Daniel Ritter und Johann Heinrich Hochdörfer

Die Jahre zwischen dem Wiener Kongreß 1815 und der deutschen Revolution von 1848/49 waren in der Pfalz wie im übrigen Deutschland eine Zeit tiefgreifender Liberalisierungsbestrebungen. Besonders das Bürgertum drängte gegenüber den monarchischen Regierungen nach politischer Gleichberechtigung. Es forderte Verfassungen, die weitgehende politische Mitspracherechte sicherten und bürgerliche Freiheiten wie Meinungs-, Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit garantierten.

Die mittlerweile zu Bayern gehörenden Sembacher nahmen durch zwei Persönlichkeiten aus ihren Reihen an dieser politischen Entwicklung teil:

Der Posthalter Daniel Ritter, dessen Werdegang schon an anderer Stelle geschildert wurde, vertrat die liberalen Forderungen des Vormärz als pfälzischer Abgeordneter im bayrischen Landtag. Ritter, der keineswegs ein Revolutionär war, schloss sich nach seiner Wahl im Jahr 1831 dem radikalen Flügel der pfälzischen Abgeordneten an, dessen profilierteste Vertreter der Zweibrücker Rechtsanwalt Schüler sowie die Abgeordneten Schopmann, Brognio und Jordan waren. Ritters größter Verdienst war, dass er 1831 zusammen mit diesen Männern die Haushaltsentwürfe der bayrischen Regierung zu Fall brachte und durchsetzte, dass die für die königlichen Prunkbauten vorgesehenen Mittel gestrichen und statt dessen mehr Gelder für den bayrischen Rheinkreis zur Verfügung gestellt wurden. Dies verminderte zwar nicht wesentlich die steuerlichen Belastungen der Pfälzer, war jedoch ein symbolischer Erfolg gegen die maßlose Steuerpolitik, mit der die bayrische Regierung die Pfalz benachteiligte.

Nach seiner Rückkehr aus München ehrte man Ritter für diesen politischen Erfolg mit einem Festmahl im Bayrischen Hof in Kaiserslautern. Eine eigens zusammengestellte Delegation begab sich hierzu am 15. Januar 1832 nach Sembach, um den Posthalter in die Stadt zu bringen. Der Empfang in Kaiserslautern war herzlich. Schon an der Eselsfürth erwarteten zahlreiche Bürger mit Kutschen und Pferden den Abgeordneten, um ihn zum Bayrischen Hof zu begleiten. Dort angekommen, begrüßte Polizeikommissar Müllinghoff Ritter im Namen der Stadt und charakterisierte ihn als einen Mann, der nicht wie andere Abgeordnete seine Versprechungen missachtet, sondern das Gute unter der Devise gefördert habe, dass Bürgerwohl gleich Fürstenwohl sei. Dem Empfang folgten weitere Reden, die das Engagement der pfälzischen Abgeordneten im Landtag würdigten. Geehrt wurde Ritter auch mit dem Vortrag eines eigens verfassten Gedichtes eigens verfassten Gedichtes und zweier Lieder. Im Laufe des Abends traf schließlich Pfarrer Hochdörfer aus Sembach ein und überbrachte eine von 82 Einwohnern des Dorfes unterzeichnete Grußadresse, die deutlich machte, dass ein erheblicher Teil der Sembacher Bürgerschaft mit der bayrischen Finanzpolitik gegenüber der Pfalz nicht zufrieden war und deshalb die Arbeit der pfälzischen Landtagsopposition in jeder Hinsicht begrüßte. An Ritter gerichtet schrieben die Sembacher: "Ja, wir haben vernommen, dass Sie immer männlich, immer fest in der kleinen Schar der der Volksvertreter standen, die aus Herzensdrang und mit unerschütterlicher Standhaftigkeit unsere heiligen Rechte gegen die Griffe der Gewalt und unseren saueren Arbeitsschweiß gegen gefühllose Vergeudung zu schützen suchten. Das aber erfüllte unsere Herzen mit Dank, dem wärmsten Dank, den wir Ihnen heute darbringen möchten."

