Weiher und Wooge im Gebiet der oberen Alsenz (von Friedrich W. Weber)

Nach dem Duden ist der Woog ein mundartlicher Ausdruck für Teich, der Weiher wiederum ein kleiner Teich. Gemeint sind stehende Wasseransammlungen in flachen Geländemulden bzw. Tälern. Diese Begriffsdefinitionen mögen für Norddeutschland zutreffend sein. Dort spricht man auch von "Teichwirtschaft" und meint die Fischzucht. Bei uns in der Pfalz aber ist ein Teich ein fließendes Wasser in einem breiteren Graben oder Bachbett, wie wir es beispielsweise im "Mühlteich" ansprechen. Der Weiher ist ein geringeres, der Woog ein großflächiges Stauwasser, letzteres mit tiefen Stellen; man denke an Kaiserwoog, Gelterswoog, Eiswoog. Diese Gewässer sind entweder künstlich angelegt oder Rückstände in unseren Tälern aus einer Zeit, in der diese noch versumpft und wenigstens streckenweise ohne rechten Bachablauf waren. Wenn wir heute in alten Schriften, Urkunden und Akten lesen, sind wir überrascht über die Vielzahl der historischen Weiher und Wooge in unserer Heimat, besonders auch im Raum Kaiserslautern und im Quellgebiet der Alsenz.

Zur Römerzeit liefen die Verkehrs bzw. Militärstraßen in dem angesprochenen Raum über die Höhen, z. B. über den Schorlenberg und über die Schützenkanzel in Enkenbach. Grund: Die Täler waren versumpft und nur schwer passierbar. Schon ab dem frühen Mittelalter begann die Trockenlegung der Talgründe. Stauwasser verblieben nur noch da, wo man sie für bestimmte Zwecke benötigte, so um die Tiefburg Alsenborn, aber auch für die Fischzucht und zum Antrieb von Mühlen. In der Feudalzeit standen Wasserrecht und Fischerei wie die Jagd ausschließlich der Lokalherrschaft zu, also hier zunächst den Inhabern der Burg Alsenborn, dann dem Kloster Enkenbach und schließlich der Kurpfalz. Besonders das Kloster hatte infolge der Fastenvorschriften einen großen Bedarf an Fischen. Es nützte die vorhandenen Naturweiher und legte noch eine Anzahl Fischteiche künstlich an. Diese planmäßige Weiherwirtschaft wurde allerdings nicht von den Nonnen selbst, sondern von dem Vorsteher des Klosterhofes besorgt. Nach Auflösung des Klosters war dies Aufgabe des von Kurpfalz eingesetzten Klosterschaffners. Er entledigte sich dieser Pflichten, indem er die Fischweiher verpachtete.

Wir haben archivalische Belege mit genauen Aufstellungen über Lage, Größe und Fischbesatz einzelner Weiher, so z. B. in der Velmann'schen Grenzbeschreibung von 1604 und einer Gefälliste (Steuerliste) von 1687. Einige der da genannten historischen Gewässer seien im folgenden aufgezählt: Die zwei Milchweiher rechts und links der heutigen Straße nach Fischbach (nach dem Kinderglauben kamen die Neugeborenen aus den Milchweihern), der Brückwoog im Bereich des heutigen Bahnübergangs nach Alsenborn, der Langwoog bachabwärts anschließend, der Mühlweiher vor der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Klostermühle gegenüber der Heger'schen Fabrik, der Eselsmühler Weiher, der Eichwoog unterhalb der Unteren Eselsmühle. Beim Evangelischen Altersheim mündet das Betteltal (Bezeichnung von 1604) in die Alsenzniederung. Eigentlich müßte es "Bütteltal" heißen; denn seine Erträge standen im Mittelalter dem "Büttel" (Boten) des Landgerichts im Stumpfwald zu (Büttelamt!). Das Bächlein in diesem Tal sammelt sein Wasser im Wiesengelände zwischen Enkenbach und Neukirchen und beim Mehlingerhof. Bis es in einer Waldschlucht das Alsenztal erreichte, durchfloß es eine ganze Anzahl von Weihern. Da waren der Weinfurther Weiher, der Krugswoog, der Schwarzweiher, der Zweizapfenwoog, der Birkweiher und die Otterwöglein. Man unterschied Laichweiher, in denen die Jungfische herangezüchtet wurden, und Speck oder Spickweiher zum "Aufspecken", sozusagen zur Mast. Bevorzugte Fischarten waren Karpfen, Hecht und Schleie. Weißfische gab es auch. Sie dienten vorweg als Nahrung für die Raubfische. Ein größerer Weiher wurde durchschnittlich mit vierhundert Jungfischen besetzt.

