Gewannennamen plaudern Ortsgeschichte

Die Urbarmachung unseres heutigen Siedlungsraumes geschah nicht in einigen Jahren oder Jahrzehnten. Die Geschlechter unserer Vorfahren haben viele Jahrhunderte gerodet, angepflanzt, Versuche dieser und jener Art gemacht, bis schließlich das geworden ist, was wir heute als Ackerland, Wiese, gepflegten Wald und blühende Gärten besitzen. Bis auf den heutigen Tag ist dieser Prozess der Kultivierung nicht abgeschlossen.

Das gerodete Ödland bekam einen Namen, der über Lage, Besitzverhältnisse, Verwendungszweck, Nachbarn usw. Auskunft gibt. Es entstanden die Gewannennamen als Spiegelbilder der Zeit und kulturgeschichtlichen Verhältnisse der dörflichen Vergangenheit. Oftmals kommt es vor, dass solch ein Name noch der einzige Zeuge eines historischen Ereignisses oder Tatbestandes ist. Die Tradition ist verstummt, die Urkunden vernichtet - der Name aber lebt gewissermaßen als Wortdenkmal und gibt Zeugnis ab von dem, der die Mühe der Überlegung und Deutung nicht scheut.

Zur Veranschaulichung im Folgenden einmal eine Zusammenstellung von Gewannennamen aus der Gemarkung Neuhemsbach:

Remise, Frauenwoog, Tiergarten, Lustgarten, Rothwiese, Bärenwoog, Batzenweg, Pfaffenwiese, Philippsdell, Geldloch, Hirtenwiesen, Sionsberg.

Man könnte diese Reihe noch lange fortsetzen. Doch genügen schon diese angeführten Namen, um zu sehen, welch reiche Fülle von Heimatgeschichte hinter diesen Begriffen verborgen sein muss. Zwei Beispiele seien einmal näher erläutert.

Wenn man Neuhemsbach in Richtung Randeckerhof verlässt, sieht man unweit vom Dorf linker Hand ein in den Geißberg eingewelltes Tälchen, eine Mulde, die auch sonstwo in der Nord- und Westpfalz "Dell" genannt wird. Sie heißt im Volksmund "Hoppedell". Das bedeutet also Hopfental. Die Gewanne wird heute als Ackerland gepflanzt und von Hopfen ist weder hier in der Gemarkung noch sonstwo in der Umgebung etwas zu sehen. Und dennoch hat die "Hoppedell" ihren Namen zurecht. Die ältesten Einwohner des Dorfes wissen davon zu erzählen, dass in Neuhemsbach früher der Hopfenbau heimisch war.

Ein anderer Gewannenname lautet "Hammerberg". Er führt diese Bezeichnung nach dem Hammerwerk, dem Eisenhammer, der früher am Fuße dieses Berges in Betrieb war. Von der Erbauung des Hammers wird uns berichtet: am 24. September 1748 ersuchte Capitän Schwartz, ein Veteran der kurpfälzischen Husaren zu Lautern, bei dem gräflichen Inhaber der Herrschaft Neuhemsbach um die Genehmigung zur Errichtung einer Hammerschmiede. Der Graf gab die Erlaubnis hierzu, und stellte als Bauplatz eine Wiese unterhalb des Küchenwooges zur Verfügung.

Vom Hammerwerk ist nichts mehr zu sehen. Das Haus, in dem es eingerichtet war, steht heute noch. Aber auch, wenn dieses einmal nicht mehr sein wird, der Name "Hammerberg" wird bleiben, und den kommenden Geschlechtern die Erinnerung an den Neuhemsbacher Eisenhammer wachhalten.

Aus: "Neuhemsbach in der Nordpfalz, 2. erweiterte Auflage" von Friedrich W. Weber und Rudolf Bechberger

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