Nach weiteren Reden bat Ritter gegen 10 Uhr sich in die Wirtschaft "Zur Post" zurückziehen zu dürfen, um dort die Nacht zu verbringen. Der Weg dorthin glich nochmals einem Triumphzug. Ritter wurde mit Fackelschein begleitet, an der Straße jubelten ihm dicht beieinanderstehende Menschen zu und der Kaiserslauterer Apotheker Müllinghoff ließ schließlich in der Dunkelheit ein bengalisches Feuer in der Schale des Stiftskirchenbrunnens entzünden.

Der Kaiserslauterer Empfang war der Höhepunkt der politischen Laufbahn Daniel Ritters. In der Folgezeit trat er nicht mehr maßgeblich in Erscheinung. Im Umfeld des Hambacher Festes zog es der Sembacher Posthalter vor, politische Zurückhaltung zu üben. Er nahm weder am Fest teil, noch wehrte er sich entschieden gegen die nach Hambach erlassenen Beschlüsse Metternichs zur Pressezensur. Als sich am 01. August 1832 im Bayrischen Hof in Kaiserslautern 70 Anhänger der liberalen Bewegung trafen, um über ein Protestschreiben des Preßvereins gegen die Zensur zu beraten, riet Ritter zur Bedachtsamkeit. Ritter gehörte schließlich zu den insgesamt 32 Versammlungsteilnehmern, die sich nicht dazu entschließen konnten, das Dokument zu unterschreiben.

Andere Wege als der bürgerliche Ritter schlug der am 28. Oktober 1799 als Sohn eines Bauern in Winzingen geborene Pfarrer Johann Heinrich Hochdörfer ein. Als er 1827 die protestantische Pfarrei Sembach (Sembach, Mehlingen, Rohrbach, Wartenberg, Baalborn) übernahm, deutete zunächst nichts darauf hin, dass er zu einem der radikalsten pfälzischen Oppositionellen des Vormärz werden sollte. Der eher unscheinbar wirkende Hochdörfer hatte sowohl sein Theologiestudium in Heidelberg als auch seine anschließende Ausbildung zum Pfarrer nur mit mäßigem Erfolg abgeschlossen. Doch schon bald nach seinem Amtsantritt in der Pfarrei Sembach entfaltete der noch nicht nicht dreißigjährige Pfarrer eine rege publizistische Tätigkeit. Er begann, verschiedene Zeitschriften herauszugeben, welche die politischen Missstände der Zeit anprangerten. 1828 erschien zunächst Hochdörfers "Eleutherins", der jedoch bald mangels Abonnenten wieder einging. Trotz dieses Misserfolges brachte Hochdörfer 1831 von neuem eine "Zeitschrift für Menschen- und Bürgerrechte, Aufklärung, Religion und Sittlichkeit" heraus, den "Rheinbayrischen Volksfreund". Auch sie scheiterte an der fehlenden Leserschaft. 500 verkaufte Exemplare reichten für den Fortbestand des Blattes nicht aus. Einen dritten Versuch unternahm Hochdörfer schließlich mit seinem "Bürgerfreund", der am 1. April 1932 erstmals erschien. Wie sich besonders bei der Herausgabe des "Bürgerfreundes" zeigte, waren die Schriften des Pfarrers trotz ihres wirtschaftlichen Misserfolges nicht ohne Wirkung geblieben. Hochdörfer hatte sich bei der Regierung unbeliebt gemacht, was die Verfolgung seiner neuen Zeitschrift durch die Zensurbehörden nach sich zog. Auch Hochdörfers Vorgesetzte beobachteten dessen Aktivitäten mit zunehmenden Missmut, zumal der unliebsame Pfarrer nicht nur mit Worten gegen die bestehende Ordnung protestierte, sondern auch durch Taten. So weigerte er sich z. B. 1831 wegen der großen Armut seiner Gemeinde eine vom Konsistorium für einen Kirchenbau angeordnete Kollekte durchzuführen. Ein Verweis wegen renitenten Verhaltens ließ nicht lange auf sich warten. Überhaupt regnete es mittlerweile Disziplinierungen und Maßregelungen. Mehr als einmal wurde der Sembacher Pfarrer wegen Nachlässigkeit in Dienstverrichtungen, wegen unanständigen Betragens gegen Vorgesetzte im Amt, wegen Überschreitung seiner Amtsbefugnisse oder wegen unrichtigem, anmaßendem, trotzigem Benehmen zurechtgewiesen. Im Februar 1832 suspendierte ihn das Konsistorium von seinem Amt.

