Baudweiler - ein untergegangenes Dorf

In einem Seitentälchen der Alsenz, die Sembacher Straße hoch gegen den Heuberg zu lag das Dorf Baudweiler. Dieses Dorf ist nachweislich im Dreißigjährigen Krieg untergegangen. Das einzige, was heute noch an dieses untergegangene Dorf erinnert, ist das sogenannte Baudweiler Kreuz: Ein gedrungenes, wuchtiges Sandsteinkreuz, das mitten in der Kreuzung der Alsenzstraße (B 48) - Sembacher Straße (L 393) steht. Nach einem Zinsbuch aus dem Jahre 1626 (St.A. Speyer, Sayn-Wittgenstein Nr. 5b) gehörte Baudweiler den Junkern von Flersheim und den Kolben von Wartenberg gemeinsam. Die Flersheimer hatten jedoch den Schultheis zu setzen und waren oberste Gerichtsherren.

Dann kamen die schweren Zeiten des 30jährigen Krieges, in dem auch unsere Gegend zu leiden hatte. Die Kroaten, die im Sommer 1635 Kaiserslautern eroberten und ein entsetzliches Blutbad unter der Bevölkerung anrichteten, verschonten auch die umliegenden Ortschaften nicht. Auch die Anwohner von Baudweiler hörten, dass die wilden, ungezügelten Gesellen unterwegs in Richtung ihres Dorfes waren. Sie hatten deshalb auf einer alten, dicken Eiche, die einen guten Rundblick abgab, einen Beobachtungsposten stationiert, der das Herannahen des Kriegsvolkes anzeigen sollte. Als der Späher das Herannahen der zügellosen Gesellen in Richtung auf ihren Ort signalisierte, flohen die Bewohner mit ihren Wertsachen und dem Vieh in die dichten Wälder der Umgebung. Wie wir von Hermann Karch wissen, hatte der Ortsvorsteher etwas Wichtiges vergessen.

Er schickte seine Dienstmagd deshalb nochmals ins Dorf, um das Vergessene zu holen. Sie sollte sich vorsichtig verhalten, um ja nicht gesehen zu werden. Als sie das Dorf wieder verließ, gewahrten sie die Horden. Sie rannte um ihr Leben, doch die Kriegsknechte holten sie ein. Sie richteten das wehrlose Mädchen übel zu, weil sie das Versteck der Dorfbewohner nicht preisgeben wollte. Die Dorfbewohner hörten die Schreie des Mädchens und mussten ohnmächtig zuhören, wie sie gepeinigt wurde. Ein junger Neffe des Ritters von der nahen Burg Wartenberg vernehm die Schreie ebenfalls und eilte dem Mädchen zur Hilfe. Er kam jedoch zu spät. Er streckte einige der Wüstlinge zu boden, doch die Übermacht war zu groß. Er verlor ebenfalls sein Leben. Als die Kroaten nun das Dorf völlig verlassen vorfanden, zerstörten sie aus Wut alles und zündeten den Ort an. Dann gelang es ihnen doch noch, die Bewohner in den nahe gelegenen Wäldern aufzuspüren. Sie richteten ein so gründliches Blutbad an, dass kaum einer entkam, um von der grauenhaften Tat berichten zu können.

In einem Akt vom 02. September 1652 wird festgehalten, "dass im Dorf und dem ganzen Gerichtsbezirk Baudweiler nur ein Heckenwald übriggeblieben ist." Das Dorf war so gründlich zerstört, dass kein Stein mehr auf dem anderen war, so dass auch niemand mehr Lust empfand, es wieder aufzubauen.

So geriet der Ort nach 350 Jahren fast völlig in Vergessenheit. Saftige Wiesen und Weiden findet man heute dort, wo ehemals das Dorf war. Nur das steinerne Kreuz unweit der Eichenbacher Mühle erinnert noch an ein ehedem blühendes Gemeinwesen.

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