Die Gewannennamen von Sembach

Im Zusammenhang mit den im Dorf und seinem Umkreis herrschenden Besitzverhältnissen verzeichnet das Lagerbuch von 1725 sämtliche Gewannen der Gemarkung. Ältere diesbezügliche Nachrichten oder Verzeichnisse fehlen. Das Lagerbuch erwähnt die folgenden Fluren:

In der nördlichen Gemarkung:

  • Die Steinau: Die in der nördlichen Gemarkung gelegene Steinau verdankt ihren Namen ihrem steinigen Untergrund.
  • Im Frankenland: Die Gewanne lag zwischen dem heutigen Friedhof und dem Gögelchesberg. "Im Frankland" bedeutet wohl soviel wie "im Land des Frank".
  • Im Kredenpfuhl: Die Gewanne liegt ungefähr zwischen dem heutigen Friedhof und dem Heuberg. Der Name Kredenpfuhl deutet auf eine Wasserpfütze, einen Morast, einen Sumpf oder auf Bruchland hin, wo Kröten oder Frösche lebten. Heute noch bildet die Gewanne eine flache Stelle, in der sich bei starkem Regen gern Wasser ansammelt, das in dem lehmigen Boden nur langsam versickern kann und Frösche und Kröten anzieht.

In der südlichen Gemarkung:

  • In den Sandäckern am Dorf: Die Flur lag rechts der "Enkenbacher Hohl" der Haardtwiese gegenüber, streifte den Stiefelsberg und endete an der Gewanne "Am Galgen". Wie der Name schon andeutet, war der Boden in dieser Flur sandig.
  • Auf dem Stebelsberg: Das im Flurnamen enthaltene Wort "Stebel" bedeutet so viel wie "Pferch für weidende Schafe und Ziegen" und hat nichts mit der gegenwärtig gebräuchlichen Bezeichnung "Stiefelsberg" oder mit der Form eines Stiefels zu tun. Auf dem Stebelsberg weidete man demnach Schafe und Ziegen.
  • Im Buchholtz, im Fluhr vor dem Buchholtz: Die Flur zog sich etwa hinter dem heutigen Anwesen "Schmidt/Nunheim" und "Mehlinger" hin und grenzt heute noch an ihrem südlichen Ende an den Flugplatz. Ihr Name deutet wohl auf einen früheren Buchenwald hin, den man im Laufe der Zeit rodete, um Ackerfläche zu gewinnen.
  • Im Galgenacker, In der Galgenwiese, An der Galgenwiese am See, An der Galgenwiese: Die Gewannen befinden sich südlich des Stiefelberges. Ihr Name rührt von dem auf ihrem höchsten Punkt aufgestellten Galgen, der von fast allen Punkten der Gemeinde sichtbar war. Personen, die schwere Straftaten begangen hatten, wurden hier vor aller Augen erhängt. Der Galgen in Sembach wird schon im 16., 17. und 18. Jahrhundert erwähnt. Der wohl letzte Henker Sembachs war ein Peter Schmidt. Er wird 1789 erwähnt.
  • In den 11 Morgen, In den 17 Morgen, In den 20 Morgen: Alle drei Fluren fielen in diesem Jahrhundert dem Flugplatzbau zum Opfer. In Ermangelung topographischer Besonderheiten benannte man die Gewannen vermutlich einfach nach ihrer ursprünglichen Größe.
  • Auf der Enkenbacher Hohl: Der Hohlweg führt nach Enkenbach. Lange Zeit benutzten ihn vor allem jene Sembacher, die zum katholischen Gottesdienst nach Enkenbach gehen wollten oder in Enkenbach arbeiteten.
  • Im Krep: Die Flur lag gegenüber der Gewanne "Im Stinkental" und ist heute Teil des Flugplatzgeländes. Sie gehörte zu den fruchtbarsten Gewannen Sembachs überhaupt. Ihr Name läßt sich bisher nicht deuten.
  • In denen Ochsen Morgen: Nach mündlicher Überlieferung befand sich die Flur unweit von Niedermehlingen. Der Flurname ist nur schwer zu deuten. Möglicherweise handelte es sich um ein schwer zu bearbeitendes Stück Land, das vorwiegend mit Ochsen beackert wurde.
  • Im See: Die Gewanne dehnte sich am südlichen Zipfel der Gemarkung in Richtung Niedermehlingen aus. Ihr Name deutet daraufhin, dass sich an ihrer Stelle einmal ein Weiher oder Woog befand.
  • Im Hahnborn: Die Flur war in der südlichen Gemarkung in Richtung Mehlingen gelegen (heute Flugplatzgelände). Das Wort Born im Flurnamen weist auf einen Brunnen oder eine Quelle hin. Der aus dem Mittelhochdeutschen abgeleitete Begriff Hahn(en) bedeutet soviel wie (Dornen-) Gebüsch. Demnach bezeichnet der Flurname eine in einem Gebüsch gelegene Quelle. In ähnlicher Wiese läßt sich der Name Hahnenkopf deuten. Dieser Bergkopf war früher offenbar mit Gebüsch bewachsen.

