Zur Geschichte der Gemeindewaldungen von Enkenbach, Alsenborn und Niederflörsheim

Die Entwicklung im Mittelalter

Die Geschichte der drei vorgenannten Gemeinde Wälder, von denen heute der Alsenborner 692 ha, der Enkenbacher 693 ha und der Niederflörsheimer 132 ha umfaßt, ist historisch so in sich verknüpft, daß sie einer zusammenhängenden Darstellung bedarf. Das Gebiet von Alsenborn und Enkenbach war nach dem Zusammenbruch der Römerherrschaft am Rhein kurz nach 400 n. Chr. von der fränkischen Landnahme des 5. und 6. Jahrhunderts zunächst unberührt geblieben; es gehörte zu jenem nahezu menschenleeren Waldland zwischen Donnersberg und Glan, das als herrenloses Gebiet nach fränkischem Recht Königsgut, d. h. Reichsland, war. Dieses "regnum", dessen Umfang im Reichsspruch von 1357 näher beschrieben ist, war östlich und südlich Alsenborn-Enkenbach begrenzt "hynder falckenstein abe byss an die stole off dem stampe vnd von dannen hynder Byelstein (Beilstein im Stiftswald herüber biß zu bremenreyn ...". Dieser Grenzzug, der heute noch durchweg Gemarkungsgrenzen darstellt und sich mit der Stumpfwaldgrenze bzw. der schon in der Römerzeit benutzten Hochstraße über den Schorlenberg deckt, ist also uralt. Wie an anderen Orten längs dieser in fränkischer Zeit weiterbenutzten Römerstraße (Landstuhl, Kaiserslautern, Eisenberg), so befand sich auch bei Alsenborn als Stützpunkt zu Unterkunft und Verpflegung für die herrschaftlichen Benutzer der Hochstraße und ihr Gefolge ein fränkischer Königshof, an den noch alte Flurnamen, wie Hoffeld, Hofwoog, Brühl u. a. erinnern. Bei dem Hof entwickelte sich später das Dorf Alsenborn. Urkundlich wird es erstmalig im Jahre 872 erwähnt. In diesem Jahre schenkte Gaugraf und Herzog Nanthar, der zur Zeit König Ludwigs des Deutschen über den Wormsgau gebot, dem von ihm gegründeten Kloster Münster-Dreisen am Donnersberg 2 Mansen Land bei Alsenborn, in dessen Besitz das Kloster 1144 durch König Konrad III. bestätigt wurde. Auf diesem klösterlichen Eigentum ist im Jahre 1148 das Kloster Enkenbach gegründet worden. Einer seiner Mitbegründer war der Ritter Hunfried von Alsenborn, damals Inhaber der um 1120 erbauten Reichsburg Alsenborn, einer mit Wassergräben umgebenen Tiefburg bei der Alsenzquelle. Der Abt von Münster-Dreisen hatte auch das Aufsichtsrecht über das neugegründete Prämonstratenserinnenkloster in Enkenbach.

Bei dem Kloster, in dessen Nähe damals die beiden Siedlungen Buchholz und Milchborn lagen, entwickelte sich nun das Dorf Enkenbach; nach und nach zogen auch die Bewohner der beiden Siedlungen dorthin, so daß diese schließlich eingingen.

Das Enkenbacher Kloster wurde nicht nur von den benachbarten Adeligen reich beschenkt, es wurde auch mit weltlichen Hoheitsrechten über die beiden Gemeinden Alsenborn und Enkenbach ausgestattet. Diese Hoheitsrechte gingen jedoch im Jahre 1420 zur Hälfte gegen Zahlung von 100 rheinischen Gulden an den Pfalzgrafen Ludwig III. über, während die andere Hälfte der Rechte dem Kloster bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1564 verblieb. Von 1564 an unterstanden Alsenborn und Enkenbach also ausschließlich der kurpfälzischen Landeshoheit. Beide Dörfer wurden zu einem Verwaltungsbezirk, dem "Gericht Alsenborn", zusammengefaßt und hierfür ein Schultheiß bestellt. Die Gemarkung dieser Doppelgemeinde einschließlich Wald und Weideland bildete einen gemeinsamen ungeteilten Bezirk. Er umfaßte nicht nur den eigentlichen Alsenborn-Enkenbacher Gemeindewald, sondern auch den 265 ha großen "Flörsheimerwald", in dem von alters her die Hälfte der Nutzungen der ehemals kurpfälzischen, später rheinhessischen Gemeinde Niederflörsheim, die andere Hälfte den beiden Gemeinden Alsenborn und Enkenbach zustand.

Wie die weitentlegene Gemeinde Niederflörsheim in den Mitbesitz an diesem Walde gekommen ist, ist nicht genau bekannt. Es hängt dies sicherlich zusammen mit der Adelsfamilie der Flörsheimer, die von 1437-1655 im benachbarten Neuhemsbach begütert waren und die dortigen Herrschaftsrechte innehatten. Im Teilungsakt über den Flörsheimerwald vom Jahre 1828 findet sich folgende Bemerkung: "Über die frühen Eigentumsverhältnisse dieses Waldes hat man keine verlässige Nachrichten erhalten können. Einer Sage nach gehörte derselbe in früherer Zeit dem adeligen Stamm von Flörsheim und ist durch Schenkung oder Vermächtnis eines Fräuleins von Flörsheim, dem letzten Gliede dieses Stammes, Eigentum der Gemeinde Niederflörsheim geworden, welche später den Mitbesitz zu gleichem Anteile den beiden Gemeinden Alsenborn und Enkenbach zugestanden haben soll .. .". Hier haben wir es mit einer der vielen "Ursprungssagen" zu tun, die legendären Charakter haben und keinen exakten Hinweis auf die Besitzentwicklung geben. In diesem Zusammenhang wird von Georg Ludwig von Maurer in seiner "Geschichte der Markenverfassung in Deutschland" festgestellt, daß von den Alpen bis zum Meer die Spuren einer waldschenkenden adligen Dame vorhanden sind. Deren Gestalt habe jedoch nur in der Volksüberlieferung bestanden, um einen Rechtsgrund für den Besitz eines Gemeindegutes zu konstruieren, deren wahrer Ursprung vergessen war. Ähnliche Ursprungssagen werden in unserem Gebiet berichtet für den Waldbesitz von Kreuznach, Ingelheim und Simmern.

Dieser Erklärung in dem genannten Teilungsakt - die Flörsheimer sind übrigens 1655 ausgestorben - steht auch entgegen, daß das gemeinsame Nutzungsrecht der drei Gemeinden schon im Niederflörsheimer Weistum vom Jahre 1401 erwähnt wird und die Gemeinde Niederflörsheim dem Alsenborner Gemeindeschütz 3 1/2 Malter Korn und Brot für ihren Anteil an der Waldhut geben mußte, "wie es von altersher auf uns kommen". Während oder nach der Herrschaftszeit der Flörsheimer in Neuhemsbach kann also die genannte Schenkung nicht stattgefunden haben. Ein Zusammenhang mit den Herren von Flörsheim muß aber doch bestanden haben, da von den letzteren das Jagdrecht im Flörsheimerwald beansprucht wurde und ihnen dies 1604 vom Kurfürsten, wenn auch mit dem Vorbehalt als Lehen oder als "Gnadenjagd" zugestanden blieb. Ihre Neuhemsbacher Untertanen hatten dort auch ein Weiderecht. Die Namensgebung " Flörsheimerwald" muß daher in die Zeit zurückverlegt werden, in der die Herren von Flörsheim noch kaiserliche Burgmannen zu Lautern waren. Noch einmal verknüpft sich ihr Name mit Alsenborn; Anfang des 13. Jahrhunderts war die Burg an den Ritter Konrad von Randeck gefallen, der die (aus den ursprünglichen klösterlichen Obrigkeitsrechten abgeleiteten) Vogteirechte über Alsenborn-Enkenbach ausübte. Durch Heirat Friedrichs von Flörsheim mit Margarethe von Randeck ging die Burg 1437 an die Flörsheimer über, die 1522 Anspruch auf die Vogtei und Hoheit zu Enkenbach erhoben. Sie behielten aber nach vielen Streitigkeiten nur das Jagdrecht in dem sog. Flörsheimer Wald").

