Die Herrschaft der Randecker in Neuhemsbach

Nachdem das Landesarchiv in Speyer die Urkunden des Gatterer Aparates erwerben konnte, ist eine Urkunde aufgetaucht, deren Existenz bisher nicht bekannt war. Es ist die Urkunde Nr. 130 vom 30. Oktober 1266, die der Verfasser anläßlich einer Ausstellung im Theodor-Zink-Museum in Kaiserslautern entdeckt hatte.

Darin wird Neuhemsbach erstmals erwähnt anläßlich einer Stiftung von Gottfried von Metz an das Kloster Enkenbach. Der Text ist ähnlich dem der 1272 in den nördlichen Pilon des Klosters Enkenbach eingeschlagen wurde und bisher die einzige urkundliche Erwähnung war.

1336 heiratete Gottfried von Randeck seine zweite Frau Schonette von Flersheim. Damit erscheinen erstmalig Flersheimer auf Randeck.

Am 15. Februar 1409 verleiht der Abt Dankwart von Hornbach das Gut "Himsbach" und die nahe Anselburg an Hartmann Beyer von Boppard, dessen Tochter Margarethe mit Rupprecht von Randeck verheiratet ist. Es ist anzunehmen, dass das Gut "Himsbach" der heutige Randeckerhof war, der 1739 auf den Ruinen des alten Gutes von Friedrich Ludwig von Sayn Wittgenstein für seinen Amtmann Sartorius erbaut wurde. Die hier erwähnte Anselburg war eine Fränkische Burganlage auf dem nahen "Spitzen Hübel".

In dem Lehensbuch des Landgrafen Hasso sind die Streitigkeiten des Gottfried von Randeck und Friedrich von Flersheim festgehalten. Es geht unter anderem hauptsächlich um die Recht in Münchweiler. Außerdem forderte er "Ychenbach den Wagck" (=Woog) und seinen Teil am Gericht zu "Ychenbach".

Gemeint ist die "Eichenbach" am Neuhemsbacher Bahnhof. Sie wurde 1279 erstmals erwähnt und war damals größer und bedeutender als heute und vermutlich selbständig. Um 1420 verstarb Rupprecht von Randeck. Er war zu Lebzeiten ein geschätzter und wohlhabender Ritter gewesen, dem 14 Ritter und Lehensmänner unterstanden. Seine einzige Tochter Margarethe war bei seinem Tode 8 Jahre alt und wurde in diesem zarten Alter an Ritter Friedrich von Flersheim verheiratet, um ihr reiches Erbgut zu sichern. So kam die Herrschaft Neuhemsbach an die Flersheimer. Der letzte Randecker mit Namen Adam starb 1515. Die Flersheimer bauten die Herrschaft Neuhemsbach zu stattlicher Größe aus. Sie übten die Herrschaft aus bis nach dem 30jährigen Krieg, als auch dieses Geschlecht erlosch. Der letzte Flersheimer Philipp Franz starb 1655 in Worms. 1685 kam dann die Herrschaft Neuhemsbach für 10.000 Reichsthaler an Graf Friedrich Wilhelm von Sayn-Wittgenstein. 1742 starb der Erbauer des Schlosses Neuhemsbach Friedrich Ludwig von Sayn-Wittgenstein in Neuhemsbach. Die Herrschaft endete mit der Französischen Revolution 1793, wobei auch das Schloss, das gerade einmal 80 Jahre überstand, zerstört wurde.

Erhalten geblieben ist nur die Schlosskirche. Unter der Kirche befindet sich eine Krypta. Sie war als Grablegung für die Angehörigen des Fürstengeschlechtes vorgesehen. Nach dem Münchweilerer Kirchenbuch sind hier nachweislich bestattet:

Am 17. September 1724 ist in Neuhemsbach verstorben und in die Schlosskapelle beigesetzt: Frau Gräfin Christine geborene von Wittgenstein-Homburg, verwittwete Gräfin Reuß von Plauen. Sie war 51 Jahre alt.

Weiterhin sind hier beigesetzt der erste Amtmann der Herrschaft Erasmus Strack, gestorben am 06.02.1734. Ihm wurde in der Kirche ein wunderschönes Grabdenkmal gesetzt. Ebenso wurde seine Ehefrau hier beerdigt.

Am 19.12.1742 ist in Neuhemsbach der Erbauer des Schlosses Graf Friedrich Ludwig von Sayn Wittgenstein verstorben und in der Schlossgruft beerdigt worden. Er wurde später nach Homburg überführt und in der Herrengruft der Homburger Grafen beigesetzt. An ihn erinnern noch die wunderschön geschwungenen Initialen mit der Fürstenkrone am Altar der Schlosskirche.

Nach einem Grabdenkmal, das an der Turmwand der Schlosskirche angebracht ist, wurde hier auch ein Töchterchen von Amtmann Sartorius beigesetzt. Amtmann Sartorius war der Amtsnachfolger von Erasmus Strack als Verwalter der Herrschaft. Für ihn hatte Graf Ludwig von Sayn Wittgenstein 1739 den Randeckerhof erbauen lassen, dessen Hauptgebäude heute noch Original erhalten ist.

Nach Friedrich Wilhelm Weber (Neuhemsbach in der Nordpfalz) soll hier in der Gruft nachweislich eine Gräfin von Pappenheim beigesetzt worden sein.

Mit verhältnismäßig geringem Aufwand wäre es heute möglich, die ehemalige Krypta, die jahrelang als Keller und Abstellraum genutzt wurde, in den ursprünglichen Zustand zu versetzen und eine würdevolle Gedenkstätte zu schaffen.

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