutige Festlegung nicht möglich ist.

Die obere Zone wird auf der Höhe der Fensterstürze durch einen mäanderartigen Fries von den unteren Wandflächen getrennt. In der unteren Zone befinden sich Heiligenfiguren, Legenden ihres Lebens und Schilderungen ihres Todes. An der Ostwand ist angeblich das Martyrium der heiligen Barbara und das Leiden der heiligen Agatha dargestellt. Die Legende dieser Heiligen wie das der heiligen Katharina, im Mittelalter nach Maria eine der beliebtesten Heiligen, hat Jacobus des Voragine Ende des 13. Jahrhunderts in seiner legenda aurea aufgezeichnet. An der Südwand des Chores ist denn auch das Martyrium Katharinas mit dem Radwunder wiedergegeben. Links ist der Feuertod der von ihr zum Christentum bekehrten heidnischen Philosphen dargestellt, rechts der Besuch der Kaiserin Faustina mit ihrem Feldherrn Porphyrius bei Katharina im Gefängnis.

Die Malereien in den Kirchen des Mittelalters hatten die Aufgabe, dem Großteil der Bevölkerung, der weder lesen noch schreiben konnte, die Geschichten der Bibel und die Legenden der Heiligen ins Bild zu übersetzen. Dabei waren sowohl die romanischen als auch die gotischen Kirchen mit solchen lehrhaften Darstellungen geschmückt. Die Alsenborner Majestas Domini gehört nach ihrem Bilder- und Themenkreis der romanischen Kunst an. Dagegen weisen die Darstellungen aus dem Leben und Sterben Mariens bereits frühgotische Züge auf. Trotz des romanischen Gesamteindrucks handelt es sich um den typischen Übergangsstil von der Romanik zur Gotik. Die Arbeiten müssen daher gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Mit einiger Sicherheit ist anzunehmen, dass die Malereien in der Zeit der Reformation übertüncht wurden und auf diese paradoxe Weise der Nachwelt erhalten blieben. Die Bemalung der Kreuzgewölbe im Chor der Alsenborner Kirche ist ein wertvolles Zeugnis mittelalterlicher Kunst im Landkreis Kaiserslautern. Der Rest bedeutender spätromanischer und frühgotischer Wandmalereien zählen darüber hinaus zu den frühesten in der Pfalz.

Aus: "21 Kirchen des Landkreises Kaiserslautern - Vom Mittelalter bis zum Barock, Otterberg 1989" von Karlheinz Schauder

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