Die Waldbeforchung des Forstmeisters Philip Velman im Jahre 1604

Ende des 16. Jahrhunderts ordnete Kurfürst Friedrich IV. die "Beforchung", d. h. eine genaue Beschreibung der Gemarkungsgrenzen und öffentlichen Güter nach ihrem damaligen Rechts-, Grenz- und wirtschaftlichen Zustand an, um künftigen "Irrungen" vorzubeugen. Die Beforchung der Gemeinden Enkenbach und Alsenborn wurde am 4. Juni 1604 von dem kurpfälzischen Forstmeister Philipp Velmann von Germersheim im Beisein des Klosterpflegers Johann Paul Flemming, des Kaiserslauterer Oberförsters Philipp Frey, des Alsenborner Schultheißen Johann Bleikert Drautmann und anderer Gemeindedeputierter sowie des "Forstknechtes" (Försters) Michael Friedrich und des Waldschützen Hans Veiten begonnen. Neben einer eingehenden Grenzbeschreibung erhalten wir aus dieser Beforchung auch ein klares Bild über die damaligen Bestockungs- und Jagdverhältnisse des Gemeindewaldes von Alsenborn-Enkenbach und des Flörsheimerwaldes sowie über die vielen "ausländischen" Angrenzer an dieses Stück Kurpfalz und damit zugleich auch einen Ausschnitt aus dem bunten Länder- und Herrschaftsmosaik der damaligen Zeit. Die Angrenzer des Gerichts Alsenborn waren längs der Gemarkungsgrenzen von Kaiserslautern und Neukirchen-Mehlingen: Kurpfalz von Niedermehlingen: Grafschaft Wartenberg; von Baudweiler (untergegangen): Grafschaft Wartenberg und Herrschaft Neuhemsbach gemeinsam; von Münchweiler und Neuhemsbach: Herrschaft Neuhemsbach (Junker von Flörsheim); von Sippersfeld, Kerzenheim undRamsen: Herrschaft Stauf (Grafen von Nassau-Saarbrücken); von Wattenheim: Grafen von Leiningen-Westerburg; von Diemerstein: Herrschaft Diemerstein (Edler Georg Ort Bonn von Wachenheim). Diese Herrschaftsverhältnisse haben in der Folge noch mehrmals gewechselt.

Nach der Beschreibung des ehemaligen Enkenbacher Klosterbesitzes im Bezirk "Hahn", der nach der Aufhebung des Klosters 1564 der Geistlichen Güteradministration in Heidelberg überwiesen worden war, fährt Velmann fort:

"Folgen hierauf beyde gesetzte dorf Enkenbach und Alsenborn eigenwald, darin das kloster Enkenbach nichts eigenes, dann die hohe und nieder oberkeit, Hagen und jagen hat mein gnädiger herr, und liegt dies gewält auserhalb des Hahns in der gemein alment, jedoch in dem großen bezirk wie zu leßen:

Item: ein großer waldt mit fruchtbare eichen und buchenholtz, auch anderen unholtz hie und da bewachßen, stoßt einseit uf Flöhrsheimer Gretzberg, die Rothbach und dan förter ans Junkern eigenwald, bis an die Biliswießen mit 22 stein, anderseits die Enkenbach und Alsenhorner Heiden, mit dem vordem orth uf den obern Steckwoog und die Retschmühl, mit dem hintern orth uf das Biliswäldgen, begreift in sich den Griesberg, den Leberberg, den Schrotberg und den Reimersberg, hat auch in sich die Rothwieß und Grotewegleyn, den Hauß- oder Haubwoog, Fischer Nicklaß Neuwoog, die 3 kleine wöglein, den Talau und Forschab, alßdann zum theil von der Woogbach bis uf Gredenwöglein und halt solcher wald ungefehr uf 400 morgen lands, das holtz, ecker und weydgang beyder gemein, das jagen sambt hohe und nieder oberkeit Churfürstl. Pfaltz, und obwohl Juncker Friedrich von Flöhrsheim jetziger zeit das jagen drin, so ist’s doch nur aus gnaden und wiederrufen.

Item: ein wald, das Flöhrsheimer Holtz genannt, ist ein licht bürschholtz mit buchen und eichen bewachßen, jedoch zimblicher maßen behauen, seind sommer- und winterhalten, stoßt einseits ufs Flöhrsheimer eigengewält, wieder zur selbigen selten uf Flöhrsheim- und Nassauisch gemeine jagen, dem Sippersfelder bann mit 17 stein, anderseits uf die Enkenbacher Heiden, mit dem vordem orth ouf die Talau und Untergellemer Straßen, mit dem hinteren orth, dem Stapf mit 15 stein, begreift in sich den Bilisberg, den Bodenberg, die Boddell, den Geißberg, die Kühdell, die Harth, den Schelmenkopf, hält auch in sich zween auerhahnenfalß uf bemeltem Schelmenkopf, den ändern uf der Harth, begreift auch in sich den Biliswoog, so Nassauisch zuständig, darnach begreift auch in sich dießen waldt die scheffenstühl; damit es solche gelegenheit, daß wann ein übelthäter ergreift vor der zeit die drey gericht Enkenbach, Alsenborn, Ramsen und Wattenheim, alda im waldt über den übelthäter gericht gehalten, nunmehro abgeschafft worden.

Die beholtzung im gesetzten wald belangen thut, ist beeden dorf Enkenbach sambt Alsenborn mit eckern und weydgang, die hoch- und nieder obrigkeit, hagen und jagen Churfürstl. Pfaltz, wiewohl jetz und Flöhrsheimer zu Hembsbach vorgemelt, das jagen, so ist es doch, wie droben angezeigt, aus gnaden und wiederrufen. Dieser waldt vermag ongefähr uf 1000 morgen lands. .

Item: noch ein stück walds, die Dintthal genannt, ist fast lauter eichen fruchtbar holtz, doch an unterschiedlichen orthen, ein wenig buchen, aber fast ein eben feldt oder landt, stoßt einseits uf den Stampf oder Stumpf mit 12 stein, anderseits Alsenborn und Enkenbach selbsten gegen den Heyden, mit dem hinteren orth uf das Flöhrsheimer Holtz, mit dem vorderen orth uf den Garthen. Die Westerburgisch gerechtigkeit, Wattenheimer bann, begreift in sich ein stück am Biliswäldlein, die Thintell, die Hinter Sey, sambt einer auerhahnenfalß und hirschbruch, den Kallenberg, das Klein Stempfelwöglein mit dem Stempfelbörngen, undt ist ein licht herrlich bürschholtz, die beholtzung, eckern weydgang der zweyen dörfer Enkenbach und Alsenborn, die hoch und nieder oberkeit, hagen und jagen, Churfürstl. Pfaltz.

Item: noch ein stück wald, die Lautenhald genannt, ist ein winterhalt mit eichen und buchen bewachßen, stoßt einseits an Wattenheimer und Diemersteiner bann 8 stein, anderseiten Enkenbach und Alsenborn selbst gegen der Heiden, mit dem hintern orth ufs Armbrust. Die Heyden begreift in sich das Klein Klingendellgen, das Gantzheck; die beholtzung, ecker und weydgang der zweyen Dörfer Enkenbach und Alsenborn, die hohe und nieder oberkeit, hagen und jagen Churfürstl. Pfaltz und deren nachbarn.

Item: noch ein großer wald, der Hinderwald genannt, ist ein lichter eichen- und eckernwaldt, ein bürschholtz, stoßt einseits uf den Diemersteinerwald mit 11 steinen, anderseits Enkenbacher Heyden und Dauhenborner bann mit 8 steinen, mit dem hintern orth uf den Stadtwaldt mit 3 stein, mit dem vordem orth uf die Heid gegen den Armbrust, begreift in sich die Schneckendell, zum Kloster Enkenbach gehörig, das Hentzenthal, ebenmäßig dem Kloster Enkenbach gehörig, die Klein und Groß Ochsendell, den Winterborn. Die beholtzung, ecker- und weydgang beeder Dörfer Enkenbach und Alsenborn, die hohe und nieder oberkeit, hagen und jagen Churfürstlicher Pfaltz." .

