Der Waldumgang

Erstmals wurde der Umgang um die Waldgemark in den Grenzen des Klosters Otterberg im Vertrag von 1185 bezeugt.

Das Kloster versammelte eine Anzahl von geistlichen und fürstlichen Herren und eine Schar des ringsherum wohnenden Volkes, um seinen Besitz zu umschreiben, die Grenzen mit Grenzzeichen und Grenzsteinen zu versehen und unter Zustimmung des versammelten Volkes mit Hand und Siegel des Abtes von Lambrecht bestätigen zu lassen.

Dieser Grenzumgang und die Grenzfeststellung sollen erfolgt sein, nachdem mehrmals Übergriffe in das vorgegebene Eigentum des Klosters vorgekommen sein sollen.

Vertraglicher Ursprung des Waldumganges ist die Vereinbarung zwischem dem Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz bzw. dessen Pfleger des ehemaligen Klosters Otterberg und den drei Dörfern der Waldgemark vom Jahre 1567.

In Punkt 12 des am 21. Februar 1567 abgeschlossenen vertrages heißt es: "Je über 5 oder 6 Jahre soll ein Untergang (Umgang) von des Klosters Befehlshabern als Waldherr und den Waldmerckern geschehen, der Waldmarkung Bezirk besichtiget und von Stein zu Stein gegangen werden."

Man unterstellt hierbei die Absicht, dass die Waldmärker die Grenzen kennen und beachten lernen und keine "Irrungen" begehen sollen.

Aus der Beschreibung des Waldgemarksbezirks und des Umgangs vom Jahre 1609 ist zu ersehen, dass man den Vertragsverpflichtungen bis dahin nachgekommen war. Wahrscheinlich waren es dann die Wirrnisse des Dreißigjährigen Krieges, die diesen Brauch in Vergessenheit geraten ließen.

In den geistlichen Güteradministrationsakten beim Staatsarchiv in Speyer finden wir erstmals wieder im Jahre 1787 Aufzeichnungen über einen Waldumgang der Waldmärker.

Wieder vergingen Jahrzehnte, ja bald eineinhalb Jahrhundert bis man sich dieses alten Brauchtums erneut erinnerte und im Jahre 1935 den Waldumgang um die große Waldgemark durchführte.

Erneut durch die Kries- und Nachkriegszeit (1939 - 1945) unterbrochen, wurde der nächste Umgang wieder im Jahre 1950 veranstaltet.

Seitdem werden die Waldumgänge regelmäßig im fünfjährigen Turnus festlich begangen, zuletzt im Juni 2000.

Aus: "800 Jahre Waldgemark Neukirchen - Mehlingen - Baalborn" von Karl Ruby

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