Die Flurnamen von Neukirchen

Wie wichtig für die Forschung ältere Belege sind, beweist der Gewannenname "In der Alpe", im Volksmund "Allweh", ein Acker- und Waldgebiet an der Gemarkungsgrenze gegen Enkenbach. Mit den Alpen hat das vollkommen ebene Gelände gewiss nichts zu tun. Eine alte Grenzbeschreibung erwähnt 1488: "Am Ahlen Woog" und "Am Ahlenwoogsdamm". 1600 heißt es: "bey den Ahlwögen", 1732 "gegen die Ahlwööge zu." Um 1600 waren noch drei alte Wöge dort. Sicherlich waren es Fischweiher, deren Quellen allmählich versiegten. Heute geht der Pflug darüber hinweg und nichts erinnert mehr an die ehemaligen alten Wöge. Aber noch heute brechen in nassen Jahren die Jperde dort ein, wo sich ehedem muntere Fischlein tummelten.

Die anschließende Gewanne heißt "In den Aspen", 1600 und 1732 als "gemeines Allmend" gegen die "Ahlwöge zu" bezeichnet. Beim Fröhnerhof ist der "Aspenkopf", wo ebenfalls Aspen wuchsen.

"An der alten Straße" heißt eine Gewanne beim Fröhnerhof, die durch das "Alte Amseltal" und gegen Eselsfürth zu führt. Sie ist Teil jenes uralten Verkehrsweges Kaiserslautern - Enkenbach - Worms, der bei der Eselsfürth abzweigt, das alte Amseltal hochsteigt zum Fröhnerhof und weiter über Sembach hinweg in Richtung Alzey - Mainz zieht. Beim Bau der Kaiserstraße wurde die Streckenführung einige hundert Meter nach Osten durch das "neue Amseltal" verlegt. 1732 nennt ein Akt wieder einen alten Weiher, den "Birckwoog", 1600 "An der langen Bürck" und "hintere Bürck auff dem Wasserthal", später "An der langen Birke", 1488: "ahn Beltzenberg", heute Belsenberg.

1654: "Am Brandterweeg", 1739 "Am Brand". Durch Niederbrennen entstandene Lichtung, teilweise Ackerland, später wieder aufgeforstet.

1761 "An der Brechkaut". Brechkauten gab es mehrere im Dorf, auch Brechloch genannt, dort wurde der Hanf überm Feuer geröstet und gedörrt.

1560 "In den Breidtwießen", etwas breitere Wiesen, im Gegensatz zu den danebenliegenden "Schmalen Strömen".

"In den Bruchwiesen" bei der "Schafbrücke" und "Im Bruch", ehemals sumpfiges Wiesengelände, das durch den erweiterten "Maigraben" entwässert wird, in Baalborn 1740 "Die Bruchwieß".

"Ober den 3 Brunnen", Äcker oberhalb der drei Quellen im Wassertal, auch Wäschbach für Fröhnerhof und teilweise Neukirchen. Beim Niedermehlingerhof sind die Brunnenwiesen, deren Quelle früher die Hofbewohner mit Wasser versorgte.

1732 "Am Daubenbornerpfad", zweigt an der Fischbacher Straße ab, zieht den Egersberg hinunter, am Eggerskopf vorbei zur Straßen nach Daubenborn.

1667 "In der Dellen", 1732 "Im Dölgen", heute "Im Dellchen", flache Geländevertiefung, "Im Thälchen auf der Platt gegen den Brand zu".

1560 "In der Dörrwiß", 1732 "In den Dürrwießen", "In den Dreißigmorgen", ehemals großes Stück Ackerland, das zum einstigen Breidenborner Lehen, später Sickingen'schen Hof gehörte.

"Auf der Driesch", mhd. driesch = unbebautes Land, Ödland.

1732 "Am Eckerswoog", im "Eckersthal" und am "Eckersborn", 1406 und 1483 "Ockersborn" und "Ockerswoog", ehemaliger Fischweiher, von den Herren von Breidenborn angelegt, später Eigentum des Stifts Lautern, das ihn der Gemeinde Neukirchen als Viehtränke verpachtete und schließlich verkaufte. 1600 "Egersberg, Egerstal und Egerswoog". Aus dem Ockersborn entspringt der Eselsbach, der im Oberlauf Sisselbach, d. i. leise säuselnder Bach, hieß.