Die Bestockung des Gemeindewaldes bestand also im Jahre 1604 ausschließlich aus Laubhölzern. Sie hat sich erst unter der Auswirkung der ewigen Streunutzung und übermäßigen Waldweide im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in nahezu reine Kiefernbestockung umgewandelt. Diese Wandlung war Mitte des 19. Jahrhunderts im wesentlichen schon beendet. Insbesondere gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Einbringung der Kiefer von der kurpfälzischen Forstverwaltung mit größter Energie betrieben. Die anfänglich auf den bisherigen Laubholzstandorten des Gemeindewaldes gut gedeihenden Nadelholzbestände - seit 1850 ist auch manchenorts die Fichte eingebracht worden - haben aber, ebenfalls auf die unselige Streunutzung zurückzuführen, in der zweiten oder dritten Generation vielerorts bedeutend nachgelassen und sind vielfach in ihren Massenleistungen unter den Durchschnitt geraten,

Unter der "Heide" der Velmannschen Beschreibung ist das vor dem eigentlichen Wald liegende, nicht in Anbau genommene, wild mit Gras, Heidelbeere, Gebüsch und Dorn bewachsene Land zu verstehen, das ohne scharfe Grenze in den Wald überging und als Allmende beweidet wurde. Diese Heiden oder "Willerungen" boten Hasen und Feldhühnern gute Deckung und Lebensmöglichkeiten. An die jagdlichen Freuden auf solchen Ländereien erinnert das alte Jägcrlied "Im Wald und auf der Heide". Mit der wachsenden Bevölkerung, dem vermehrten Landbedarf und der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung des Waldes sind die früher ausgedehnten Heiden im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts bis auf kleine Reste verschwunden; sie sind zum Teil in landwirtschaftliche Benutzung übergeführt, zum überwiegenden Teil jedoch aufgeforstet worden.

Während Wald und Heide noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts gemeinschaftlicher Besitz der beiden Dörfer waren, war die eigentliche Feldflur zu Velmanns Zeiten bereits in die zwei "Bann und Gemark" Alsenborn und Enkenbach geteilt.

Die Velmannsche Grenzbeschreibung des Gerichts Alsenborn ist von großem heimatgeschichtlichem Wert und bietet auch der Flurnamenforschung vielen Stoff. Ihr verdanken wir auch die genaue Kenntnis des Ortes, wo sich das Hemsbacher Hochgericht befand, nach dem die heutige Abt. VII l Galgenwald Alsenborn und Abt. I 5 des Gemeindewaldes Enkenbach benannt sind. Der Galgen war um 1550 beim heutigen Grenzstein Nr. 235 von Junker Friedrich von Flörsheim zur "Erweisung der hohen Obrigkeit Gerechtigkeit" errichtet und mit beiden Säulen in den Grund "gebauet worden". Die Hinrichtungen an diesem Galgen wurden von dem Henker von Lautern vollzogen. 1764 war das Hochgericht aber schon lange nicht mehr vorhanden. "Die Schöffenstühl“, d. h, die Gerichtsstätte auf der Stumpfwaldgrenze in der heutigen Alsenborner Gemeindewaldabteilung Schelmenkopf, sind bereits erwähnt worden. Diese Gerichtsstätte mit ihren neun steinernen Schöffenstühlen ist 1933 rekonstruiert worden und überrascht den Wanderer, der auf dem uralten Stumpfwaldgrenzweg unversehens vor den Steinen steht. Leider entspricht der jetzige Standort der Schöffenstühle nicht genau dem der wirklichen, uralten Gerichtsstätte. Jene lag rund 300 m weiter südlich beim heutigen Grenzstein Nr. 31, dem "10. Stein bei den stüllen" der Velmannschen Grenzbeschreibung in der Abt. Steinkopf.

Die Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert

Wie die ganze Pfalz durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstet und in einen trostlosen Zustand versetzt wurde, so wurden auch die Dörfer Enkenbach und Alsenborn aufs schwerste von den Greueln dieses Krieges betroffen. Von Enkenbach ist bekannt, daß seine Einwohnerzahl von 29 Familien im Jahre 1611 auf 4 Familien im Jahre 1656 gesunken war. Mit Alsenborn wird es kaum besser bestellt gewesen sein. Kurfürst Karl Ludwig nahm nach seiner Rückkehr aus dem Exil in England im Jahre 1649 den Wiederaufbau der Pfalz tatkräftig und erfolgreich in Angriff. Die geflohenen Pfälzer und Einwanderer aus der Schweiz, Flandern und Wallonien wurden in das verödete Land geholt, so auch nach Enkenbach-Alsenborn. Landwirtschaft, Handel und Wandel wurden unter vielen Erschwernissen wieder in Gang gebracht. Auch der Waldwirtschaft widmete Karl Ludwig sein Augenmerk. In der Sorge über die vielfach übermäßig und ungeregelt geübte Nutzung der Gemeindewaldungen für den Wiederaufbau entzog er mit Edikt vom l, 6. 1659 den Gemeinden das Recht der Selbstverwaltung ihrer Waldungen und nahm diese in die Obhut des Staates. Dieser Grundsatz ist in der Pfalz seither durch 3 Jahrhunderte unter allen Regierungsformen in Geltung geblieben und hat sich segensreich auf den Zustand der Waldungen ausgewirkt.

In Ausführung dieses Edikts oblag nunmehr den kurfürstlichen Forstbeamten in den Gemeindewaldungen nicht nur die Ausübung des Jagdregals, sondern auch die Beaufsichtigung und Regelung der Waldnutzungen. Von einem eigentlichen Forstbetrieb konnte freilich noch lange nicht gesprochen werden. Zuständig für die Alsenborn-Enkenbacher-Niederflörsheimer Waldungen war der kurfürstliche Forstmeister in Lautern, dem alle öffentlichen Waldungen des Oberamts unterstellt waren. Über ein Jahrhundert lang, nämlich von 1668 bis zum Ende der Kurpfalz 1797, hatten Forstmeister aus 5 Generationen der bekannten Kupfälzer und Lauterer Forstfamilie Rettig dieses Amt in Erbförsterei inne. Der in Enkenbach sitzende "Forstknecht", ab 1783 "Förster" genannt, hatte die Funktionen des späteren Revierförsters älterer Ordnung zu bayerischer Zeit. Ihm unterstanden 3 gemeindliche Waldhüter aus Alsenborn und Enkenbach. Von solchen Förstern zu Alsenborn-Enkenbach sind uns namentlich bekannt: Simon Hiermayer, 1748 Forstknecht zu "Alsenbronn", 1764 Förster zu Enkenbach; Sebastian Hubert, 1780, 1791 Förster zu Enkenbach, dort verstorben; Gottfried Hubert, Sohn des Vorigen, 1793 Förster zu Enkenbach, gest. 1822 zu Alsenborn; Hans Theodor Lutz, 1813 Förster zu Alsenborn (geb. 1777 zu Lauterecken, 1816 Förster zu Bloskilb, Rev. Elmstein, gest. 1848 zu Kaiserslautern); Wilhelm Häussner, 1822 Kommunal-Revierförster, vorher Förster zu Alsenborn; Oberförster Jakob Fournier, 1857-85.

Die Absteinung des Gerichts Alsenborn, wie sie Velmann beschreibt, galt bis zur Grenzrenovation in den Jahren 1764-67, Bei dieser wurde die heute noch gültige Versteinung an 249 Grenzpunkten, am Flomborn im Flörsheimerwald beginnend und im Uhrzeigersinne fortlaufend numeriert, durchgeführt. Die Steine tragen auf Alsenborn-Enkenbacher Seite das kurpfälzische Rautenwappen, die Jahreszahl, die Nummer und die Buchstaben AE (Alsenborn-Enkenbach) oder AEF (Alsenborn-Enkenbach-Flörsheimerwald), Bei dieser Grenzrenovation wurde auch die bereits erwähnte Grenze zwischen dem damals noch ungeteilten Alsenborn-Enkenbacher- und dem ungeteilten Alsenborn-Enkenbach-Niederflörsheimerwald mit den heute noch vorhandenen Grenzsteinen versehen.

