Der Sickingen'sche Hof zu Neukirchen

Der Sickingen'sche Hof zu Neukirchen wurde erstmals 1285 unter dem Namen "Bilensteiner Lehen" urkundlich erwähnt, als Merbod von Bilenstein dieses Gut vom Kloster Otterberg im Tausch gegen Güter zu Metzelschwanden (heute Messerschwanderhof) erwarb und an den mit ihm verwandten Merbod von Breidenborn zu Lehen gab. Dieser bewirtschaftete das Gut nicht selbst, sondern gab es in Temporal- oder Erbbestand. Aus alter Zeit ist uns nur ein Name überliefert, ein Henne Oleyer, der nach dem Vertrag vom 22. Februar 1394 jährlich 10 Malter Korn entrichten, ein Gaufahrt durchführen und außerdem an dem Hof jedes Jahr 20 Pfund Heller verbauen sollte.

Nach dem Tode des letzten Breidenborners 1479, um dem Erlöschen der Beilsteiner Linie gelangte das Gut im Erbgang an die Herren von Flersheim, die es 1548 um 14 Malter Korn in Pacht gaben. Etwa 50 Jahre später werden die Flersheimer nochmals als Besitzer des Lehens genannt.

Hierüber enthält das Lagerbuch des Oberamts Lautern folgenden Eintrag: "Weilandt Hanß Bechtolfs von Flersheim hiterlassene Söhne Hanß Philipp und Augustin haben zwei Höf zu Neukirchen, deren einer an Georg Rinck um 8 Malter, Korn, der andere an Simon Fay und Hannß Dürr um 10 Malter, halb Korn, halb Hafer, erblich verliehen ist, welche Höf der Kurpfalz mit - Frohn und anderen Dienstbarkeiten gleich anderen Untertanen im Nieder- oder Schwandergericht unterworfen sind, allein, daß sie vermöge Weistum diejenige Frohn, die von den Untertanen so im Niedergericht oder Schwandergericht sitzen, dem Kloster Otterberg zu leisten schuldig, gefreyet sind".

Als die Flersheimer 1655 im Mannesstamme ausstarben, kam das Gut im Erbgang an Eberhard von Sickingen-Schallodenbach. Daran erinnern die Namen Sickingen'scher Hof und Sickinger Wiesen.

Während des 30jährigen Krieges gingen die beiden Höfe mit dem Dorf Neukirchen unter. Erst ab 1717 ist uns wieder ein Beständer bekannt, der aus einer Otterberger Wallonenfamilie stammende Abraham Rosset. Allem Anschein nach war sein Vorgänger auf dem Hof Jean Cherdron, dessen Familie aus Lyon im Rhonetal um 1577 nach Otterberg eingewandert war. Nach Cherdrons Tod heiratete Rosset am 01. November 1685 dessen Witwe Susanna Censier und wurde damit Erbbeständer auf dem Sickingischen Hof. Das Bellenborner Hofgut erscheint in den Akten nicht mehr, auch konnte seine ehemalige Lage nicht eindeutig festgestellt werden. Vermutlich ist es bei dem heutigen Anwesen von Philipp Ruby in der Wiesenstraße zu suchen. In den Erbbestandsbriefen von 1717 und 1725 werden die beiden Hofgüter letztmals genannt.

Abraham Rosset starb am 26. April 1748 im betagten Alter von 88 Jahren. Sein Schwiegersohn Peter Schäfer, der sein Erbe werden sollte, war jedoch schon vor ihm gestorben, so dass dessen Sohn zusammen mit dem nicht näher bekannten Jakob Schneider die beiden Höfe übernahm. 1765 verschwanden beide, aus welchen Gründen ist nicht bekannt, und Friedrich Ruby, bisher Temporalbeständer auf dem Klostergut zu Fischbach, erhielt am 12. Dezember 1765 einen Erbbestandsbrief für die Sickingen'schen Güter zu Neukirchen. Er hatte als Erbpacht jährlich je 20 Malter Korn und Hafter an das Sickingische Rentamt Landstuhl zu liefern, sowie an Freizins 2 Albus und 6 Pfennig an das Kloster Enkenbach zu zahlen. Friedrich Ruby ist einer der Söhne des aus Opplingen in der Schweiz eingewanderten Benedict Rubi.

Auch nach der Nationalgüterversteigerung in Mainz zwischen 1803 und 1810 verblieb das Gut im Besitz der Familie Ruby. Theobald Ruby, der Sohn Friedrichs, baute 1801 das Hofhaus und die Wirtschaftsgebäude neu auf, so wie sie heute noch stehen.

Aus: "Neukirchen - Mehlingen - Baalborn, Geschichte der Dörfer auf dem Kreis" von Arnold Ruby

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