Hochdörfer, dessen Charakter zum Extremen neigte, ließ sich jedoch durch nichts einschüchtern. Ein neues Forum für seinen politischen Kampf fand er im Mai 1832 auf dem Hambacher Fest. Er profilierte sich dort neben Wirth und Siebenpfeiffer als einer der Hauptakteure. Die Rede, die er auf dem Hambacher Schloßberg hielt, gehörte zu den radikalsten des ganzen Festes. Hochdörfer, der sich selbst als "Verehrer der Volkssouveränität" und als "aufrichtiger Freund des Volkes und der Freiheit" sah, forderte in ihr eine Verfassung, die die Rechte des Volkes gegen die Willkür der Mächtigen schützen sollte. Er meinte: "Sollen die Völker Europas frei und glücklich werden, so müssen, meines Erachtens, vor allen Dingen ihre Rechte in ihrem ganzen Umfange, ihr Schweiß und Blut, ihr Eigenthum und die persönliche Freiheit in ihrer Mitte durch solche Verfassungen oder Constitutionen sichergestellt und beschirmt werden, die keine menschliche Hand auf Erden, die eines Königs oder Ministers so wenig als die eines sonstiges Sterblichen verletzend berühren darf, ohne so gleich von der strafenden Hand der Gerechtigkeit ergriffen zu werden." Die bisher bestehenden Verfassungen lehnte Hochdörfer radikal ab. Sie waren in seinen Augen nur geschaffen worden, um die Ausbeutung und Unterdrückung des Volkes durch die Regierenden zu rechtfertigen. Mit Blick auch auf die bayrische Verfassung erklärte er: "Mehrere Völker Europas und darunter auch einige deutsche Stämme haben nun zwar Constitutionen, allein Constitutionen, die nur die Rechte, die Person der Machthaber, und was diese sich immer nur anzueignen im Stand sind, für unverletzlich und heilig erklären: Gut und Blut, Leben und Vermögen des Volkes aber ihnen gegenüber schutzlos, den beliebigen tausendfachen Eingriffen ihrer unantastbaren Gewalt als gute Beute hinstellen."

Mit zwei Beispielen versuchte der Sembacher Pfarrer seine Kritik zu untermauern. An erster Stelle führte er das Recht der Regierungen ein, nach Gutdünken Soldaten auszuheben. Dieses Recht betrachtete er vor allem deshalb als bloße Willkür, weil die Mächtigen die Soldaten in seinen Augen ohnehin nur zu ihrem Zeitvertreib, zur Befriedigung ihrer persönlichen Launen oder zur persönlichen Bereicherung Krieg führen ließen. Als besonders empörend empfand er hierbei, dass die Regierungen auch Truppen gegen ihre eigenen Untertanen einsetzten, um innere Unruhen niederzuschlagen, wie sie z. B. auch in Deutschland im Gefolge der französischen Julirevolution von 1830 aufflackerten.

Hochdörfers zweiter Kritikpunkt war die Steuerschröpfung der Bevölkerung durch die herrschenden Regierungen, denen er vorwarf, das Volk bis auf den letzten Pfennig auszupressen und es so um den Lohn seiner Arbeit zu bringen. Hierbei spielte er mehr oder weniger offen auf die maßlose Steuerpolitik der bayrischen Regierung an, die die Pfälzer mit ungleich höheren Abgaben als die Bayern belastete und so eine halbwegs günstige wirtschaftliche Entwicklung der Pfalz verhinderte. Diese Ausbeutung wog aus der Sicht des Pfarrers umso schwerer, als sie mit Verschwendung Hand in Hand ging. An der bayrischen Regierung ließ er dementsprechend kein gutes Haar und charakterisierte ihre Habsucht gegenüber den Festteilnehmern mit den Worten: "Ja, würde die Allmacht den Berg (d. h. den Hambacher Schloßberg), auf dessen Haupt wir stehen, und alle Berge um uns her in Gold umwandeln, - diese Machthaber würden sie in wenigen Finanzperioden allesamt abgetragen haben, und das bayrische Volk nebenbei dennoch ausbeuten, es dennoch mit einer unermesslichen Staats-Schuld beladen, es dennoch mit einer unerschwinglichen Abgabe-Last erdrücken, - und dies Alles unbeschadet des Besitzes seiner Constitution."