Bei dem Grenzumgang waren neben den Gemeindedeputierten von Alsenborn, Enkenbach und den angrenzenden Herrschaften und Gemeinden der Landschreiber des Oberamts Lautern, Herr von Horn, ferner Forstmeister Konrad Rettig, Amtsschreiber Diel von Lautern und Förster Simon Hiermayer von Enkenbach zugegen. Letzterer war wohl ein Sohn des kurfürstlichen Hofkammerrats Hiermayer, der uns im Jahre 1745 bei Begehungen des Kaiserslauterer Reichswaldes begegnet. Im Jahre 1790 wurde der Gemeindewald auch innerhalb der eigenen Gemarkung, d. h. der gemeinsame Waldbesitz gegenüber der dorfweise getrennten Feldgemarkung, abgesteint. Es war dies notwendig, um die Unsicherheit zwischen Heide-, d. h. also der Allmendweide, und Wald zu beseitigen und damit auch den Zuständigkeitsbereich des kurpfälzischen Försters genau festzulegen. Diese Grenze verläuft heute infolge der bereits erwähnten Aufforstung der Heideflächen und sonstiger Zugänge vielfach innerhalb des Waldes; sie hat dort nur noch heimatgeschichtliches Interesse. An solche aufgeforstete Heideflächen erinnern heute noch die Waldabteilungen "Hirtenkiefer, Heide, Allmend".

Der Waldweide (Rauh- und Schmalzweide) kam in jener Zeit noch wie in den vorangegangenen Jahrhunderten große Bedeutung zu. Der Mangel an Wiesen, die geringen Erträge an Futtergras und das Fehlen des damals noch nicht angebauten Klees zwangen dazu, das Vieh durch einen Viehhirten austreiben zu lassen - der frühere Waldabteilungsname "Unnerdell" im Gemeindewald Alsenborn und "Waidsohl" im Gemeindewald Enkenbach erinnern heute noch daran - oder die Weiderechte in den benachbarten "ausländischen" Wartenberger, Nassauischen, Staufer und Leiningischen Waldungen auszuüben.

In der Erkenntnis, daß durch die Ziegenweide in den Waldungen diese aufs schwerste geschädigt werden, war im Jahre 1763 von der kurfürstlichen Regierung angeordnet worden, daß das "Geissenvieh" aus den herrschaftlichen und aus dem Gemeindewald zu verbleiben habe; die Durchführung dieser Generalanordnung brachte jedoch viel Verdruß. Gegen die Drohung des Försters Hiermayer, das widerrechtlich eingetriebene Geissenvieh totzuschießen, wurden bewegliche Vorstellungen bei der Hofkammer in Mannheim erhoben, die von dem Lauterer Oberamt unterstützt wurden. Das Gesuch wurde am 25, 8. 1764 dahingehend verbeschieden, daß den Geisen eine unschädliche Trift durch den Gemeindewald festgesetzt wurde, auf der sie in die benachbarten "ausländischen" Waldungen getrieben werden konnten. Auch die Gänseweide wurde ausgeübt. An sie erinnern die früheren Waldabteilungsnamen Gänsebrünnchen im Alsenborner-, Gänspfad im Enkenbacherwald.

Auch einer besonderen Merkwürdigkeit muß hier gedacht werden. Ende des 16, Jahrhunderts hielten sich in den Alsenbom-Enkenbacher Waldungen, wie allenthalben in dem uferlosen Wäldermeer des Pfälzerwaldes bis in die Vogesen hinein, wilde oder, richtiger gesagt, verwilderte Pferde auf, die aus den Gestüten Hilsberg (jetzt Stüterhof) und Kübelberg ausgebrochen waren, Diese Pferde lebten vollkommen wild, waren aber scheuer und schwerer zu fangen als Rotwild, hielten sich gerne unter den Felsbänken auf und traten besonders zur Nachtzeit auf die Feldfluren zur Weide aus. Die Felder der Gemarkungen Alsenborn und Enkenbach mußten deshalb mit Riegelzäunen umgeben werden, um sie vor dem ungebetenen Besuch der Pferde zu schützen. In der Sitzung des Rates zu Lautern vom 21. Januar 1595 wurde eine Klage der beiden Gemeinden gegen den Jakob Algäuer von Lautern behandelt, der auf einer Geschäftsfahrt einen Teil dieses Riegelzaunes abgerissen und als Brennholz hinweggefahren hatte. Er wurde dabei erwischt, mußte den Schaden ersetzen und wurde noch mit dem Turm (Gefängnishaft) bestraft. Erst in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges, als die Not aufs höchste stieg und die wilden Pferde ein begehrtes Jagdwild darstellten, wurden sie dezimiert und schließlich ausgerottet, Aus den Lauterer Ratsprotokollen ist weiterhin ersichtlich, daß der Stadt in kurfürstlicher Zeit die Unterhaltung der Hochstraße über den Schorlenberg bis Hertlingshausen oblag. Hierfür wurden dem Maurer Empser von Alsenborn um 1718 für die Strecke von Alsenborn bis Hertlingshausen jährlich 9 Gulden bewilligt. Im Jahre 1725 erging über den Schultheißen von Alsenborn ein Antrag der Stadt, der Maurer Hahn solle die gleiche Strecke herrichten, da der Kurfürst von Trier nächstens durchreisen werde. Im Jahre 1739 wurde wegen der Straße über Enkenbach nach Hertlingshausen beraten, ob man den alten Weg über den Schorlenberg oder den neuen "Franzosenweg" (die "Neue Steig" durch die Waldabteilung Kahlenberg) herrichten solle. Letzterer gehe "commoder ohne so viel Steigung". Er erreichte über die Höhe des Schorlenbergs, dabei auf einer kurzen Strecke durch den Stumpfwald laufend, die alte Hochstraße in der Ostspitze der Abteilung Metzgerstein. Dort stand früher ein St. Nicolaskreuz, beim Dreimärkerstein, wo die Gemarkungen Alsenborn, Ramsen und Wattenheim, zusammstoßen;. Es war .auch "Cömbe Kreuz" (d. i. Kumpans-Kreuz) genannt, da St. Nicolaus der Schutzpatron der Wanderer und Kauffahrer war. Schließlich einigte man sich mit Zuziehung des Gerichtsmannes Willenbacher von Enkenbach, den alten Weg am Schorlenberg (die "alte Steig") beizubehalten.

Die französische Zeit 1794-1814

An die Kämpfe mit den französischen Revolutionsheeren Ende des 18. Jahrhunderts (1794), die auch der Kurpfalz den Untergang brachten, erinnern heute noch einige Schanzen im Alsenborner und Enkenbacher Gemeindewald, so am Herlenberg, in der Abteilung Schanze, in der Abteilung Jörgskiefern und an anderen Stellen. Am Schorlenberg kam es in den Tagen des 18.-20. September 1794 zu schweren Kämpfen zwischen den Preußen unter General Voß und den Franzosen, in deren Verlauf am 18. September Enkenbach und Alsenborn von den Preußen genommen wurden. Auch Blücher hat an diesen Kämpfen (an der Eselsmühle) erfolgreich teilgenommen und drang über Neukirchen nach Morlautern vor. Am 20. September traten die Preußen nach Süden zum Sturm auf die Höhen des Schorlenbergs an und stießen von hier über Fischbach und Hochspeyer nach Kaiserslautem vor. Nach der Rückkehr der Franzosen Ende Oktober 1794 wurden die Gemeinden so hart mit Kontributionsforderungen bedrängt, daß 2800 Klafter Holz (= rd. 10000 Ster) aus dem Alsenborn-Enkenbacherwald geschlagen werden mußten, um diese Forderungen erfüllen zu können.