Auch in den Tieflagen der Alsenborner Gemarkung nützte man die Quellen und Bachläufe zur Anlegung von Weihern, ja sogar wie schon angedeutet zur Verstärkung der Wehrkraft der Burg am "Alsenzborn" im Bereich des heutigen Schwimmbades. In den Hofwiesen südlich der Straße in den Stumpfwald entspringt eine Quelle, die früher den Hof oder Hausweiher speiste. In dem Gelände fand man in den 30er Jahren (z. Zt. des Bürgermeisters Ullmayer) bei Drainagearbeiten im Schlamm versunkene, in Teilen verhältnismäßig gut erhaltene Holzboote (Einbäume), die beweisen, daß sich hier Menschen schon in frühgeschichtlicher Zeit um die Nutzbarmachung des Weihers mühten. Der obere Speckwoog an der Hetschmühle diente neben der Fischzucht auch als Stauanlage für das Mahlwerk. An der Grenze der Gemarkung gegen Neuhemsbach, beim Randecker Hof, träumt heute noch in einem stillen Waldwinkel der Billesweiher vor sich hin. 1837 ist er im Urkataster als Viehtränke bezeichnet. Die Alsenborner hatten wie die Enkenbacher im benachbarten Flörsheimer Holz (Stumpfwald) altverbriefte Weiderechte. Die Hirten trieben ihre Herden, die auch über Nacht im Walde blieben (im Viehunter), an diesen Weiher zur Tränke. Das Adelsgeschlecht der Flersheimer hatte in Neuhemsbach eine Burg, die im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und von einem Grafen von SaynWittgenstein als Barockschloß (mit Kirche) wieder aufgebaut wurde. Tiburtius Bechtolf v. Flersheim (+1574) hatte eine besondere Vorliebe für Weiherwirtschaft und Fischzucht. Er soll 33 Weiher allein im Oberen Alsenzgebiet in Besitz gehabt haben. Sie lagen z. T. im Hemsbachtal, wie der Scherwoog, der Storkwoog, der Bechtolfswoog, der Friedrichswoog, das Maidtwöglein, der Grafenwoog, derBärenwoog u. a. Das Bächlein, das vom Billesweiher kommt, durchfloß den Randecker Woog, den Flersheimer Woog, den Frauenwoog und den Gänswoog. Außerdem werden im Alsenztal genannt: der Alsenborner Woog, der Eichenbacher Woog, das Baudtweiler Wöglein, der Neuwoog oder Münchweiler Woog und das Rauscher Wöglein. Außerdem betrieb der Flersheimer noch Fischzucht im Kalborner Woog, im Wartenberger Mühlwoog, im Mehlinger Weiher, im Pfaffenecker Woog bei Lohnsfeld, im Baumannswoog bei Alsenbrück, irrt Sacherwoog bei Dörnbach und in einem großen Woog zu Lautern (Hier sind die Stauwasser allesamt "Woog" genannt).

Im Herbst und zur Fastenzeit wurde abgefischt und der Ertrag verkauft. Abnehmer waren: der Probst des Klosters Enkenbach, der Verwalter von Burg Stauf, der Schultheiß von Sippersfeld, der Schaffner des Klosters Rosenthal, der Graf von Falkenstein, die Nonnen von Fischbach, ein Schreiner von Winnweiler, der Wirt "Zur Krone" in Neustadt u. a. Ja, sogar der Fischmarkt in Worms wurde beschickt. Zu besonderer Bedeutung gelangte der Eichenbacher Woog beim heutigen Bahnhof Neuhemsbach. Er lag an der Einmündung des Hemsbachs in die Alsenz. Er füllte hier einen Teil des Alsenztales und staute sich noch ein gutes Stück ins Hemsbachtal hinein. Er bedeckte eine Fläche von 40 Morgen oder zehn Hektar. Dieser Woog eignete sich ganz hervorragend zur Fischzucht. Der Ertrag eines einzigen Jahres zur Wittgensteiner Zeit (1745) belief sich auf 15 Zentner und acht Pfund Karpfen, drei Zentner Hechte und 25 Pfund Schleien nicht gerechnet die Weißfische, von denen man nicht viel Notiz nahm. Der Eichenbacher Woog lag an einem Dreiländereck, wo die Territorien von Kurpfalz, der Grafschaft Wartenberg und der Grafschaft Wittgenstein / Neuhemsbach zusammenstießen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren die Eigentumsverhältnisse in Verwirrung geraten. Die Auseinandersetzungen wegen des einträglichen Wirtschaftsguts zwischen dem Wartenberger und dem Wittgensteiner steigerten sich zu solcher Heftigkeit, daß man schon rauhe Töne anschlug und vor kriegerischen Verwicklungen stand.