1732 "Im Falter", zwischen Königstraße, Enkenbacherweg und Hinterflur. Beginn am Dorfausgang, wo einst der Bannzaun endete. Dort war, wie E. Christmann mein, ein Tor angebracht. Solche Tore waren etwas schräg angeschlagen, so dass sie sich beim Öffnen mit dem äußeren Ende etwas anhoben und daher beim Loslassen von selber zufielen. Daher der Name "Falltor" und wie der Volksmund sagt "Falter".

1560 "Am Fröhnerpfad", noch 1682 und 1732, auch heute noch Kirchpfad.

1600 "Am Farrenacker", 1732 "Farnäcker", 12 Tagwerk an einem Stück, das dem jeweiligen Faselhalter zur unentgeltlichen Nutzung überlassen war.

1600 "Am Fronacker", Bezeichnung für fronpflichtiges Feld in herrschaftlichem Besitz rechts und links der Königstraße. Bis um 1930 stand dort ein einzelner Holzapfelbaum.

1600 "In der Gylsweyde", 1732 "Auf der Geylsweydt", 1839 "Auf der Gaulsweide", zwischen Fröhnerhof und der Straße nach Lautern, "bgey den Heidenhügel", "im gemeinen Allmend", heute Teil des militärischen Übungsplatzes Fröhnerhof.

1488 "bey der Hanbuch" = Hainbuche.

1600 "Hasenwoog", 1772 "Hasenwöglein" 1 1/2 Morgen, später Hasenweiher, als Viehtränke genutzt.

1488 "Hasensteul", 1732 "Hasenwieß", obseits der Hasenweiher, ein Gelände, das zum Schutz der Hasen besonders abgesteckt war, heute Wiesen und teilweise Ödland mit Karnickelbauten.

1560 "Hinterflur", stoßt unten auf die "Hinterstraße" beim "Ritterbaum". 1488 "Uff die Hinterstraßen", Gewannenweg zwischen Hinterflur und Frohnacker, der am Fischbacher weg abzweigt und gegen Enkenbach zieht.

1682 "Uff der Habuchen", später "An der Hainbuche".

Das "Hoffeld", amtlich "Frohnacker", gehörte zu einem der schon genannten herrschaftlichen Höfe.

1732 "Beym Holtzapfelbaum", stoßt auf die Branderstraß, oben auf die Kurz- und Langgewanne. Name von einem wilden Apfelbaum herrührend.

1600 "Hinter der Kirche", d. i. hinter dem alten Friedhof, auf dem einst die Kirche stand.

1732 "Kalkofen beim Fröhnerhof", Kalköfen gab es mehrere auf dem "Kreis". Darin wurde der rohe Kalkstein gebrannt. Kalk diente in erster Linie als Mörtel zu Bauzwecken, allmählich auch als Düngemittel.

"Am Kreuz", Steinkreuz am Ortsausgang nach Enkenbach. Die Judenäcker beim Fröhnerhof, 1606 "Laimenkaut" und "Reckacker", Lehmgrube bis um 1900, 1612 auch eine "Leimenkaut" in Mehlingen, wie auch in Baalborn.

"Am Maigraben", aus dem der Storch die kleinen Kinder holt und in die Häuser bringt. In der Nähe war früher eine Quelle, dort auch die "Wäschbach". Das Wasser floß im Maigraben ab, heißt später Neukircher Bach, die in die Schwarzweihern mündet. 1600 "Wiese an der Wasch", auch "Im Bruuch" genannt, oder Bruchwiesen, das sind ziemlich feute Wiesen, wo in den Gräben immer das Wasser steht.

1732 "Am Mühlweg", d. i. der Weg am alten Friedhof vorbei, durch das Wassertal zur Reicholdsmühle, geht zwischen Kurz- und Langgewanne hindurch.

Ein anderer, der "Mühlweg gegen den Haaßenwoog" 1732, führt in die entgegengesetzte Richtung, zu den Enkenbacher Mühlen. 1600 "In der Nauwieß" oder "Im Bruch", auch Bruchwiesen genannt, grenzt an die "Ochsenweydt" oder "Viehtrift", Am Mehlinger Weg. Die Nauwiesen oder Neuwiesen sind sehr feucht, durch sie zieht der Maigraben, heute Wasserschutzgebiet, weil in unmittelbarer Nähe das Neukircher Wasserhaus steht.

