Die Flurnamen von Mehlingen

Eine Reihe von Rätseln geben die Mehlinger Flurnamen auf, insbesondere der "Abtstein" in der Nähe der Kaiserstraße, dessen sich, in Unkenntnis seiner wahren Geschichte, die Sage liebevoll angenommen hat. Dort finden wir auch die "Batzenhäuser", die vermutlich an die Lehmbatzen erinnern, die dort zu Ziegelsteinen geformt wurden. Ein im Landesarchiv zu Speyer verwahrter Erbbestandsbrief vom Jahre 1612 gibt weitere Namen preis: "Am Almenwoog", das "Gemeine Allmendt", ein der Allgemeinheit gehöriges Land, die "Bürckwieß" und den "Borngarten", in und unter den "Birken". Im "Butterhafen" rechts und links der Kaiserstraße, bis ins Baalborner Feld hinein, gibts nicht viel zu erklären, der Name sagt alles.

Pfarrer Stock nennt eine Reihe von Wiesennamen, an der Kaiserstraße angefangen die Woogwiese mit dem Grasweiher, wo sich heute das neue Schwimmbad befindet, dann die Schafwiese, Langwiese, Kinkelwiese, Viehtrift und Pfuhlwiese. Rechts der Kaiserstraße, westlich von den Batzenhäusern, die krummen Äcker, "Platte", den "Gehren", den "Hohen Rech" und die "Diebsdell", wobei es dort gewiß nichts zu stehlen gab. In den "Brühlwiesen" und "Naßwiesen" gab es nasse Füße, wie der Name sagt. Im "Bettelthal" beim "Hahn" war auch nicht viel zu holen, "Obig dem Hahnborn", wo der "Lißweg" durchgeht, selbst "auf dem Hahn" und "Am Hahnenkopf" wird man kein Kikeriki gehört haben, denn ursprünglich hieß diese Gegend "Großer Hagen" und das bedeutet Wald. 1612 lesen wir auch "Obig der Hald" und "An der Halden", also ein steiler Hang, abschüssiges Gelände. Auch Mehlingen hatte seine Hirtenwiese, seine "Leimenkaut", sogar einen "Pfuhlacker", eine "Huhescheiß" und ein "Stinkenthal". Dazu gehört auch die "Schindkaut", von der 1801 berichtet wird. Im "Hanfgarten" und in den "Hanfstickern" wurde noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Hanf angebaut und im Hause Zercher Bauernleinen gewebt.

Aus den 1612 genannten "Hermanns Birken" entstand später vermutlich "Am Hermesberg" und an der "Hermesbürck".

Die "Drei Hübel" bergen aus vorgeschichtlicher Zeit noch manches Geheimnis. 1612 hieß es "An den drei Hebbeln", der Volksmund spricht von den "drei Hewwel". Wo der "Irmgarten" war, ist nicht mehr erfindlich. Ob es dort wohl viele Bienen gab? In früherer Zeit ging durch die Ackerflur der "Kirchweg", ein alter Weg nach Rohrbach zur Kirche. Gleich beim alten Friedhof ist die "Kniescheibe". Daran schließt sich der "Lerchenberg" an, die "Steinau" und die "Kinkelsheck" mit dem "Unteren und Oberen Kinkel", Namen, die ohne ältere Formen kaum zu deuten sind.

Gegen Sembach zu sind die "Äcker im Loch", etwas tiefer gelegenes Land. Wo sich heute der Flugplatz ausdehnt, an erhöhter Stelle, stand der "Galgen", eine Erinnerung an die Herren von Wartenberg. Neukirchen und Baalborn hatten keinen, jedenfalls wurde er nie genannt. Äcker mit 3, 4, 5, 8 und sogar "20 Morgen" gab es früher, heutzutage erst wieder nach der Flurbereinigung. Wohl dem, der dort Feld hatte, es ist nämlich guter, lößhaltiger boden. Das "Reichhartstal" hat seinen Namen vermutlich von einem früheren Besitzer, dagegen im 1612 genannten "Rohling", später "Rölling" und "Rehling" ist eine Deutung schwer. Im heutigen Flurnamenverzeichnis von Mehlingen erscheint nicht mehr die Gewanne "Schafunter". Dort hielt der Schäfer mit seiner Herde unter Mittag Rast, meist ein schattiger Platz, wo es auch eine Tränke gab, desgleichen für das Rindvieh und die Schweine. Die "Seiläcker", nahe beim Dorf, erinnern vielleicht an den Seiler der früheren Jahre. "Im Kurzen Schämel" waren, wie die Flurkarte zeigt, die Äcker kurz. Wem einmal die "Schuhmacheräcker" bei Niedermehlingen gehörten, vermag auch das alte Kirchenbuch nicht zu sagen. Auch über den "Sussenacker" kann nichts gesagt werden, weil frühere Schreibformen fehlen, ebenso die 1612 genannten "Stadtling" und "Steckenwieß". Eine "Zinnwieß" und einen "Zinngarten" gab es zwischen Otterberger und Baalborner Weg. Ein Familienname Zinn war schon im 17. Jahrhundert in der Gegend vorhanden.

Aus: "Neukirchen - Mehlingen - Baalborn, Geschichte der Dörfer auf dem Kreis" von Arnold Ruby

[zurück zu Historie]