Begriff von der Bedeutung der Weiherwirtschaft vermittelt diese Zeichnung aus dem Jahre 1764, die gräfl. Wittgensteinischen Waldungen betreffend. Vom Dorf bis zum Bahnhof Neuhemsbach, das sind 20 Gehminuten, waren früher fünf Weiher bzw. Wooge gestaut. Es waren dies der Hammerwoog, de Bärenwoog und der Eichenbacher Woog, die neben der Fischzucht auch als Klausen für Mühlen bzw. ein Hammerwerk dienten. Zwei kleine Weiher lagen im Heinzenthal.

Wer heute die genannten Weiher und Wooge im Gelände aufsuchen wollte, würde enttäuscht sein. Finden wird er noch den Billesweiher, den Eselmühlweiher und die Schwarzweiher. Die meisten anderen sind schon am Ende des 18. Jahrhunderts verschwunden. Die einst mit Wasser bedeckten Flächen wurden als Wiesen landwirtschaftlicher Nutzung zugeführt. Über ehemalige Weiherdämme führen heute Wege und Straßen. Manche wie der Bauernwoog in Enkenbach wurden in Baugelände umgewandelt. Einmal gab es für eine Anzahl der historischen Stauanlagen eine Art Renaissance. Das war im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die Eisenwerke Gienanth in Winnweiler und Hochstein bedurften für ihre Betriebe gleichmäßiger Wasserkraft das ganze Jahr über. Im Sommer aber schrumpfte die Alsenz oft zu einem kleinen Rinnsal. Da entschlossen sich die Werkseigner, im Quellgebiet des Flüßchens WasserkraftReserveweiher anzulegen, vorhandene Stauanlagen zu nutzen oder auszubauen. Fortan wurde im Sommer das Wasser der Reservoire bei Bedarf nach und nach in die Alsenz abgelassen. Eine genaue Aufstellung dieser Rückhaltebecken haben wir in den sogenannten Liquidationsprotokollen von 1836 im Landesarchiv Speyer. Ludwig v. Gienanth ließ da für seinen Sohn, den Freiherrn Carl v. Gienanth, nicht weniger als acht Objekte dieser Art von "Commißär" Weiß eintragen. Die Weiher lagen oder waren angelegt worden unterhalb Neukirchen, z. T. in der Gemarkung Mehlingen, die meisten im schon genannten Betteltal. Dazu gehören auch die Schwarzweiher oberhalb des Evangelischen Altersheims, die heute noch vorhanden sind. Einer von ihnen, der eigentlichen Funktion längst entfremdet, diente bis in die 50er Jahre der Enkenbacher Jugend als Badeweiher. Nach einer Zeit der Verwahrlosung sind heute wieder sechs Weiher in einem erfreulich gepflegten Zustand. Zu verdanken ist dies dem Angelsportverein Enkenbach und dem Angelsportverein Kaiserslautern. Doch nicht nur die Fischer haben daran ihre Freude, sondern auch der Naturfreund und der Naturschützer. Die Weiher und ihre Umgebung sind Biotope besonderer Art. Eine große Anzahl von Wasserbewohnern, Vögeln und standortspezifischen Pflanzen finden hier ideale Lebensbedingungen. Nur die wenig beliebte Bisamratte macht manchmal Ärger. Aber irgendwie gehört sie auch zur Lebensgemeinschaft Weiher.

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