In der westlichen Gemarkung:

  • Staudacker: Am südlichen Rand des Staudackers befindet sich heute der Sportplatz. Der Flurname deutet an, dass der karge Boden des Staudackers einmal vorwiegend mit Büschen oder Stauden bewachsen war.

In der östlichen Gemarkung:

  • Die Haardtwiese, Auf der Haardtwiese: Die Gewanne liegt am Ostrand des Dorfes an der Enkenbacher Hohl und ist heute Neubaugebiet. Das in dem Flurnamen enthaltene alte Wort "Haardt" bezeichnet einen licht stehenden Wald mit Grasboden und deutet darauf hin, dass die Flur einmal eine Waldwiese war.
  • Im Holderstück: Die Gewanne reicht etwa vom örtlichen Dorfausgang bis zur Schellpetereiche. Starker Holunderwuchs gab der Flur den Namen.
  • Im Stinkenthal: Die Gewanne liegt in der südöstlichen Gemarkung zwischen Steinkopf und Flugplatz. Der Flurname erinnert daran, dass in diesem Tal früher, lange bevor die gesetzlich vorgeschriebenen Abdeckereien eingerichtet wurden, Kadaver toter Tiere verscharrt wurden. Wenn die Tiere nicht hinreichend verscharrt wurden, kam es wohl mitunter zu üblem Geruch. Daher die Bezeichnung "Im Stinkenthal".

In nicht mehr feststellbarer Lage:

  • Ahn der Saudellen: Die Bezeichnung "Delle" weist darauf hin, dass sich die Flur bei einer leichten Vertiefung im Gelände befand. Wahrscheinlich war die Saudelle ein Ort, wo sich Wildschweine versammelten.
  • Am Dorf: Der Name bezeichnet eine Flur, die direkt am Dorf lag.
  • Auf dem Schüßlers Acker: Der Name läßt keine klare Deutung zu.
  • Die Hergertswiesen: Der Name deutet darauf hin, dass die betreffende Wiese dem "Hergert" gehörte.
  • Die Johanneswiese: Der Name deutet an, dass es sich bei der Flur um die Wiese des Johannes handelte.
  • Hinter des Schue Caspars Haus: Die Gewanne lag hinter dem Haus des Caspar Schue.
  • Im breiten Stück: Es handelte sich um ein kleines Stück Land, das dank seiner Lage zu einem angrenzenden Weg wohl recht breit erschien.
  • In den Disteläckern: Die Gewanne erhielt ihren Namen offensichtlich von auffallendem Distelbewuchs.
  • Als besondere Zugehörungen der Gemarkung Sembach verzeichnet das Lagerbuch von 1725 die Eichenbacher Mühle, den Längstlerhof, die Ziegelhütte und die Gemarkung des im 18. Jahrhunderts schon längst verschwundenen Dorfes Baudweiler.

Aus: Entwurf der Ortschronik der Ortsgemeinde Sembach

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