Die Flurnamen von Baalborn

In der Gewanne "Altfeld" vermutet man die älteste Rodungsstelle des Dorfes. Unklar ist die Deutung der "Attigäcker". Ursache soll ein dort häufig vorkommendes Unkraut sein. Woher die "Blauläcker" ihren Namen haben, mag ein Sprachforscher deuten. Am "Bornberg" entspringt jene Quelle, die das Dorf seit alter Zeit mit gutem Trinkwasser versorgt. Nahe dabei ist auch gleich die "Bornwiese". Natürlich hatte Baalborn auch eine "Brechkaut" und gleich beim Dorf die "Linnenwiesen", wo das fertige Leinen gebleicht wurde. Dass das Flurstück "Am Arm" eine langgestreckte Gewanne ist, sagt schon der Namen. Auch das "Bannstück" erklärt sich leicht, da es sicher bei den das Dorf umgebenden "Bannzäunen" lag. "Am Baumgarten", "In der Eichen" und "In den Birken" weisen auf früheren Waldbestand hin. Die "Diebsdelle" und den "Butterhafen" hat Baalborn mit Mehlingen gemeinsam. Zu einer Viehzucht treibenden Gemeinde gehörte sicherlich auch ein "Eberacker" und ein "Farrenacker" als Entgelt für die Haltung der Zuchttiere. Im "Kuhpferch" verbrachten die Weidetiere die Mittagsruhe, dort ruhten sie "unter Mittag" nahe beim Wald, der danach "Kühunner" heißt. Der "Glashütter Pfad" ist eine Wegebezeichnung. Glashütte heißt der benachbarte Drehenthaler Hof, wo vor längerer Zeit Glas hergestellt wurde. Die "Holzwiesen" liegen im Wald, auch die "Haardtwiesen", wobei man Haardt als Hart, d. i. Wald deuten muss. Anders liegen die Dinger bei der "Hertwieß", eine ehemalige "Hürdenwiese", ein mit Hürden eingezäunter Sammelplatz für die Schafherde. 1600 wird eine "Wiese am Haaderwoog" genannt. Ob wegen seines Besitzes einmal gehadert, d. h. gestritten wurde, läßt sich ohne ältere Belege nicht beweisen. Einfacher sind die nächsten beiden Namen. "Heide", eine mit viel Heidekraut bewachsene Fläche, die ursprünglich weder Wald noch Ackerfeld war. Anders verhält es sich mit dem "Heidenhübel", der aber im Volksmund nicht "Hädhewel", sondern "Härehewel" heißt sich damit als vorgeschichtliche Grab- oder Kultstätte ausweist. Der "Kiesbuckel" ist ein Hügel mit kieshaltigem Untergrund und "Am Kreuz" soll 1732 ein Wetterkreuz aus Holz die Flur vor allerlei Bösem beschützt haben. Am "Kirchweg" heißt eine Gewanne und gleichzeitig ein Weg, der nach Rohrbach zur Kirche führte. Baalborn hatte zwar nie eine Kirche, aber einen Kirchgarten, auch ein Kirchenwöglein, die beide der Kirche Rohrbach gehörten.

Die 1723 genannten "Krummäcker", "Kurz-", "Lang-" und "Mittelgewanne" sprechen für sich selbst. Ob das nahe beim Dorf liegende "Katerloch" etwas mit den Katzen zu tun hatte, müßte bewiesen werden. "Im Loch" heißt eine weitere steile Vertiefung im Gelände.

Die "Lüßwiesen" tragen ihren Namen vielleicht vom "Ließ" = wasserdurchlässige Gesteinsspalten, wie solche im Steinbruch und am Fuße des Bornberges häufig sind.

"Am Mooracker" war es einst sumpfig, das Gelände ist aber längst entwässert, der Name ist geblieben. Das "Längstlereck" ist ein Ausläufer des Längstel, der sich in den Wald hineinschiebt. Man spricht vom 1., 2. und 3. Längstel, ein langes Tal, das sich gegen Rohrbach hinzieht. Obwohl in Baalborn keine Mühle war, gibt es den "Mühlrech", ein Abhang am "Mühlwoog", der heute längst verschwunden ist und zur Mühle Rohrbach gehörte. Ein Seitenarm des Mühlwoogs hieß "Mehlwoog". Beide gehörten zum Rohrbacher Kirchengut, das 1600 der Schultheiß zu Baalborn in Erbbestand hatte. Die Gewanne "Münchkopf" beim Berg gleichen Namens, auch "Mönchkopf" genannt, gehörte dem Kloster Otterberg. Baalborn hatte, wie Neukirchen auch eine Gewanne, "Platte" genannt. Der "Rothe Hübel" oder "Rotbuckel" weist roten, sandigen Lehmboden auf. 1739 wird der "Sandacker" genannt, gleich hinterm Dorf. Der Pfuhlacker hat aber nichts mit Pfuhl, d.i. Jauche, zu tun, sondern bezieht sich auf seinen sumpfigen Untergrund. Der "Neubruch" ist ein in jüngerer Zeit erst gerodetes Feld. Was es mit den "Tausendmorgen" auf sich hat, ist noch nicht erwiesen. Dagegen ist die "Stockwiese" ehemaliger Wald und die Baumstümpfe standen noch lange darin. Zu erwähnen sind noch die "Weiherwiese" und die "Weiherdell", oberhalb der Bornwiese, sowie das "Wieschen", das aber gar keine Wiese mehr ist, sondern als Acker genutzt wird.

Aus: "Neukirchen - Mehlingen - Baalborn, Geschichte der Dörfer auf dem Kreis" von Arnold Ruby

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