Auch eines Einzelschicksals während dieser Kämpfe sei hier gedacht. Vierzehn Tage vor der großen Schlacht am Schorlenberg, am 4. September 1794, wurde ein preußischer Offizier, Oswald von Diebitsch, wohl als Anführer eines berittenen Spähtrupps bei einem kleinen Gefecht im Ochsental schwer verwundet und von seinen Leuten ins Dorf gebracht, wo er im nächstgelegenen Haus verstarb und auf dem alten Friedhof hinter dem katholischen Pfarrhause beigesetzt wurde. Zwanzig Jahre später, als die Herrschaft Napoleons in Deutschland zusammengebrochen war, kam der Bruder des Gefallenen, der in russischen Diensten stehende Feldmarschall Diebitsch-Salbalkansky auf der Verfolgung der französischen Armeen durch Enkenbach, besuchte das Grab und ließ seinem Bruder einen Gedenkstein setzen. Er wurde später in die südliche Mauer des alten Friedhofs eingelassen. Nicht nur ein Grabstein steht hier, sondern ein Gedenkstein an bedeutsame Tage in der deutschen Geschichte.

In der Zeit der französischen Besetzung und späteren Einverleibung der Pfalz in das französische Staatsgebiet blieben die Verwaltungs- Verhältnisse hinsichtlich der Gemeindewaldungen zunächst unverändert. Mit der Verordnung vom 11. März 1802 wurde die bisherige kurfürstliche "Beförsterung" auch für die Folge als Verwaltungsgrundsatz bestätigt. Aus dem kurfürstlichen Förster Gottfried Hilbert zu Enkenbach, später Alsenborn, wurde nun ein "Gardeforestier". Als solcher unterstand er dem "Garde-General" (Oberförster) in Kaiserslautern, der seinerseits dem "Inspecteur des Eaux et Forets" dortselbst unterstand. Der Amtsbereich des letzteren deckte sich mit dem neu geschaffenen Arrondissement Kaiserslautern, das weit über den bisherigen Umfang des kurfürstlichen Oberamts Lautern hinaus auf etwa ein Viertel der heutigen Pfalz erweitert worden war. Der Sitz der obersten Forstbehörde des Departements, die "Conservation des Eaux et Forets", war Koblenz.

Von 1797 an wurden mehr und mehr die französischen Verwaltungsgesetze und Vorschriften eingeführt, darunter für den Forstbetrieb auch die Ordonnanz vom Jahre 1669, durch die die französische Schlagwirtschaft, das Coupensystem, in den pfälzischen Waldungen zur Anwendung kam. Soweit noch Laubholzbestände in den Gemeindewaldungen von Alsenborn und Enkenbach vorhanden waren, trug diese Wirtschaftsweise zu der schnellen Umwandlung in Nadelholzbestände bei. Waldabteilungs- und Lokalnamen, wie "Neukupp, Altkupp, Bremmenkupp" im Enkenbacher Gemeindewald, erinnern noch an diese französische " Coupen" wir schalt.

Durch die gleiche Ordonnanz wurde auch die Schafweide in allen Waldungen verboten und bestehende Berechtigungen dieser Art als aufgehoben, aboliert, erklärt.

Das bisherige landesherrliche Jagdregal blieb insofern weiterbestehen, als die Gemeindejagden bei forstbehördlicher Mitaufsicht unter der Staatsverwaltung, d. h. Vereinnahmung des Pachtschillings durch den Fiskus, belassen wurden.

Während also die Verhältnisse hinsichtlich der Gemeindewaldungen keine grundsätzlichen Änderungen erfuhren, traten in der unmittelbaren Umgebung des Alsenborn-Enkenbacher Gemeindewaldes große Wandlungen ein. Die pfälzischen Adelsfamilien waren beim Einmarsch der Franzosen über den Rhein geflüchtet und gingen aller ihrer linksrheinischen Besitzungen und Herrschaftsrechte verlustig. Die landesherrlichen, herrschaftlichen und ehemals klösterlichen Waldungen wurden als französisches Nationaleigentum erklärt. Soweit diese Waldungen in geschlossenen Komplexen beisammen lagen, wurden sie in napoleonischer Zeit "Foret imperiale" (kaiserlicher Wald). Isolierte Waldteile wurden dagegen verkauft. Auf diese Weise wurde ein Stück des ehemaligen Enkenbacher Klosterwaldes Staatswald (heutige Abteilung IV 5 Hahn des Forstamts Winnweiler), der größte Teil aber Privatwald, derzeit zum Hahnerhof gehörig, ein weiteres Stück bei den "Zwanzig Morgen", heute noch Klosterwäldchen genannt, ist vor einigen Jahren von der Gemeinde Enkenbach aus Privathand angekauft und nun mit der Gemeindeabteilung VI 2 Tälchen vereinigt worden.

Die Entwicklung im! 18. und 19. Jahrhundert

Nach der Befreiung der rheinischen Lande von der französischen Fremdherrschaft übernahm Bayern im Jahre 1816 die Pfalz als Bayerischen Rheinkreis. Der Foret Imperiale um Alsenborn-Enkenhach, z. B. der Hemsbacher-, Diemersteiner- und Fischbacherwald, wurde damit bayerischer Staatswald.

Bereits im ersten Jahre der bayerischen Verwaltung wurde der Alsenborn-Enkenbach-Niederflörsheimerwald von Geometer Schaefer von Homburg vermessen und in Plan gelegt. Auf diese Vermessung stützte sich die spätere Teilung dieser Waldungen.

Auf forstorganisatorischem Gebiet traten nun hintereinander mehrere Änderungen ein. Im Jahre 1822 wurden die bisherigen vier noch aus der Franzosenzeit bestehenden Kreisforstämter Kaiserslautern, Neustadt, Kirchheimbolanden und Zweibrücken aufgelöst und aus den bisherigen Oberförstereien 18 Forstämter gebildet. Die Revierförsterstelle Enkenbach wurde hierbei als "Communalrevier Alsenborn" unter ihrem bisherigen Leiter, dem zum Communalrevierförster ernannten seitherigen Förster Wilhelm Häussner (Nachfolger Gottfried Hilberts) in Alsenborn dem neugebildeten Forstamt Frankenstein unter dessen Forstmeister Sebastian Mantel zugeteilt.

Mantel entstammte der altberühmten unterfränkischen Forstmannsfamilie, aus der viele bayerische Forstverwaltungsbeamte hervorgegangen sind und die heute noch blüht. Sebastian Mantel war Vorstand des Forstamts ä. O. Frankenstein bis zum 1. April 1832, dann des Forstamtes Kronach in Oberfranken von 1832 bis 1844, dann Direktor der von König Ludwig I. neugegründeten Forstlichen Hochschule zu Aschaffenburg von 1844 bis 1848, schließlich Leiter der pfälzischen Forstverwaltung als Regierungs- und Kreisforstrat zu Speyer von 1848 bis Januar 1859.

Sitz des Forstamtes Frankenstein war vom 1. September 1822 bis 30. November 1830 Hochspeyer, vom 1. Dezember 1830 bis 1853 Kaiserslautern, so daß also in dieser Zeit zwei Forstämter in Kaiserslautern bestanden. Nachfolger Mantels wurde hier Forstmeister Binger.

Nur wenige Jahre nach dieser Neuorganisation wurde das Communalrevier Alsenborn, weil es durch seine Besetzung mit einem Staatsforstbeamten dem Ärar nur Ausgaben verursachte, aufgehoben und mit dem Ärarialrevier Fischbach bei Hochspeyer unter dem dortigen Revierförster Philipp Friedrich Candidus vereinigt. Diese Lösung war jedoch nicht glücklich, denn das Revier Fischbach war dadurch viel zu groß geworden und ließ sich nicht halten. Im Jahre 1841 wurde daher das ehemalige Communalrevier Alsenborn erneut, aber aus Ersparnisgründen nur als Communalforstei Enkenbach Ins Leben gerufen, und mit dem "Communalforsteiförster" Philipp Aufschneider, bisher Forstwart ä. O. zu Hofstätten, besetzt.

