Das Hochgericht auf der Hallau

Das Stumpfwaldgebiet zwischen den drei Dörfern Neuhemsbach, Alsenborn und Ramsen schien unseren früheren Vorfahren zur Anlegung von Gerichtsplätzen als besonders geeignet. Es ist kein Wunder, wenn da ein Spötter einmal von dem "Dreieck der Gerichtigkeit" gesprochen hat. Rechts der Straße Alsenborn - Randeckerhof - Neuhemsbach (20 Wegminuten nordöstlich vom Billesweiher bzw. vom Randecker Hof) befand sich auf dem Schelmenkopf das Landgericht auf dem Stampe, das Stumpfwaldgericht "Neun Stühle" - wie es später genannt wurde. Während wir es bei diesem Gericht mit einem der drei kaiserlichen Landgerichte im Wormsgau zu tun haben, war das Hochgericht auf der Hallau (einige Dutzend Schritte vom Billesweiher links der vorgenannten Straße) der Galgen zur Demonstration der Hohen Gerichtsbarkeit der Herrschaft Neuhemsbach.

Dass wir den Standort des Hochgerichts auf der Hallau noch wissen, verdanken wir der Grenzbeschreibung von 1604 des Philipp Völmann, Forstmeister aus Germersheim. Dieser nennt den Stein Nr. 19 "bei dem Hemsbacher Hochgericht auf der Hallau oberhalb der Hohlen". In der Alsenborner Grenzrenovation von 1764 wird auf diesen Stein Bezug genommen und auch auf den Galgen. Es heißt dann: "... dermahlen ist aber vor langen Zeiten hero kein Hochgericht mehr vorhanden". Es wurde ein neuer Stein gesetzt mit folgender Beschriftung: Rechts die Jahreszahl 1764, die Buchstaben AE (Alsenborn - Enkenbach), dem kurpfälzischen Rautenwappen; links der Buchstabe H (Hemsbach); nach der Seite zum sogenannten Flörsheimer Holz AEF (Alsenborn, Enkenbach, Niederflörsheim). Der Stein erhielt die Nummer 235 und ist als solcher heute noch in der Gemarkungskarte eingetragen. Wenn man den Galgenplatz aufsuchen will, so folgt man am besten der Gemarkungsgrenze vom Stein 230 ab, der am Philippsweiher (gegenüber dem Randecker Hof) steht. Stein Nr. 231 und Nr. 232 befinden sich auf dem Kopf oberhalb des Philippswögleins über dem Bächlein am Reimersberg (auch Galgenberg) genannt. Nr. 233 in einer Delle (auf einem alten Kohlplatz) und Nr. 234 an der Halte des Reimersbergs. Nr. 235 ist ein sogenannter Dreimärker, und hier befand sich das Hochgericht.

Der Galgen wurde errichtet von Friedrich von Flersheim, genannt von Neuen Heimßbach, dem Sohne des 1574 verstorbenen Tiburtius Bechtolff von Flersheim. Er diente zur Erweisung "der hohen Obrigkeit Gerechtigkeit" und war mit beiden Säulen "in den Grund gebauet". Im Jahre der Erbauung des Hochgerichtes wurde dies auch gleich in Funktion gesetzt. Es war nämlich eine "misstätige Person" mit Namen Hans Velten Stubenrauch wegen Diebstahls in der Hemsbacher Gemarkung "mit Urteil und Recht mit dem Strang vom Leben zum Tode hinzurichten und aufzuhenken kondemnieret" worden. Der Henker von Lautern war schon am Gerichtsort erschienen. Der Missetäter hatte bereits die Leiter zum Galgen bestiegen. Da bat ihn die Grundherrin, die "wohledel und tugendsame" Frau Anna von Flersheim, geb. von Weingarten, die mit ihren Kindern bei der geplanten Exekution zugegen war, wegen seiner Jugend und "verhofften Besserung" ab. So kam der Dieb nochmals mit dem Leben davon, obwohl der Arm der Gerichtigkeit schon zum harten Schlage ausgeholt hatte. Uns Gegenwärtige, die wir die Todesstrafe auch für die schwersten Verbrechen abgeschafft haben, wundert es sehr, dass man früher wegen Diebstahls solch schwere Strafen verhängte.

Im Jahre 1655 starben die Flersheimer aus. Ihre Herrschaft Neuhemsbach ging nach vielen Streitereien 1714 an die Grafen von Sayn-Wittgenstein über. 1764 ist - wie wir eingangs hörten - das Hochgericht bereits seit längerer Zeit nicht mehr vorhanden. Der Wald zwischen Randecker Hof und Alsenborn heißt jedoch heute noch Galgenwald.

Aus: "Neuhemsbach in der Nordpfalz, 2. erweiterte Auflage" von Friedrich W. Weber und Rudolf Bechberger

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