Oswald von Diebitsch

Vierzehn Tage vor der großen Schlacht am Schorlenberg, am 4. September 1794, vollendete sich bei Enkenbach das Geschick eines preußischen Offiziers, der durch seinen adeligen Namen und seine nahe Verwandtschaft mit dem russischen Feldmarschall Diebitsch Sabalkansky aus der Masse der Soldaten hervorragte. Es war Friedrich Oswald von Diebitsch. Er wurde im Ochsental, l km südwestlich Enkenbach, in einem kleinen Gefecht schwer verwundet. Von seinen Leuten ins Dorf gebracht, verstarb er im Hause Schneider, Hochspeyerer Str. 31, das damals an diesem Ende das letzte Haus des Dorfes war, weil der Schafberg und die Schützenkanzel noch nicht bebaut waren.

Da in den ersten Septembertagen die Preußen unter Möllendorf ihr Hauptquartier noch im Hessischen hatten (in Dalsheim), war Diebitsch wohl der Anführer eines berittenen Spähtrupps, der in Richtung Kaiserslautern, wo sich die Republikaner gesammelt und festgesetzt hatten, aufklären sollte. Die Preußen brachten ihren verwundeten Offizier noch unbelästigt ins Dorf zurück. Daraus ist zu schließen, dass es sich auf der anderen Seite auch um eine geringe Anzahl von Soldaten, etwa um eine Feldwache gehandelt haben muss. Wer das Gelände im Ochsental kennt, weiß, dass der Feldweg durch die Mulde führt. Links und rechts steigen bewaldete Hänge an. Es gibt kaum einen geeigneteren Ort, um eine Kriegerschar in den Hinterhalt zu locken.

Der tote Diebitsch wurde auf dem alten Friedhof hinter dem katholischen Pfarrhause beigesetzt. Sein Grab wäre sicherlich bald in Vergessenheit geraten, wenn nicht einundzwanzig Jahre später, als die Herrschaft Napoleons in Deutschland zusammengebrochen war, sein Bruder, der oben genannte Feldmarschall Diebitsch Sabalkansky, bei der Verfolgung der französischen Armeen durch Enkenbach gekommen wäre. Die Enkenbacher Gemeinderechnungen aus jener Zeit weisen aus, dass im Sommer 1815, bestimmt am 30. Juni dieses Jahres, Russen in Enkenbach einquartiert waren. Der russische Feldmarschall besuchte das Grab seines Bruders und ließ diesem ein einfaches, in barocken Formen gehaltenes Denkmal setzen. Namen und Sterbedatum wurden eingemeißelt. Als der Friedhof in späterer Zeit eingeebnet wurde, ließ man den Grabstein in die südliche Mauer des heute mit Zierbäumen bewachsenen kleinen Parkes ein. Nicht nur ein Grabstein steht hier, sondern ein Gedenkstein an bedeutsame Tage in der deutschen Geschichte.

Aus: "Aus Enkenbachs Vergangenheit" von Friedrich W. Weber, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Enkenbach (1960)

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