Im Jahre 1877 suchten die Gemeinden Alsenborn und Enkenbach bei der Regierung nach, die Forstei wieder in ein Revier umzuwandeln, was von der Regierung nur in Aussicht gestellt wurde, wenn die beiden Gemeinden den Mehraufwand von 100 Gulden jährlich selbst tragen würden. Die Gemeinden gingen aber hierauf nicht ein. Aufschneider, dessen Dienstsitz Ende 1847 nach Alsenborn verlegt worden war, wurde 1848 nach Iggelbach (Revier Bloskülb) versetzt. Sein Nachfolger wurde am 5. Dezember 1848 der Communalforsteiförster Jakob Fournier, bisher Forstwart ä. O. zu Hahnbrunn bei Kaiserslautern, mit dem Sitz in Enkenbach.

In die Dienstzeit Fourniers fällt die Organisationsänderung des Jahres 1853. Bei dieser wurde das Forstamt ä. O. Frankenstein aufgelöst, die bisherige Forstei Enkenbach erneut zum Communalrevier erhoben und dem Forstamt ä. O. Kaiserslautern zugeteilt. Communalrevierförster Fournier, ab 1868 Communaloberforster, ist am 1. November 1876 in Enkenbach im Alter von 72 Jahren (geb. 1803 in Merzalbcn) gestorben. Sein Grabstein ist auf dem Enkenbacher Friedhof heute noch erhalten. Er war der letzte Communalrevier- bzw. -Oberförster in Enkenbach. Nach seiner Ruhestandsversetzung wurde - wieder aus Ersparnisgründen - das Communalrevier Enkenbach zum zweitenmale aufgelöst und mit dem Ärarialrevier Fischbach unter dem Oberförster Philipp Carl vereinigt. Diese Regelung blieb bestehen, bis im Jahre 1885 durch die Neuorganisation der bayerischen Forstverwaltung das bisherige sogenannte Revierförstersystem aufgehoben wurde.

Schon zur kurfürstlichen Zeit im 18. Jahrhundert entstanden aus dem gemeinschaftlichen Waldbesitz Spannungen und Reibungen zwischen den beiden Gemeinden Alsenborn und Enkenbach, die ihren Grund in mancherlei Differenzen bezüglich der Verwendung des Gabholzes, der Waldweide usw. hatten. Die Gemeinde Enkenbach hatte daher schon im Jahre 1773 die Teilung des gemeinschaftlichen. Waldbesitzes.

Vorgeschlagen, war aber damit bei der Hofkammer nicht durchgedrungen. Erst in der bayerischen Zeit, als sich die politischen Verhältnisse beruhigt hatten, führten die Teilungsbestrebungen zum Erfolg. Zunächst einigten sich im Jahre 1826 die Gemeinden Alsenborn, Enkenbach und Niederflörsheim grundsätzlich über die Teilung der gemeinschaftlichen Waldungen, Dieser Beschluß wurde sowohl von der königlichen Regierung des Rheinkreises als auch von der Großherzoglich hessischen Regierung (für Niederflörsheim) genehmigt. Zur Durchführung der Teilung, die zunächst mit dem Flörsheimerwald beginnen mußte, war eine Kommission gebildet worden, bestehend aus dem Forstmeister zu Hochspeyer Sebastian Mantel als Taxationskommissär, Gemeinderat Wilhelm Müller von Alsenborn und Gemeinderat Matthias Hubert von Enkenbach als Experten dieser Gemeinden, dann dem Großherzoglich Hessischen Forstverwalter Heim von Mainz als Taxationskommissär und Gemeinderat Phil. Jakob Geil von Niederflörsheim als Experte für diese Gemeinde. Der Revierförster Candidus zu Fischbach, zu dessen Dienstbezirk die Waldungen gehörten, und Forstamtsaktuar Gauly zu Hochspeyer fungierten als technische Assistenten.

Im Oktober 1827 hatte diese Kommission einen Teilungsvorschlag fertiggestellt, demzufolge der Flörsheimerwald in zwei gleichgroße Teile zu je 128,7388 ha zerlegt und durch einen geraden, mit sieben Steinen vermarkten Grenzzug, die heutige Nordgrenze des Gemeindewaldes Alsenborn, abgeteilt wurde. Die nördliche Hälfte wurde Niederflörsheim, die südliche Alsenborn-Enkenbach zugeteilt mit der Auflage, an Niederflörsheim die Hälfte des ermittelten Mehrwertes, nämlich 674 Gulden 14 Kr. an die Gemeinden Alsenborn-Enkenbach in drei Jahresterminen herauszuzahlen. Das ganze Teilungsgeschäft wurde nach Zustimmung der beteiligten Gemeinden am 18. Februar 1828 von Notar Will in Kaiserslautern beurkundet und von den zuständigen Regierungen genehmigt.

Der nunmehrige Gemeindewald Niederflörsheim wurde darauf dem hessischen Forstamt Alzey unterstellt. Der Zustand, daß damit eine hessische Forstverwaltungsenklave in der Pfalz geschaffen wurde, bestand 134 Jahre lang bis in die Gegenwart. Erst seit dem 1. April 1962 gehört der Niederflörsheimerwald im Zusammenhang mit einer die Forstämter Alzey, Mainz und Hingen betreffenden forstorganisatorischen Änderung zum Forstamt Ramsen.

Die südliche Hälfte des Flörsheimerwaldes war also nunmehr ausschließlich Alsenborn-Enkenbacher Gemeinschaftswald geworden und wurde mit dem übrigen gemeinschaftlichen Waldbesitz dieser Gemeinden vereinigt. Damit waren die Voraussetzungen auch für die Teilung dieses Waldes gegeben, und diese wurde nun ebenfalls in Angriff genommen. Sie war jedoch bedeutend schwieriger und zeitraubender als die des Flörsheimerwaldes, da für die Kapitalwertbestimmung der beiden Teile (Enkenbach und Alsenborn) je ein auf den nachhaltigen Ertrag gegründeter Wirtschaftsplan erforderlich war. Dieser Teilungs- und Wirtschaftsplan wurde von Forstmeister Mantel unter Assistenz von Revierförster Candidus und Forstamtsaktuar Ritter (ab 1834 Revierförster a. O. zu Stiftswald, Vater des nachmaligen Oberforstrats Karl Albrecht von Ritter) im Jahre 1831 fertiggestellt. Das unter dem 18. Juni 1831 gefertigte, von allen Beteiligten unterschriebene, umfangreiche Schlußprotokoll stellt eine generelle Beschreibung aller mit der damaligen Gemeindewaldwirtschaft zusammenhängenden Verhältnisse dar und ist von heimat- und forstgeschichtlichem Wert.

Alsenbom zählte damals (1831) 185 Familien mit 903, Enkenbach 204 Familien mit 1168 Einwohnern. Der Viehbestand betrug in Alsenborn 57 Pferde, 20 Ochsen, 405 Stück Rindvieh, 4 Ziegen und 255 Schweine, in Enkenbach 108 Pferde, 43 Ochsen, 457 Stück Rindvieh, 462 Schafe, 8 Ziegen und 393 Schweine. Die Erwerbsquelle der Bevölkerung war fast ausschließlich die Landwirtschaft. Der Streubedarf für diese war bei der Armut des Bodens ungeheuer. Die katastrophale Auswirkung der übermäßigen Streunutzung auf die Ertragsfähigkeit des Waldes, besonders aber auf die Buchen- und Eichenbestockung, wird in dem Schlußprotokoll klar herausgestellt; es heißt hier:

"Bey der Fortdauer der Ansprüche, welche die Landwirthschaft in dieser Beziehung bisher an die Waldungen gerichtet hat, muß nothwendigerweise endlich der Zeitpunkt eintreten, wo zwischen einer Beschränkung des Bedarfes oder der Verödung einzelner Waldtheile, besonders der Laubholzbestände, zu wählen sein wird. Die vorherrschenden Holzarten sind die Kiefer und die Rothbuche; mit Ausnahme eines kleinen Theiles im Hinterwalde kömmt die Eiche selten vor, und von minderm Belange ist ebenfalls die Beymischung der Birke, Aspe und Hainbuche. Die Kiefer nimmt den größten Theil der Fläche ein und scheint die Buche und Eiche an vielen Orten verdrängt zu haben. Die Laubhölzer werden ihr auch noch ferner weichen müssen, weil der Boden theilweise in einem solchen Grade erschöpft ist, daß die Buche nicht mehr fortkömmt, und dem Forstwirth keine andere Wahl als die Anzucht der Kiefer läßt, Diese Holzart erreicht noch ihre größte Vollkommenheit, während die Buche meistens sehr hinter ihren gewöhnlichen Wachsthumsverhältnissen zurückbleibt, an vielen Orten kaum die Hälfte ihrer sonst gewöhnlichen Stärke erreicht, und bey einem Alter von 60-80 Jahren schon gipfeldürr wird.

