Lebenslauf von Prof. Dr. Daniel Häberle

Er erzählt selbst über sein Leben und Wirken:

„Geboren am 8. Mai 1864 als Sohn eines Gutsbesitzers auf dem Daubornerhof, Gemeinde Enkenbach bei Kaiserslautern, besuchte ich, Daniel Häberle, das Gymnasium zu Kaiserslautern, trat 1883 bei der Handelsmarine ein, diente dann als Einjährig-Freiwilliger bei der Kriegsmarine, erhielt die Qualifikation zum Reserveoffizier, machte auf Handels- und Kriegsschiffen Reisen nach Schweden, England, Frankreich, Nord-, Süd- und Mittelamerika, West- und Ostindien, Süd- und Ostasien, Australien und der Südsee, nahm 1888/89 an der Bekämpfung des Araberaufstandes in Ostafrika teil und war schließlich von 1891 bis 1902 als Araberaufstandes in Ostafrika, zuletzt als Vorstand der Gouvernementshauptkasse in Daresalam tätig. Bei meiner Zurruhesetzung im Sommer 1902 wurde mir der Titel Kaiserlicher Rechnungsrat verliehen.

Am 11. Februar 1899 habe ich mich mit Frl. Emilie Grossarth aus Odernheim am Glan verheiratet, die mir auch nach Ostafrika gefolgt ist. Ich habe zwei Töchter, die seit 1923 und 1925 verheiratet sind, und vier Enkel.

Von 1902 bis 1906 studierte ich in Heidelberg Geschichte, Geographie, Volkswirtschaft und Naturwissenschaften, promovierte 1907 mit einer palaeontologischen Arbeit über „Triadische Gastropodenfauna v. Predazzo (Südtirol)“.

Seit 1907 bin ich als freiwilliger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geologischen Institut der Universität tätig. Daneben beschäftige ich mich mit der Landeskunde der Pfalz und habe auf diesem Gebiete zahlreiche Arbeiten teils in Buchform, teils als Aufsätze in den verschiedensten Zeitschriften veröffentlicht, wodurch das Interesse weiter Kreise für die Pfalz geweckt worden ist. Unter diesen Arbeiten ist besonders die bereits in sechs Bänden vorliegende „Pfälzische Bibliographie“ zu nennen, ein literarisches Hilfsmittel, wie es kein anderes deutsches Gebiet aufzuweisen hat.

Alljährlich unternehme ich mit Studierenden der Universität Heidelberg und der Handelshochschule Mannheim zahlreiche Unterrichtsausflüge in die Pfalz und suche auch in weiteren Kreisen durch Vorträge und Lehrwanderungen das Interesse für pfälzische Landeskunde zu fördern und zu vertiefen.

An der Handelshochschule in Mannheim bin ich seit 1918 tätig, seit 1924 als nebenamtlicher Dozent. Seit Beginn des Sommersemesters 1932 ist mir an der Universität Heidelberg ein Lehrauftrag für Pfälzische Landeskunde erteilt worden.

Ich gehöre dem Vorstand bzw. Ausschuss zahlreicher wissenschaftlicher und gemeinnütziger Vereine an. Seit Verlegung meines Wohnsitzes nach Heidelberg, Stadtverordneter, gehörte seit 1915 dem Stadtverordnetenvorstand an und war seit 1919 dessen stellvertretender Obmann.

Während des Weltkrieges hatte ich als Bevollmächtigter des Badischen Roten Kreuzes vom 3. August 1914 bis 29. Dezember 1919 die wirtschaftliche Leitung des größten Heidelberger Kriegslazaretts in der Stadthalle, wo 8909 Verwundete Aufnahme gefunden hatten.

Im Jahre 1917 wurde ich vom Großherzog von Baden zum Professor und im Oktober 1925 vom Bayerischen Kultusministerium zum ordentlichen Mitglied der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft ernannt.

Ich bin Mitarbeiter an zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften. Längere Zeit war ich an der Herausgabe folgender Zeitschriften beteiligt:

Jahresberichte und Mitteilungen d. Oberrheinischen Geologischen Vereins, Verhandlungen des Naturhistorischen-Medizinischen Vereins Heidelberg, Beiträge zur Badischen Landeskunde, Pfälzische Heimatkunde. Gegenwärtig gebe ich heraus:

Beiträge zur Landeskunde der Pfalz.