1406 "Born, den man nennt den Ockersborn", entstanden aus dem Rufnamen Otger oder Otgert.

1732 "Pfarrfeld" und Pfarrdelle", hinter dem alten Friedhof, Feld, das dem Pfarrer gehörte, wie auch das am "Pfaffengraben".

1732 nennt das Neukircher Lagerbuch die "Platte", ein hochgelegenes, ebenes Feld zwischen Neukirchen und Fröhnerhof.

"Im Neuwoog", ein neuer Woog, bei den schon vorhandenen drie "Kirchwöglein", die älter sind.

1732 "Am Rechacker", hinter dem "Döllgen", wo auch die Leimenkaut zu finden ist, geht es den Fröhnerpfad hinauf "uf den hohen Rech" in der "Fröhner Gemarck", der schon 1684 genannt wird unter dem Namen "Uff dem hohen Rhein".

Im Weistum von 1488, in dem das Niedergericht Neukirchen beschrieben wird, ist ein "Großer Stein" genannt, mit dem Abtstab und dem Otterburger Wappen, neben dem "Reitzenborn", in der Nähe des "Neuen Woogs".

1732 "Im Sand", früher teils Ackerland, teils Wald, wie der Name sagt, sandiger und daher schlechter Boden, heute bebauter Ortsteil, in unmittelbarer Nähe der neue Friedhof.

Das Neukircher Lagerbuch nennt 1732 öfters den "Sembacher Weg", der von Enkenbach herkommend, über Niedermehlingen und über den "Kreis" nach Sembach führt.

1655 kam das obere Neukircher Wiesenthal in den Besitz der Freiherren von Sickingen, die ihm ihren Namen verliehen. 1488 und 1600 werden genannt "Die Schillingswieß" und der "Schillingsborn".

Was könnte der 1725 und früher genannte "Schwanerhübel", auch "Schwanderhübel", der durch Schwenden (Schindendmachen) des Waldes, durch Abholzen, bzw. Abbrennen in Ackerland verwandelt wurde, alles erzählen, wenn er reden könnte, vom "Schwannerbaum", "Schwanderbild", vom "Schwanderberg" und den "Schwandergärten", oder auch vom Dorf Schwanden und dem Schwandergericht, mit dem reichen Anzo von Schwanden, der schon 1260 dem Kloster Otterberg seinen gesamten Besitz in diesem Dorf zu einem "Seelgeräth" vermachte. Noch 1466 bestand das Schwandergericht, von dem nicht ein einziges Schriftstück auf uns gekommen ist.

1664 "Uf dem Schlitweg", auf dem der Pflug oder die Egge mit Hilfe des Pflugschlittens von der Straße zum entfernteren Acker geschleift wurde.

An der "Schwarzkehr" bei der Gaulsweide, ehemals Gemeindewald, heute Übungsgelände und Exerzierplatz, fand man die vorchristlichen Gräber, von denen an anderer Stelle berichtet wird.

Weniger Rätsel gibt der "Schlüsselacker" am Mühlweg auf, wie soll man aber die "Vordere und hintere Steinau" erklären?

An die Zeiten, wo noch der Schäfer mit seiner Herde durch die Gassen zug, hie und da in den Gärten oder im Feld seinen Pferch aufschlug, erinnern die Namen wie "Schafgaß", "Schafgärten", noch 1566 und 1606 genannt, dann verschwunden und die "Schafbrücke", über die der Hirte die Schafe zum kleinen Bächlein führte.

1600 "Am Langen Stein", ein besonderer Stein an der Gemarkungsgrenze zwischen Neukirchen und Mehlingen, nahe der Kaiserstraße.

"Im Wäldchen", ehemals Wald, später "Drieschland" und "Schindkaut", wo der Schinder dem verendeten Vieh das Fell abzog und den Kadaver begrub.

Einige Rätsel gibt uns auch die Gewanne Weinfurt auf. Sicher hat Christmann recht, wenn er das ahd. winna-wunja, d. i. Weideplatz, Viehweide als Ursprung nennt. Wein beruht auf späterer Umdeutung. In gleicher Weise wäre das Weinwäldchen zu deuten, im Volksmund heute noch Winnewäldchen genannt.

Aus: "Neukirchen - Mehlingen - Baalborn, Geschichte der Dörfer auf dem Kreis" von Arnold Ruby

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