Die wichtigste Forstnebennutzung ist das Streuwerk, welches die Einwohner beyder Gemeinden aus ihren Gemeindewaldungen beziehen. Es ist bey dem dermaligen Betriebe der Landwirthschaft ein unentbehrliches Bedürfnis, welches aber in neuerer Zeit, wo man durch die besondere Thätigkeit im Ackerbau dem Boden den höchsten Ertrag abzugewinnen bemüht ist, sich so sehr vergrößert hat, daß, wie bereits oben bemerkt wurde, entweder eine andere Einrichtung getroffen werden muß oder die Forstwirthschaft nicht mehr neben der Landwirthschaft bestehen kann. Außer dem Streuwerk bildet die Weide eine nicht unwichtige Nebennutzung. Sie wird durch die Heerden der beyden Gemeinden in den dazu offenen Distrikten genützt ..."

Bezüglich des Bestockungszustandes wird festgestellt, daß dieser sowohl in den haubaren als auch in den mittelalten Altersklassen meist recht unvollkommen sei. Als wesentlichste Ursachen hierfür werden angeführt:

"1. Die planlose Benützung in früherer Zeit, welche in den haubaren Beständen nur Produkte der Plänterwirthschaft überliefert hat.

2. Die Geldbedürfnisse der Gemeinden, welche seit der schlagmäßigen Bewirtschaftung des Waldes es nothwendig machten, daß der Ertrag fast ausschließlich für Rechnung der Gemeindekassen verwertetet werden mußte, daher eine Befriedigung des Holzbedarfes der Einwohner auf ordentlichem Wege durch die jährliche Vertheilung von Gabhölzern nicht zuließen.

3. Die dadurch notwendigerweise herbeygeführte willkürliche Beholzung der Einwohner im Weege des Frevels.

4. Die Sorglosigkeit in der Kultur und Pflege der geführten neuen Schläge.

5. Der gemeinschaftliche Besitz des Waldes und das daraus hervorgehende Streben des einzelnen Einwohners, in den Genüssen, welche sich darbothen gegen die übrigen nicht zurückzubleiben, endlich.

6. Ein seit 40 und längeren Jahren andauernder beyspiellos nachlässiger Forstschutz.

Das Zusammenwirken dieser Verhältnisse ließ an dem gemeinschaftlichen Guthe so lange entnehmen, bis in den älteren Beständen nur noch Trümmer des frühern Holzbestandes zu finden waren, welche der Gegenwart zur Benützung zustehen; und durch die frühere Vernachlässigung der Kultur und Pflege der Gehaue werden auch den künftigen Generationen nur höchst unvollkommene Bestände überliefert. In neuerer Zeit war man eifrig bemüht, den Übeln, welche zum Theil in förmliche Devastationen ausgeartet waren, durch bessere Einrichtung des Forstschutzes, durch eine sorgsame Bewirthschaftung und die mögliche Ausführung von Kulturen und Verbesserungen zu steuern. Doch der beabsichtigte Zweck ist bis jetzt nur theilweis erreicht worden, vieles bleibt zu thun, ist nur durch beharrliches einträchtiges Wirken von Seiten der Forst- und Gemeindeverwaltung und nur nach Auflösung des bisherigen gemeinschaftlichen Besitzes möglich ..."

Der Forstschutz wurde in jener Zeit durch 3 von den Gemeinden gewählte und besoldete Waldhüter, die dem Revierförster unter stellt waren, ausgeübt.

"Dieses Personal ist zur gehörigen Bewachung vollkommen hinreichend, allein dasselbe vermag nicht, die häufigen Frevel abzuhalten, die immer auch bey der strengsten Forstpolizey vorfallen werden, solange die Ursache des Frevels selbst nicht gehoben wird. Die häufigsten und verderblichsten sind die Brandholzfrevel und ihre Ursache oder Veranlassung ist wirkliche Noth bey der dürftigeren Klasse der Einwohner, welcher nur dadurch gesteuert werden kann, daß, wie oben bereits bemerkt wurde, den Gabholzverteilungen die größtmöglichste Ausdehnung gegeben wird. Im Jahre 1829/30 wurden in den Waldungen beyder Gemeinden konstatiert:

334 Frevel von grün stehendem Holze,

9 desgleichen an dürrem oder anbrüchigem Holze, 37 Grasfrevel, 36 Streuwerksfrevel,

5 Frevel durch 'sonstige polizeyliche Übertretung Sa. 421,

Im vorhergehenden Jahre betrug die Zahl nur 248, und im abgelaufenen Winter von 1830/31 betrug sie mehrere Monate etwa soviel und noch mehr als in sämtlichen Staatswaldungen von ca. 26 000 Morgen. Man erkennt daher leicht, daß die Frevel täglich und zwar in einem Besorgnis erregenden Verhältnisse zunahmen. Gegen die obigen 421 Frevler wurden durch das Forstgericht zu Kaiserslautern ausgesprochen

915 fl. 33 1/2 Kr. Geldstrafe,

106 fl 49 Kr. Werthersatz und

1440 Tage Gefängnißstrafe.

Möge die Gemeindeverwaltung diese Verhältnisse beherzigen und ihrerseits einmal den ihr so lange schon bezeichneten Weeg einschlagen, um ihre dürftige Mitbürger aus der Nothwendigkeit herauszuziehen, ferner in solche Strafen verfallen zu müssen." Dieser Appell ist nicht unbeachtet geblieben. Wie aus der Generellen Beschreibung des Forsteinrichtungswerks von 1865 hervorgeht, sind die beiden Gemeinden dem Ratschlag Mantels gefolgt und haben damit die geschilderten Verhältnisse wesentlich gebessert. Die Jagd war am 14. August 1828 in 3 Abteilungen auf 6 Jahre um einen jährlichen Pachtzins von 52 fl 30 Kr. verpachtet worden. Der Wildstand war 1831 "gering und besteht in einigen Rehen, Haasen, Füchsen und wenigen Hasselhühnern".

Der Teilungsplan wurde mit Entschluß der Regierung vom 12, Oktober 1832 genehmigt und vom gleichen Tage an in Wirkung gesetzt. Die beiden Waldhälften hatten je einen Umfang von 1822,756 Tagwerk oder 621,0625 ha mit einem Wert des Alsenborner Teils von 80 343 Gulden 11 Kr., des Enkenbacher Teils von 86489 Gulden 23 Kr. Die Hälfte des Mehrwertes hatte Enkenbach an Alsenborn in 5 Terminen an Martini der Jahre 1833 bis 1837 herauszuzahlen. Das ganze Teilungsgeschäft, 1826 begonnen, 1832 beendet, hatte also volle sechs Jahre beansprucht.

In der Folge fehlte es, wenigstens in Alsenborn, nicht an Stimmen, die die vorgenommene Teilung mißbilligten und im Jahre 1834 sogar den Recurs an den Staatsrat verlangten. Es ist allerdings nicht hierzu gekommen, nachdem eine vom Bürgermeister von Alsenborn eingeholte Erkundigung beim Gerichtspräsidenten Anton Koller von Kaiserslautern über die Zulässigkeit und die Aussichten eines solchen Schrittes negativ ausgefallen war.

