Elektrifizierung des Daubenbornerhofes

Aus der Niederschrift über die Sitzung des Gemeinderates Enkenbach vom 21.06.1942

Die 4 Erbhofbauern des Daubenbornerhofes haben bisher für den Antrieb ihrer Maschinen Rohöl verwendet. Infolge der Kriegsverhältnisse haben sie mit weiteren Zuteilungen nicht mehr zu rechnen. Hinsichtlich der Lichtverhältnisse steht es ähnlich. Wann eine Änderung hierin zu erwarten ist, ist noch nicht vorauszusehen. Aus diesem Grunde haben die 4 Bauern an die Gemeindeverwaltung den Antrag gestellt, auch ihnen die Wohltaten einer elektr. Licht- und Kraftversorgung durch die Erstellung einer 20000 Voltleitung zuteil werden zu lassen. Sie haben sich bereit erklärt, die der Gemeinde durch den Anschluss entstehenden Kosten, die von der Rheinelektra in Mannheim auf 21000 RM veranschlagt wurden, zur Hälfte zu übernehmen.

In der fraglichen Angelegenheit haben in den letzten Wochen wiederholt Verhandlungen zwischen den Beteiligten im Beisein je eines Vertreters des Elektr. Prüfamts Kaiserslautern, der Landesbauernschaft in Kaiserslautern und der Kreisbauernschaft Kaiserslautern stattgefunden. Bei der letzten Verhandlung, die auf dem Daubenbornerhof stattfand, versicherte Stabsleiter Schmitt von der Kreisbauernschaft, dass der Bezirk Pfalz bereit sei, einen Zuschuss von 4000 RM zu den Kosten der Anlage zu geben. Weiter wurde hierbei mitgeteilt, dass die Absicht bestehe, beim Reich einen Zuschuss zu erwirken, doch könne ein solcher nach den bestehenden Bestimmungen nur den Bauern zugute kommen.

Der zur heutigen Beratung erschienene Oberingenieur Welge vom Elektr. Prüfamt Kaiserslautern machte noch nähere Ausführungen über den Verlauf der Leitung, den Stand der Transformatorenstation, die Materialbeschaffung und die Dringlichkeit der Vergebung und bat schließlich darum, falls das Projekt durchgeführt werde, ihn zu ermächtigen, den Auftrag sofort zu vergeben, damit keine Verzögerung mehr eintrete, weil schließlich damit zu rechnen sei, dass die Bestimmungen über die Zuteilung von Metallen, wie sie hier benötigt werden, in Kürze noch so verschärft würden, dass später das Unternehmen an der Materialbeschaffung scheitere; zudem erfordere auch die rasche Versorgung des Hofes mit Licht und Kraft die Beschleunigung der Arbeit.

Nachdem der Bürgermeister an den Beigeordneten Kirch und die Gemeinderäte das Ersuchen gestellt hat, Stellung zu der Angelegenheit zu nehmen und diese sich mit dem Anschluss des Daubenbornerhofes an das elektr. Ortsnetz der Gemeinde unter den besprochenen Bedingungen einverstanden erklärten, erließ der Bürgermeister folgende Entschließung:

  • 1. Der Daubenbornerhof wird an das elektr. Ortsnetz der Gemeinde Enkenbach mit einer 20000 Voltleitung nach Maßgabe der Kostenanschläge der Firma Rheinelektra - Mannheim Nr. 1594 vom 14.05.1942, Nr. 1602 vom 23.05.1942 und Nr. 1601 vom 20.05.1942 angeschlossen. Die Arbeiten werden genannter Firma übertragen. Damit keinerlei Verzögerung mehr eintritt, wird der Oberingenieur Welge - Kaiserslautern ermächtigt, den Auftrag sofort weiterzugeben.