Trotz seiner gerechtfertigten Kritik fand Hochdörfer nicht bei allen Festteilnehmern Anklang. Besonders die Radikalität seines Auftretens und seines Tonfalls missfiel. Ein Augenzeuge meinte hierzu: "Hochdörfer, einer der exaltiertesten Liberalen, gefiel mir am wenigsten. Schon sein Äußeres stößt ab; er ist klein, sein Angesicht hat nichts Interessantes und ich hätte ihn eher für einen Handwerksburschen als für einen Pfarrer gehalten. Ich halte ihn überhaupt für einen der geistlosesten und gemeinsten Vertreter jener Ideen. Es mag sein, dass er mich gerade seines Standes wegen so wenig ansprach, denn sein Benehmen war seines Standes völlig unwürdig."

Ähnliches mag auch Georg August Wirth empfunden haben. Er druckte jedenfalls die Rede des Pfarrers nicht in seiner offiziellen Beschreibung des Hambacher Festes ab. Sie erschien statt dessen in Hochdörfers "Bürgerfreund" am 2. Juni 1832.

Wie alle Hauptakteure des Hambacher Festes hatte sich auch Hochdörfer, der verheiratet war und zwei Kinder hatte (ein drittes war 1830 gestorben), vor Gericht zu verantworten. Er wurde zunächst wegen "Aufforderung zum Umsturz der Staatsverfassung" vor dem Assisengericht angeklagt, am 16.08.1833 aber freigesprochen. Am 16. November 1833 verurteilte ihn das Appellationsgericht Zweibrücken zu zwei Jahren Gefängnis.

Ohne Verdienst- und ohne Arbeitsmöglichkeit emigrierte Hochdörfer nach der Verbüßung seiner Haftstrafe in die Schweiz. Er fand zunächst eine Anstellung als 1. Bezirksschullehrer in Waldenburg im Kanton Baselland (1836), musste aber 1839 nach Genf weiterziehen, da er sich mit einem Kollegen und dem baselländischen Erziehungsrat überworfen hatte. In Genf fand er unter deutschen Landsleuten neue Aufnahme. Er gab deutschen Unterricht und konnte sich durch Fleiß, Umsicht und gemessenes Benehmen das Vertrauen vieler, auch das von vornehmen Familien, erwerben.

Seine politischen Leidenschaften ließen Hochdörfer, der von den politischen Verhältnissen in der Schweiz maßlos enttäuscht war, jedoch auch im Exil nicht los. In Genf nahm er Kontakt zu den Handwerkern des "Jungen Deutschland" auf und entfaltete in ihrem Kreis eine lebhafte Tätigkeit. Gegen Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts verfocht Hochdörfer immer mehr frühsozialistische Ideen. In engster Anlehnung an Wilhelm Weitlings 1838 in Paris erschienene Schrift "Die Menschheit, wie sie ist und wie sie sein soll", veröffentlichte er 1840 eine Abhandlung "Über die Abschaffung der Todesstrafe und Verhütung der Verbrechern vom Standpunkte der Sozialreform", in der er sich für eine radikale soziale Umgestaltung der Gesellschaft einsetzte. Neben der Abschaffung der Todesstrafe forderte Hochdörfer eine Gesellschaftsordnung, deren Verfassungen und Gesetze "den Geist des Christentums, der Sittlichkeit, der Gerechtigkeit, der Heiligachtung der Menschenrechte und Menschenwürde athmen [sollten]". Alle Menschen sollten in gleicher Weise am Staat teilhaben können, soziale Ungerechtigkeit und Armut sollte es nicht mehr geben. Zweck des Staates und der Gesellschaft sollte sein, der Verwirklichung der geistigen und sittlichen Bestimmung des Menschen im Sinne der obengenannten Ideale zu dienen. Die Voraussetzung hierfür sah Hochdörfer in der Schaffung einer angemessenen (republikanischen) Regierungsform und eines breiten Volksbildungswesens. Außerdem sollte der Staat selbst als oberste Erziehungsinstanz die Sitten seiner Bürger "von der Wiege bis zur Bahre" beaufsichtigen. Dass sich diese Sittenaufsicht des Staates auch leicht in eine Gesinnungstyrannei gegenüber den Bürgern umschlagen konnte, bedachte der optimistische Hochdörfer allerdings nicht. Auch was die Beseitigung von sozialer Ungerechtigkeit und Armut anging, sah der ehemalige Sembacher Pfarrer manches vielleicht zu rosig. Unter anderem hoffte er darauf, dass die Reichen früher oder später selbst aus Einsicht in die sozialen Missstände freiwillig auf alle Privilegien verzichten würden. Darüber hinaus machte er jedoch auch noch zahlreiche praktische Vorschläge zur Beseitigung der Armut. Er fasste eine dem Allgemeinwohl dienende Verstaatlichung von Handel, Industrie und Erfindungen ins Auge, forderte staatlich festgesetzte Löhne und eine Beschränkung der Arbeitszeit auf 6 Stunden pro Tag, plädierte dafür, die Arbeit durch eine fortschreitende Maschinisierung zu erleichtern und wollte eine staatlich überwachte Arbeitspflicht. Ebenso hielt er es für wichtig, eine staatlich gelenkte Wohltätigkeitspflicht einzuführen.