Von der Teilung nicht erfaßt war der im gemeinschaftlichen Besitz der beiden Gemeinden stehende ehemalige herrschaftlich-nassauische Wiesendistrikt - zu Velmanns Zeiten Fischwoog - Billesweiher im Flörsheimerwald mit einem Flächenumfang von rd. 4 ha. Dieser Wiesenkomplex, der nach der Teilung von 1832 vollkommen im Gemeindewald Alsenborn lag, ging erst im Jahre 1841 durch Abtretung des Enkenbacher Miteigentumsanteils an Alsenborn in dessen Alleineigentum über. Enkenbach erhielt dafür verschiedene Viehtriftrechte durch den Alsenbornerwald und die Gutschrift eines früheren Schuldbetrages. Der Billesweiher wurde später wieder gespannt und fischereiwirtschaftschaftlich genutzt. Durch den Bau des Stempelbergtunnels der Eistalbahn in den 1920er Jahren hat er seinen natürlichen Quellenwasserzulauf verloren und liegt seitdem in längeren Trockenperioden leer,

Die Behebung dieses Mißstandes ist ein noch ungelöstes Problem. Der alte Waldsee, der der etwas düsteren Umgebung des Nadelwaldes Frische und Leben verleiht, ist vor einigen Jahren unter Landschaftsschutz gestellt worden.

Mit dem allgemeinen Aufschwung des Wirtschaftslebens im 19. Jahrhundert kam auch die Gewinnung guter Bausteine in den großen Sandsteinbrüchen im Alsenborner- und Enkenbacherwald in Blüte und gab vielen Steinbrechern und -hauern Arbeit und Brot. Seit der Jahrhundertwende geht jedoch die Verwendung des roten Sandsteins als Baumaterial ständig zurück, und der gegenwärtige Steinbruchbetrieb steht in keinem Vergleich zu jenem etwa der Jahre 1870 bis 1890. Für den Wald selbst ist allerdings die Anlage der großen Brüche mit dem damit verbundenen Wasserentzug nur von Nachteil gewesen; in ihrer Umgebung ist der Baumwuchs zu Krüppelbonitäten herabgesunken. Seit der Teilung im Jahre 1832 haben sich die Gemeindewaldungen von Alsenborn und Enkenbach stetig durch Aufforstung der Heiden und geringwertigen Ackerlandes sowie durch Ankauf passend gelegener Privatwaldungen auf ihren heutigen Umfang vergrößert. Alsenborn hat auf diese Weise 98 ha, Enkenbach 91 ha Waldzuwachs erhalten. Die alte Waldgrenze von 1832 verläuft auf der den beiden Dörfern zugekehrten Seite nunmehr vielfach innerhalb des Gemeindewaldes. Diesseits dieser Grenze liegen im Alsenbornerwald die neuen Distrikte oder Abteilungen Eckelsberg, Dorbensberg, Hirtenkiefer (teilweise), Dündell, Jörgskiefern, Heide, Grundbirnberg, Fasselwiese und Kinderlehre; im Gemeindewald Enkenbach; Ochsental, Hohe Birken, Zollstock, Eckersberg und Distrikt VIII Heide.

Andererseits haben beide Gemeinde Waldungen den Verkehrsverhältnissen der Neuzeit große Flächenopfer bringen müssen. Durch den Bau der im Jahre 1932 eröffneten Eistalbahn hat Enkenbach 3,4 ha, Alsenborn 8,4 ha und durch den Bau der Autobahn, die annähernd parallel der uralten Hochstraße beide Gemeindewaldungen in einer Länge von 7,7 km durchzieht, 15,9 bzw. 18,4 ha Waldboden verloren. Kleinere Waldteile sind in den letzten Jahren auch für Siedlungszwecke in Anspruch genommen worden, so im Alsenbornerwald in Abteilung Diemersteinerberg, im Enkenbacherwald im Distrikt Heide (Pulverhäuschen). Seit der Beschreibung der hinsichtlich der Gemeindewaldwirtschaft im Jahre 1832 bestehenden Verhältnisse durch Forstmeister Mantel hat sich eine tiefgehende Veränderung in der gesamten Wirtschaftsstruktur der beiden Dörfer vollzogen. Durch die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse durch den Eisenbahnbau und die Entwicklung des Kraftfahrwesens ist es einem großen Teil der Bevölkerung möglich geworden, in der Industrie und in dem Gewerbe von Kaiserslautern Arbeit und Brot zu finden. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind industrielle Unternehmen verschiedener Art auch in Enkenbach-Alsenborn selbst gegründet worden. Die Landwirtschaft hat dadurch ihre Bedeutung als früher nahezu alleinige Erwerbsmöglichkeit verloren. Die geringwertigen Ländereien sind seither vielfach wieder dem Walde zugefallen, auf den besseren haben sich bei fortschrittlicher Bewirtschaftung die Erträge an Grünfutter, Stroh usw. so gehoben, daß die ganzjährige Stallfütterung ermöglicht und die Streunutzung und Waldweide allmählich aufgegeben werden konnten. Durch die Steinkohlen- und Brikettfeuerung, den im Jahre 1952 erfolgten Anschluß der beiden Gemeinden an die Ferngasleitung und durch die Verwendung von Heizöl und elektrischen Heizgeräten ist der Brennholzbedarf auf einen Bruchteil seines früheren Umfangs zurückgegangen. So kommt es, daß trotz des gewaltigen Anwachsens der Bevölkerung - Enkenbach zählt heute 4 008, Alsenborn 2 342 Einwohner - der schwere Druck, der zu Mantels Zeiten auf den Gemeindewaldungen lastete, von diesen genommen ist. Die Brennholznot der Nachkriegsjahre ist nur ein vorübergehender und zeitbedingter Umstand gewesen. Seit dem Jahre 1885, in dem die bayerische Forstverwaltung zum sog. Oberförstersystem überging, bildeten die Gemeindewaldungen von Alsenborn und Enkenbach bis zum 30. September 1961 einen Teil des Forstamtsbezirks Kaiserslautern-Ost. Unter der Leitung und technischen Betriebsführung seiner Vorstände, von denen hier die älteren - Jaeckel, Hoepffner, Spies und Steckh - genannt sein mögen, hat sich der Zustand beider Waldungen in zäher Verfolgung der Wirtschaftsziele wieder stetig gehoben und sind auch die Erträge, wie aus den mehrfachen Betriebsregelungen seit 1832 hervorgeht, trotz der geschwächten Bodenkraft ständig angestiegen. Der Umtrieb der Waldungen wurde bei der vorletzten Forsteinrichtung im Jahre 1950 auf 120 Jahre erhöht und damit dem allgemein üblichen Umtrieb im Pfalzerwald angeglichen.

In Auswirkung des .Landesfortsgesetzes von Rheinland-Pfalz vom 16, 11. 1950, das den Grundsatz der in den ehemals kurpfälzischen Teilen des Landes seit nunmehr 300 Jahren bestehenden "Beförsterung" auf das ganze Land ausgedehnt hat, wurden die beiden Gemeindewaldungen von der Höheren Forstbehörde zu je einem Revierförsterbezirk erklärt und werden dementsprechend seither von gemeindlichen, fachlich vorgebildeten Forstbetriebsbeamten betreut. Sie unterstehen in betriebstechnischer Beziehung dem zuständigen staatlichen Forstamt.

Im Zuge einer die Forstämter Kaiserslautern-Ost, Hochspeyer und Waldleiningen betreffenden Organisationsänderung sind die beiden Gemeindewaldungen Alsenborn und Enkenbach am 1. Oklober 1961 aus dem Forstamtsbereich Kaiserslautern-Ost ausgeschieden und dem Forstamt Hochspeyer zugeteilt worden. Damit hat sich in gewissem Sinne der Kreis in der Betreuung dieses großen historischen Waldbezirks wieder geschlossen.

Von Wilhelm Albert, veröffentlicht im Jahrbuch 1970/71 zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern

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