  • 2. Die 4 Bauern des Daubenbornerhofes haben sich unterschriftlich zu verpflichten, von den Kosten, die nach Abzug des vom Bezirk Pfalz zugesicherten Zuschusses von 4000 RM noch verbleiben, der Gemeinde die Hälfte zu erstatten und nach Beginn der Arbeiten Teilzahlungen auf ihren Kostenanteil zu leisten und unmittelbar nach Rechnungsstellung durch die Baufirma den etwa noch verbliebenen Rest ihres Kostenanteils abzutragen.

  • 3. Weiter haben sich die 4 Anwesensbesitzer des Daubenbornerhofes unterschriftlich zu verpflichten, nur elektr. Energie für Licht- und Kraftzwecke zu verwenden, sofern die elektr. Leitung betriebsfähig ist. Es wird ihnen jedoch freigestellt, mit Dampf, der in den Brennereien anfällt, Brennereimaschinen anzutreiben...

Aus der Niederschrift über die Sitzung des Gemeinderates Enkenbach vom 20.12.1942

Die Gemeinderäte nehmen davon Kenntnis, dass das Vorhaben immer noch nicht genehmigt ist: Herr Oberingenieur Welge vom Elektrischen Prüfamt Kaiserslautern hat neuerdings die energische Vertretung der gemeindlichen Interessen zugesagt...

Aus der Niederschrift über die Sitzung des Gemeinderates Enkenbach vom 06.08.1944

Zu Punkt 1 der Tagesordnung ist auf Einladung der Sachbearbeiter des Elektrotechnischen Prüfamts Oberingenieur Welge Kaiserslautern erschienen.

Die Gemeinderäte werden davon verständigt, dass infolge mancherlei durch den Krieg bedingter Umstände jetzt erst eine vorläufige Abrechnung getätigt werden konnte, obwohl die Stromversorgungsanlage bereits über ein Jahr in Betrieb ist. Oberingenieur Welge verweist noch einmal auf die großen Schwierigkeiten, die überwunden werden mussten, um überhaupt die Genehmigung des Projekts zu erreichen und gegen welche Hemmnisse während der Ausführung der Arbeiten immer wieder angekämpft werden musste. Er schildert den Gang der Arbeiten und gibt bekannt, dass sich die Gesamtkosten auf vorläufig 19548,94 RM belaufen. Dieser Betrag wird sich noch erhöhen um rund 1650 RM für einen Transformator anstelle eines jetzt geliehenen und für die Grundstücks-Mastentschädigung, sodass sich der Gesamtaufwand auf rund 21200 RM belaufen wird.

Der Bürgermeister macht weiter darauf aufmerksam, dass er sich entschlossen habe, bis zur Einführung der neuen Reichstarife für den Daubenbornerhof die gleichen Stromgebühren zu berechnen, wie sie für die Volksgenossen der Gemeinde Enkenbach gelten. Die Leihgebühren für den Transformator sollen ab 01. August 1944 je zur Hälfte von den Bewohnern des Daubenbornerhofes und von der Gemeinde Enkenbach getragen werden. Die Gemeinderäte verhalten sich zustimmend.

Entschließung des Bürgermeisters

Die Kosten der Stromversorgungsanlage Daubenbornerhof werden auf vorläufig 19.548,94 RM festgesetzt. Dieser Betrag wurde wie folgt aufgebracht:

  • 1) Zuschuss des Bezirksverbandes Pfalz 4.000,00 RM

  • 2) durch die Besitzer des Daubenbornerhofes 8.000,00 RM

  • 3) durch die Gemeinde Enkenbach 7.548,94 RM

Sobald die Mastentschädigungen hinausbezahlt sind und der neue Transformator aufgestellt ist, hat entgültige Abrechnung zu erfolgen.

Die Stromgebühren für den Daubenbornerhof sind in der gleichen Höhe zu berechnen, wie sie für die übrigen Konsumenten der Gemeinde Enkenbach gelten. Die Leihgebühren für den von den Westmarkwerken mietweise zur Verfügung gestellten Transformator werden je zur Hälfte vom Daubenbornerhof und von der Gemeinde getragen..."

Erstellt im April 1999 von Berthold Schmidtke M.A.

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