Als Mitherausgeber war ich bis jetzt tätig:

Pfälzisches Museum, Pfälzische Heimatkunde.

An der Schriftleitung bin ich beteiligt bei:

Hettners Geographische Zeitschrift.

Unterm 7. März 1921 wurde ich durch das Bad. Ministerium des Kultus und Unterrichts als Rechner der von-Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst zu Heidelberg bestellt; daneben bin ich auch Leiter des der Stiftung angegliederten Instituts für Pfälzische Landeskunde“.

Von Katharina Häberle, Kaiserslautern, erfahren wir über die Wirksamkeit von Daniel Häberle, und die Ehrungen, die ihm zuteil wurden, noch folgendes:

Um die Paläontologie, d. i. Urweltkunde, Versteinerungskunde, hat sich Häberle ebenfalls verdient gemacht. Einige fossile (versteinerte Tierformen wurden nach ihm benannt; z. B. von den Brachiopoden (Armfüßern): Waldheimia (Curatula) Häberlei nov. spec.; von den Gastropoden (Bauchfüßern): Worthenia Häberlei nov. spec. und Worthenia Häberlei nov nom.

Häberle war ordentliches Mitglied der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (1925) und korrespondierendes Mitglied bei der Geographischen Gesellschaft in München (1916), des Historischen Vereins der Pfalz (1917), des Mannheimer Altertumsvereins (1924) sowie der Geographischen Gesellschaft zu Würzburg (1927).

Ehrungen:

Er war Ehrenmitglied des Historischen Vereins der Mediomatriker für die Wespfalz (Zweibrücken 1920), des Oberrheinischen Geologischen Vereins (1921), der Gesellschaft für bayerische Landeskunde in München (1923), des Naturhistorischmedizinischen Vereins in Heidelberg (1924), des Literarischen Vereins der Pfalz (1924), des Pfälzerwald-Vereins (1918), des Vereins Pfälzischer Kletterer (1920), des Vereins der Pfälzer in Berlin (1930), der Geographischen Gesellschaft in Rostock und der Geologischen Vereinigung Mannheim-Heidelberg. Im Jahre 1931 verlieh ihm seine Heimatgemeinde Enkenbach und nach 1933 die Gemeinde Odernheim (am Glan) das Ehrenbürgerrecht. Kaiserslautern und wiederum Enkenbach benannten eine Straße nach ihm. 1930 erhielt er ein Dankschreiben des amerikanischen Präsidenten für die Nachforschungen über die Herkunft der Familie Hoover (aus Ellerstadt). Zu seinem 70. Geburtstag wurde er zum ordentlichen Honorarprofessor der Universität Heidelberg ernannt.

Daniel Häberle starb am 9. Juni 1934. Er wurde unter großer Anteilnahme der pfälzischen Bevölkerung beigesetzt. Der damalige Enkenbacher Bürgermeister Jülich nahm als Vertreter der Gemeinde an der Beerdigung teil.

Das Verhältnis Häberles zu seiner Heimat zeigt sich vielleicht am besten in einer Eintragung in das Gästebuch seines Elternhauses. Dort heißt es:

„Dem Pfälzer ist der Drang in die Ferne angeboren. Auch mich hat es in jungen Jahren hinausgetrieben. Fast ein Vierteljahrhundert bin ich auf allen Meeren gefahren und habe alle Erdteile gesehen. Aber die Pracht der Tropen hat es nicht vermocht, die Erinnerung an die Heimat zu verwischen. Und als ich wieder zu ihr zurückkehrte, sah ich erst, wie schön sie ist. Am schönsten aber ist sie dort, wo meine Wiege stand, auf dem waldumgrenzten Daubenbornerhof. Dahin zieht es mich immer wieder, wenn für mich in des Lebens Hast einige Tage zum Ausruhen gekommen sind. Aus dem heimatlichen Boden, den meine Vorfahren gerodet und fruchtbringend gemacht haben, ziehe ich neue Kraft. Darum Dank dem elterlichen Dach, unter dem es sich so sorgenlos ruht und den lieben Menschen, die als Träger des Familiennamens die seit Generationen auf dem Daubenbornerhof heimische Gastfreundschaft so getreulich weiterpflegen.“

Aus: "Aus Enkenbachs Vergangenheit" von Friedrich W. Weber, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Enkenbach (1960)

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