Der Spitze Hübel und die Anselburg

Zwischen Neuhemsbach und dem Alsenztal erhebt sich im hohen Buchenwald ein flachgewölbter Bergrücken, ganz unvermittelt wie ein regelmäßig, zuckerhutförmig geformter Kegel. Wegen seiner eigentümlichen Gestalt wird er im Volksmund "Spitzer Hübel" genannt.

Daniel Häberle hat bereits im Pfälzischen Museum 1904 S. 168 - 172 den Nachweis erbracht, dass der Hügel entweder mit einer alten Warte oder Schutzburg gekrönt war und das daran anstoßende heute bewaldete Gelände noch Spuren von früherem Ackerbau erkennen lässt.

Man erreicht den Spitzen Hübel vom oberen Alsenztal in der Nähe der Eselsmühle nach Osten aufwärts. Von Neuhemsbach aus führt ein von Wald eingerahmtes Wiesentälchen, die Rotwiese genannt, ebenfalls dorthin. An den steilen Hängen finden wir vereinzelt Mauersteine und Mörtelbrocken. Auf der höhe des Hübels sind mehrere in das Geröll gewühlte Löcher zu erkennen. Der Umfang des Kegels am Fusse gemessen beträgt 350 m.

Dieses seltsame Naturgebilde spielt begreiflicherweise in der Vorstellungswelt der Bevölkerung eine große Rolle. Die Sage berichtet, dass von hier aus ein unterirdischer Gang zum Kloster Enkenbach nach Westen bzw. zum Hemsbacher Schloss nach Osten verläuft. In diesen Gängen hätte der Probst von Enkenbach in Kriegszeiten seine Schätze und auch die Weinvorräte versteckt.

Nach dem Krieg 1870/71 haben vier Neuhemsbacher Bürger drei Wochen lang vergeblich versucht, nach diesem Schatz zu graben. Daher rühren auch die eingangs erwähnten Löcher. Gefunden wurden lediglich Tonscherben, Schweinehauer, Knochen, ein größerer und zwei kleinere Bronceringe von 30 bzw. 25 cm Durchmesser. In etwa 2 m Tiefe traf man nicht wie erwartet auf den Eingang der Stollens, sondern auf gewachsenen Fels. Die Enttäuschung war groß und man stellte die Arbeit ein.

Die aufgefundenen Bronceringe sind das einzige interessante Ergebnis dieser Grabungen. Sie lassen den Schluss zu, dass hier schon in sehr früherer Zeit, zur Zeit der Franken oder gar der Kelten eine Zufluchtsstätte oder Fliehburg gewesen sein mag.

Im Sommer des Jahres 1899 hatten Waldarbeiter den Auftrag, am Fusse des Spitzen Hübels Steine für den Wegebau zu graben. Dabei traf man nach Angaben eines Augenzeugen, des Herrn Krehbiel vom Randeckerhof, auf eine 3 m lange, 1,5 m hohe und 0,8 m dicke Mauer, die an einem Rand mit vier wohlbehauenen Sandsteinplatten (1,0 x 0,5 m) abgestützt war. Kein Zweifel - hier stand eine Burg und zwar die Anselburg.

Die Gesamtanlage und die gemachten Funde sowie das spärlich vorhandene Urkundenmaterial, das Dr. Daniel Häberle zusammengestellt hat, lassen darauf schließen.

Am 14. Februar 1419 verleiht Abt Dankwart von Hornbach (das benachbarte Münchweiler a. d. Alsenz gehörte zu Hornbach) das von der Kämmerei herrührende Gut zu Himsbach und Anselburg dem Hartmann Bayer von Geparten (Boppard) auf Lebenszeit um 7 fl. jährlich.

In einer Grenzbeschreibung des Weistums von Alsenborn und Enkenbach vom 24. April 1560 findet sich folgende Stelle: "Weisen sie fürter von Stein zu Stein, stehend und liegend und gut Looch (= Grenze, Grenzzeichen) mit auf einem Stein der stehet hinter dem Grießberg bei dem Weg, der das gehet zur Anselburg zu."

Nach einer Baubeschreibung des Gerichts Alsenborn und Enkenbach unter dem Datum 04. Juni 1604 durch Forstmeister Velmann wird in Blatt 46 die Anselburg folgendermaßen erwähnt: "Vom Alsenztal aufwärts hinterm Greßberg gegen Sonnenaufgang zum 2. Stein, steht dem Weg zur linken Hand, welcher gegen die Anselburg zugeht, der 3. Stein an der Rodbach."

Im Neuhemsbacher Lagerbuch des Tibertius Bechtholf von Flersheim aus dem jahre 1571 heißt es: "Drei Morgen Wiesen im Grafenthal stoßen unter auf den Bärenwoog, ober wider den Wald nach der Anselburg zu.

Der Bärenwoog lag oberhalb der Bärenmühle im Hemsbachtal. Von irgendwelchen Besitzern dieser Burg oder von dazugehörigem Herrschaftsgut meldet das Lagerbuch nichts. Das ganze Waldgebiet gehörte den Flersheimern bzw. zu Enkenbach.

Daraus ist zu schließen, dass die Burg damals unbewohnt, wahrscheinlich auch schon zerfallen war. Kein Wunder, wenn diese alte Waldfeste in Vergessenheit geraten ist.

Der Spitze Hübel ist bekannt, weniger die Tatsache, dass hier einmal die Anselburg stand.

[zurück zu Historie]