Als 1848 die deutsche Revolution ausbrach, kehrte Hochdörfer wieder in die Pfalz zurück, um für seine politischen Ziele zu kämpfen. Er agitierte für die in Kaiserslautern tagende Provisorische Regierung der Pfalz. Nach dem Scheitern des pfälzischen Aufstandes 1849 wurde Hochdörfer erneut unter Anklage gestellt. Er starb jedoch schon am 28. Januar 1851 in seinem Heimatort Winzingen.

Wenn auch Hochdörfers Aktivitäten zur Zeit des Hambacher Festes in revolutionären Kreisen nicht nur auf Gegenliebe stießen, hinterließ sein Wirken in Sembach doch gewisse Spuren. Die Gemeinde war offenbar so eingenommen durch die Erscheinung des Pfarrers, dass das Kirchenkonsistorium in Speyer noch 1835, drei Jahre nach Hochdörfers Verhaftung, Schwierigkeiten hatte, die vakante Pfarrstelle mit einem Kandidaten zu besetzen, dem die Zustimmung der Gemeindemitglieder sicher sein konnte. Widerstand gegen seine Entscheidungen befürchtend, klagte das Konsistorium denn auch etwas hilflos:

"Der Einfluss, den Hochdörfers... früheres amtliches Wirken auf die sonst (!!) achtenswerte Gemeinde Sembach gehabt hat, scheint leider auch nach seiner Entfernung vom geistlichen Amte .... fortzubestehen. Das bey einem Theile desselben noch nicht erloschene Andenken an ihn, lässt seinen Nachfolger keine freundliche Aufnahme hoffen." Mit der Zeit schwanden allerdings die Erinnerungen an Hochdörfer und die von ihm hervorgerufene politische Gärung in der Gemeinde beruhigte sich.

Als dann die Revolution von 1848/49 das Dorf erreichte, zeigten sich seine Bewohner eher moderat. Unter dem Einfluss des königstreuen Pfarrers Kennel verhielten sie sich in den Revolutionsjahren weitgehend ruhig. Als am 2. Juni 1849 etwa 200 bewaffnete Revolutionäre aus Baalborn versuchten, den Sembacher Pfarrer wegen seines Bekenntnisses zum König und abfälliger Äußerungen über fahnenflüchtige Soldaten vor das Revolutionsgericht in Kaiserslautern zu stellen, machten die Sembacher keine Anstalten, die Baalborner zu unterstützen. Sie stellten sich im Gegenteil hinter ihren Pfarrer. Ein Blutbad vorm Pfarrhaus konnten nur dadurch vermieden werden, dass sich Kennel freiwillig verhaften und in einer Postkutsche nach Kaiserslautern abtransportieren ließ.

Aus: Entwurf der Ortschronik der Ortsgemeinde Sembach

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